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Im Wartestand

Die ARD weiß noch nicht, ob sie die Tour de France weiterhin zeigen wird
VON DALAND SEGLER

Der Mann wirkt entspannt. Zum letzten Mal muss sich Günter Struve (68) als Programmdirektor der ARD einer Pressekonferenz stellen. Diese Veranstaltungen pflegte der Mann mit dem dichten weißen Haar gerne mit einer üppigen Portion Sarkasmus gewappnet zu bestreiten, um all den mehr oder weniger qualifizierten Fragen nach seinem mehr oder weniger mit Qualität bestückten Programm zu begegnen.

Nun hört er auf, nach 23 Jahren ARD, und will als "schleswig-holsteinischer Bauer" bescheiden auf eine große Sause zum Abschied verzichten. Doch nutzte er gestern in Köln die Gelegenheit, noch einmal kurz auf den Erfolg seines Wirkens hinzuweisen. So habe die Zeit doch bei seinem Amtsantritt die ARD als "Dinosaurier auf tönernen Füßen" bezeichnet, heute sei der Senderverbund aber im fünften Jahr nacheinander Marktführer, und die Imagewerte seien "mehr als stabil".

Kein öffentlicher Auftritt der ARD-Granden ohne Propaganda für die Internet-Präsenz: Doch diesmal wiederholte ARD-Vorsitzender Fritz Raff nur, dass die Definition von Begriffen wie "elektronische Presse" unscharf sei und dass Unterhaltung zur Grundversorgung gehöre. Am 19.September wollen sich die Intendanten noch einmal mit den Ministerpräsidenten treffen.

Den erwarteten Beschluss aber trafen die ARD-Bosse bei ihrem Treffen in Brüssel nicht: Ob man die Tour de France weiterhin übertragen wird, bleibt ungewiss. Es gebe noch "Klärungsbedarf", orakelte Raff. Die Deutschland-Tour sei nicht auf der Agenda in Brüssel gewesen, man habe aber die "schwache Beteiligung" der Zuschauer zur Kenntnis genommen. Dagegen konnten sich Raff und Kollegen mit den Marktanteilen für andere Sportübertragungen trösten; die Fußball-EM brachte im Juni der ARD 18 Prozent.

Im Wartestand findet sich die ARD auch bei den Bundesliga-Übertragungsrechten. Die DFL will die Rechte ja neu ausschreiben. Von den Ergebnissen des Bieter-Wettstreits aber macht die ARD auch die Lösung eines ihrer Programm-Probleme abhängig: den einheitlichen Beginn der "Tagesthemen". Dieses von ihm nicht gelöste Dilemma muss Struve nun auch nicht mehr kümmern: Er wird künftig beim ORF auf Qualitätssicherung achten und für die ARD in Los Angeles im Bereich Filmeinkauf tätig sein - wenn denn die USA einem Rentner ein Arbeitsvisum ausstellen.


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Dokument erstellt am 10.09.2008 um 17:00:10 Uhr
Erscheinungsdatum 11.09.2008
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