In die Hauptstadt ist Matthias Eberl ausnahmsweise mit leichtem Gepäck gereist. Der Deutsche Reporterpreis sei vielleicht das schwerste, das er in seinem abgeschabten Lederköfferchen mit nach Hause nehme, sagt der 34-Jährige. Vergangene Woche ist der Münchener in Berlin mit der neuen Auszeichnung in der Kategorie Online geehrt worden: Für das neuartige Format der Audio-Slideshow – Fotos, die mit einer Tonspur kombiniert werden und ähnlich wie ein Video auf einem Player ablaufen.
Bei der ausgezeichneten Audio-Slideshow über den Wirt Isi Yilmaz und seine Kneipe X-cess etwa stehen die nicht bewegten Bilder im Mittelpunkt, die ein Reporter aufgenommen hat. Die Reportage ist auf sueddeutsche.de erschienen, der Mediennutzer kann sich diese Fotos in Serie nacheinander ansehen. Dazu läuft eine Tonspur mit einem Sprecher, der die Bilder einordnet. Zusätzlich können O-Töne von Protagonisten in die Erzählung eingebunden werden, was für mehr Authentizität und Lebendigkeit sorgt.
Der Münchener Journalist ist überzeugt davon, dass Slide-
shows "das Erzählmedium im Internet werden können". Deutschlandweit ist er ein Pionier des neuen Formats, für das Eberl notfalls schwer bepackt und mit vollem Körpereinsatz kämpft. "Wenn ich für eine Slideshow auf einen Termin gehe, bin ich verkabelt wie ein Raumfahrer", sagt er.
"Natürlich ist das alles auch eine große Überforderung. Ich war am Anfang ständig überfordert", gibt Matthias Eberl zu. Für eine Slide-show sollten Redaktionen daher idealerweise zwei Reporter zu einem Termin schicken "Ich sehe es aber schon als Aufgabe von Journalisten an, sich neue narrative Formen zu überlegen". Seine Experimente mit Audio-Slideshows hat er in seinem Weblog rufposten.de dokumentiert.
Auf maximal ein Dutzend schätzt Eberl die Zahl der Kollegen in Deutschland, die mehr als eine Slideshow veröffentlicht haben. Dies sei ein wichtiger Grund, warum so wenige Medienhäuser auf das weitgehend noch unbekannte Format setzten. Anders in den USA: Neben großen Websites von Zeitungen wie der New York Times oder der Washington Post gibt es dort bereits die Agentur Mediastorm, die Slideshows anbietet. In Deutschland veröffentlichen sueddeutsche.de und FAZ.net Slideshows, dann noch Spiegel Online. Danach kommt nicht mehr viel
Eberl schafft ein bis zwei Online-Reportagen im Monat, die Bezahlung mache den Aufwand aber nicht wett, leben kann er davon nicht. Geld verdient Ebert mit PR und der Arbeit für Internetfirmen. Um die neue Erzählform bekannt zu machen, schreibt er theoretische Aufsätze über den Unterschied zwischen Video- und Audio-Slide-Reportagen, diskutiert mit Kollegen und gibt Kurse in Verlagen, Unis und Journalistenschulen. Matthias Eberl hofft auf einen "Aha-Effekt" durch die Preisverleihung.
Die Veranstalter des Reporterpreises scheint Eberl bereits überzeugt zu haben. Über die Preisverleihung ist eine Audio-Slideshow in Arbeit. Wie man hört, soll sie sogar ordentlich bezahlt sein.

Bookmark
Verlinken






