Als das letzte Mal jemand im Filmtitel kundtat, dass er einen Vertragsmörder angeheuert habe, handelte es sich um Jean-Pierre Léaud in der Rolle des Angestellten Henri. Nach einigen Versuchen, sich selbst aus einem grauen Leben zu beseitigen, bietet Henri einem Profi 1000 Pfund, falls er ihm weitere Bemühungen abnimmt. Henri ist eine Erfindung des finnischen Regisseurs Aki Kaurismäki und entsprechend wankelmütig. Als er entdeckt, wie schön das Leben ist, will sein Vertragspartner die Zusage nicht zurücknehmen.
Vergleicht man Kaurismäkis melancholische Komödie "I Hired a Contract Killer" mit der französischen Groteske "Louise Hires a Contract Killer" fallen zwei Dinge auf. Erstens: Seit den 90ern ist es sehr viel teurer geworden, einen hit man zu beauftragen. Zumindest kommen die frisch entlassenen Fabrikarbeiterinnen in "Louise Hires a Contract Killer" zu dem Ergebnis, dass es 20.000 Euro kosten werde, also das zehnfache ihrer lausigen Abfindungen, einen Auftragsmörder auf ihren ehemaligen Chef anzusetzen. Zweitens: Die Motive haben sich entscheidend verändert. Henri ist ein Papierstempler, der 1990 fremdbestimmt, aber nicht unter dem Existenzminimum lebt. Solche Probleme würde Louise, die Heldin des französischen Regie- und Drehbuchteams Gustave Kervern und Benoit Delepine, lachhaft finden.
Die gegenwärtige Finanzkrise ist Ausgangslage und Irr-Sinn dieser Verunsicherung: Wen soll man nun nach den Maßstäben proletarischer Verantwortlichkeit ermorden lassen, und wer ist für diese Aufgabe geeignet? Louise (gespielt von der hervorragenden belgischen Schauspielerin Yolande Moreau) macht sich auf die Suche. Dass sie einen Profikiller kennt, der leider gerade auf Immobilienmakler umgesattelt hat, ist die erste Merkwürdigkeit. Als Louise schließlich den paranoiden Wachmann Michel engagiert, wird klar, dass, was immer und wer immer sie ist, ihre Sicherungen schon lange durchgeknallt sind.
Auch Michel ist in keiner Hinsicht, was er zu sein vorgibt. In jeder anderen Komödie würde man die symmetrische Aufhebung jedweder visuellen, rollenspezifischen und, nun ja, genitalen Glaubwürdigkeit für eine Schwäche halten. Weil aber im anarchistischsten Drehbuch seit "Harold und Maude" Normalität ein Fremdwort ist, das vermutlich einer prä-prä-prähistorischen Kultur vor der Entdeckung des Kapitalismus entstammt, erscheinen alle Beteiligten tadellos schräg.
Michel möchte 20 000 Euro verdienen, ist aber zu sensibel zum Töten. Was liegt da näher, als seine krebskranke Cousine mit einer Pistole und einem Abendkleid zu bewaffnen und bei den Reichen und Schuldigen einzuschleusen? Die kreative Ruchlosigkeit, mit Menschenleben zu spielen, als sei man Großaktionär, bezeugt in diesem hemmungslos komischen Film ein selten gewordenes Gefühl für das Angemessene. Wie könnte man sich ernsthafter mit der Realsatire eines den Kollaps feiernden Finanz- und Wirtschaftssystems auseinandersetzen, als die Boni der Armen für gute Zwecke zusammenzulegen? Als sich herausstellt, dass der Direktor, den die Cousine erledigt, nur ein Befehlsempfänger war, nehmen Louise und Michel die Pistole selbst in die Hand.
Ein grenzüberschreitender Humor, so schwarz wie die Zahlen, die die Banken der Krisenversursacher längst wieder schreiben, führt sie von Scheinfirmen in Brüssel ins Steuerparadies Jersey. In einer Villa benimmt sich der Hausherr, ein Aufkäufer durchaus rentabler Insolvenzmassen, so arrogant, dass er sich indirekt zum Ziel der Reise erklärt. Wahrscheinlichkeit und Wirklichkeit, Recht und Moral rutschen durch eine lustvoll durchlöcherte Handlung. Die Gesichter unbewegt, die unförmigen Körper wie Schilde, an denen politische Korrektheit abprallt, stapfen Yolande Moreau und ihr großartiger Filmpartner Bouli Lanners alias Michel der Rache entgegen. Natürlich hat der Film kein Happy End. Es sei denn, man sieht alles mal ganz anders.
Louise Hires a Contract Killer, Regie: Gustave de Kervern, Benoît Delépine, Frankreich 2008, 95 Minuten.


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