Als er seinen Fuß auf den Asphalt des Flughafens Kokota, bei Accra, der Hauptstadt des unter vielerlei Gesichtspunkten exemplarischen westafrikanischen Ghana setzt, entgeht dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama nicht der Gefühls-Tsunami, den er in Afrika auslöst. Man bedauert zwar, dass es nur ein Blitzbesuch ist, aber man nimmt es ihm nicht übel. Schon gar nicht in Accra.
Ein untrügliches Zeichen: Die kleinen Aufkleber mit dem Gesicht von Osama bin Laden oder mit ihn verherrlichenden Slogans sind verblasst, die neuen zeigen Barack Obama, den verlorenen Sohn des Kontinents. Ob er es will oder nicht, der fesche Präsident der USA wird von Millionen Afrikanern als einer der ihren betrachtet, auch wenn sie wissen, dass er sich auch anderswo großer Sympathie erfreut.
Auch diesmal zeigt er seine Originalität, seinen politischen Scharfblick und seine pädagogische Begabung. Mit seiner Entscheidung nach Accra zu kommen, belohnt er die Demokratie. Denn die Menschen in Ghana haben, begierig auf einen Wechsel, einen 64-jährigen Juraprofessor, Herrn John Atta-Mills, zum Präsidenten gewählt und so zum zweiten Mal auf diesem Kontinent einen friedlichen demokratischen Übergang geschafft. Es ist diese politische Ausnahme, die der Präsident der USA begrüßt. So gibt er Impulse für eine neue politische Ordnung auf diesem Kontinent und ermutigt die anderen afrikanischen Nationen, den Weg der Demokratie, des Rechts und der Gerechtigkeit zu gehen.
Der Autor
Abdourahman A. Waberi, geboren 1965 in Dschibuti, hat in Frankreich, Berlin und den USA gelebt und unterrichtet. 2008 erschein sein Roman "In den Vereinigten Staaten von Afrika".
Unseren Text übersetzte Arno Widmann.
Unseren Text übersetzte Arno Widmann.
Eine andere Zeit, ein anderer Tonfall. In seiner feinen und aufbauenden Art lässt Präsident Obama diesmal das politische Afrika in die Erwachsenenphase eintreten. Er schafft eine Spannung zwischen seinem aufmerksamen und emphatischen Zuhören und dem festen und rückhaltlosen In-die-Verantwortung-Setzen der afrikanischen Politiker. Er ruft den Parlamentariern Ghanas die Selbstverständlichkeit ins Gedächtnis, dass die Zukunft Afrikas Sache der Afrikaner selbst ist, dass der Westen nicht für alles verantwortlich gemacht werden kann. So treibt er die politisch Verantwortlichen Afrikas in die Enge. Sie können ihn nicht einen Kolonialisten oder Rassisten nennen. Ein Geschäft, auf das sie sich verstehen, denn ihre Interessen treiben sie auf den Weg der Schuldzuweisung und der moralischen Erpressung. Afrikanischen Journalisten hatte Obama schon vor seiner Reise erklärt: "Es ist leicht mit Fingern auf den anderen zu zeigen, den Fehler bei den anderen zu suchen. Aber der Westen ist nicht verantwortlich für die in den letzten zehn Jahren erfolgte Zerstörung der Wirtschaft von Simbabwe oder für die Kriege, in denen Kinder als Kombattanten eingesetzt werden." Vielen Dank für Ihre Offenheit, Herr Präsident!
Diese erste Reise des Präsidenten nach Afrika ist nicht nur darum symbolisch, weil er einen Discours de la méthode verkündet, einen optimistischen Diskurs, in dem es heißt: "Ihr könnt die Krankheiten besiegen, ihr könnt den Konflikten ein Ende machen, ihr könnt die Dinge von Grund auf verändern. Ihr könnt es. Ja, ihr könnt es Das wird nicht leicht sein. Das erfordert Zeit und große Anstrengungen. Es wird Prüfungen und Enttäuschungen geben. Aber ich kann Ihnen versprechen: Amerika wird in jeder Etappe an Ihrer Seite sein als Partner, als Freund." Die Zukunft wird uns sagen, ob den Worten Taten folgen.
Ganz subtil zieht dieser Besuch auch einen Trennungsstrich. Ghana ist auf der Gewinnerseite. Auf der anderen Seite stehen mindestens drei große Verlierer. Das ist zunächst der Nachbar Nigeria, das bevölkerungsreichste und turbulenteste Land des Kontinents. Es befindet sich noch nicht auf dem Weg zur Demokratie. Das ist sicher auch Kenia, das sich nicht darauf beschränken kann, Kapital aus den affektiven Bindungen des Präsidenten zu schlagen. Und der Gigant Südafrika. Da scheint die US-Regierung auf Zeit zu spielen und abzuwarten, ob Jacob Zuma Gutes oder Schlechtes bringen wird. Es fehlt dem Discours de la méthode Obamas auch nicht an Poesie: "Afrika ist nicht die Karikatur, die man aus dem Kontinent macht, wenn man ihn Kontinent der Kriege nennt. Aber die Konflikte bestimmen die Leben zu vieler Afrikaner und das mit der gleichen Konstanz wie die Sonne."
Dieser Besuch in Ghana schlägt für die afro-amerikanische Community in den USA auch historische Saiten an. Darum reisen Barack Obama, Michelle, Malia und Sasha an die Küste eine Pilgerfahrt, ein Zurück zu den Wurzeln. Eine Erinnerung an die Geschichte der Sklaverei. Die feste Verbindung zwischen Afrika und seiner Diaspora. Das konnte Barack Obama nicht vergessen. Ist Ghana nicht auch das Land des panafrikanischen Traums von Kwame Nkrumah? Das geliebte Land schwarzer amerikanischer Unternehmer und Showstars und auch das Land, in dem für die Ewigkeit ruht W.E.B. Dubois, der große Denker der afro-amerikanischen Identität und der aller Söhne und Töchter der schwarzen Diaspora.


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