Manchmal kommt selbst im 21. Jahrhundert noch der Teufel zum Vorschein, wenn Anhänger ernster Musik und weiblicher Schönheit in die Metapherntrommel greifen. Da werden dann allerliebste Schwurbel-Sentenzen wie "Ein nur äußerlich zartbesaitetes Teufelsweib ritt mit göttlichem Stradivari-Ton übers Eis" generiert, die den Leser in die Zeit barocker Hexenverfolgung und paganinischer Teufelsbündlerei zurück schubsen wollen.
Gemeint war in diesem Text aus dem Jahre 2005 die Geigerin Lisa Batiashvili, die also bei ihren Hörern starke und widersprüchliche, manchmal vielleicht gar archaische Gefühle zu erzeugen vermag. Was kann man noch mehr verlangen von einer Geigerin und einem Konzert! Lisa Batiashvili, die solche und andere Metaphern provoziert, ist mit beachtlicher CD-Backlist und einer stattlichen Reihe prominenter Konzertauftritte dem Status des hoffnungsvollen Jungstars längst entwachsen.
Alte-Herren-Metaphern
Aber die 3 Sat-Serie "Junge Interpreten" will auch keinen begabten Nachwuchs präsentieren, sondern halbwegs etablierte Künstler, die sich als Symptomträger einer neuen Generation eignen.
Was neu ist an dieser Generation? Lisa Batiashvili inspiriert vielleicht den einen oder anderen zu Alte-Herren-Metaphern, aber der Film zeigt, dass das nicht ihr Ziel ist und dass sie dem Bestreben des Marktes, junge Geigerinnen als reizende Nymphen zu inszenieren, einen gewissen Widerstand entgegensetzt. Ihr eigener Auftritt im Film ist sehr diesseitig, lebenstüchtig und allürenfrei, ihre Auffassung von Musik angenehm nachvollziehbar, und was sie über sich, ihre Karriere und die Musik zu sagen weiß, ist intelligent und kommt ohne große Schnörkel und Umwege zur Sache. Sie kokettiert nicht, sie mystifiziert nicht und ist angenehm authentisch und emotional.
Ein bisschen überflüssig ist es schon, wie sie der Film posen lässt, aber das scheint zur handwerklichen Grundausstattung des Filmemachers zu gehören, von dem man in diesem Fall immerhin sagen kann, dass er damit keine sinnvollen Aussagen überlagert und behindert.
Vielleicht haben Daniel Finkernagel und Alexander Lück es etwas leichter mit Martin Grubinger gehabt. Bei Grubinger muss man keine Verrätselungen inszenieren oder erotische Geheimsignale einarbeiten. Er ist ein groß gewachsener junger Mann mit sportlichem Appeal, klugen, freundlichen Augen, einer unbekümmert unzensierten Intelligenz - und ein rares Ausnahmetalent am Schlagwerk: Vibra- und Marimbaphon, Becken, Gongs, Trommeln und Holzblöcke (und ein Original-Stomp-Mülltonnendeckel) sind seine Welt. Es ist sehens- und hörenswert, wie er sich zwischen diesen Gegenständen bewegt und mit ihnen Musik macht. Und wie er umsichtig versucht, bei allem Erfolg und aller zwangsläufig sich einstellenden Weltläufigkeit, die die Lebensumstände eines international gefragten Bühnenmusikers mit sich bringen, ein politisch denkender Mensch und integrer Bewohner des ländlichen Salzkammerguts zu bleiben.
Die zwei Filme sind vielversprechende Auftakte einer Reihe, mit der die ambitionierten Leute von 3sat einerseits eine neue Künstlergeneration exemplarisch porträtieren, andererseits aber auch auf ein Spezifikum der deutschen Musiklandschaft aufmerksam machen. Alle Künstler, die in der bis Ende Mai dauernden Serie porträtiert werden, haben einen wichtigen Teil ihrer Ausbildung in Deutschland absolviert.
Und bei aller berechtigten Kritik, die an der Nachlässigkeit, Unzulänglichkeit und Inkompetenz von Bildungs- und Kulturpolitik anzumelden ist, muss man einräumen, dass Deutschland das Zentrum der internationalen E-Musikkultur ist. Das betrifft die Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten für Künstler, aber auch das Publikum und die öffentliche Aufmerksamkeit. Und niemand verlangt, dass die Künstler in den Grenzen von 1989 geboren sein müssen.

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