Zwischen dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) und der Barmer Ersatzkasse (BEK) bestehen bedenklich enge Verbindungen. So ist die Vertreterin der Gruppe der Journalisten im WDR-Rundfunkrat, Susanne Rüsberg-Uhrig, gleichzeitig Leiterin der Presseabteilung der BEK mit Sitz in Wuppertal, wo Rüsberg-Uhrig seit 1977 tätig ist. In ihrer Funktion als Barmer-Pressesprecherin gab das Rundfunkratsmitglied dem WDR ein Interview zu einem neuen Produkt der Barmer, ohne dass darauf hingewiesen wurde, dass sie gleichzeitig Mitglied des hauseigenen Rundfunkrates ist.
Dabei ist Rüsberg-Uhrig Mitglied des Fachausschusses "Journalisten in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit" des Deutschen Journalistenverbands. Das Gremium soll unter anderem über die Einhaltung des Europäischen Kodex der Verhaltensgrundsätze der Öffentlichkeitsarbeit wachen. Er verbietet Interessenskonflikte durch Doppelfunktionen und verlangt, dass Public-Relations-Aktivitäten offen vorgenommen werden, als solche erkennbar sind und Dritte nicht irreführen. Rüsberg-Uhrig ist ebenfalls Mitglied des Ehrengerichts des nordrhein-westfälischen Landesverbandes des Deutschen Journalistenverbands. Der soll über die Einhaltung berufsethischer Grundlagen wachen.
WDR verweigerte Auskunft
In der Berichterstattung des WDR der vergangenen Jahre taucht die BEK relativ häufig auf, oft wurde positiv über die Krankenkasse berichtet. Zum Teil wurden sogar neue Produkte der BEK vorgestellt. Nach einer Anfrage an den WDR, die auch Geschäftsbeziehungen zwischen dem Sender und der Barmer betraf, wurde ein Großteil der Beiträge über die BEK auf den WDR-Internetseiten gelöscht. Auf Anfrage verweigerte der WDR jede Auskunft darüber, ob er in den vergangenen Jahren Aufträge an die BEK vergeben hat.
Der ehemalige WDR-Intendant Friedrich Nowottny trat in den Jahren 2002 und 2003 wie andere Prominente in einem Fernsehspot der bundesweiten PR-Kampagne "Initiative Prävention aktiv" der Barmer auf. Nowottny war, glaubt man der BEK, zumindest damals bei ihr krankenversichert. In einer Anzeige der Kampagne heißt es auch in Bezug auf ein Foto Nowottnys: "Machen Sie mit wie diese fünf unserer 8 Millionen Versicherten!". Ansprechpartnerin der Presse bei dieser Barmer-Aktion: Susanne Rüsberg-Uhrig.
Die BEK-Angestellte Astrid Funken war zeitgleich zu ihrer Beschäftigung bei Deutschlands größter Krankenkasse für den WDR tätig. "Astrid Funken betreut als Expertin für Ernährungsumstellung unsere Fastenaktion" heißt es auf einer Internetseite des WDR-Fernsehens aus dem Jahr 2005. "Sie arbeitet seit 1992 bei einer großen deutschen Krankenkasse im Bereich Prävention" heißt es dort weiter - von ihrer Beschäftigung bei der Barmer ist nichts zu lesen. Als Funken als "Barmer-Fitness-Expertin" für den ZDF-Fernsehgarten tätig war, wurde ihr Arbeitgeber genannt.
Im ebenfalls öffentlich-rechtlichen ZDF ist die Barmer auch in anderer Form präsent: Zusammen mit dem ZDF und Bild am Sonntag führt die Barmer auch die Aktion "Deutschland bewegt sich!" durch. Sie wurde im ZDF in Shows wie "Wie fit ist Deutschland" oder dem "Fernsehgarten" vorgestellt. Trailer der Aktion waren im "Aktuellen Sportstudio" und im "Heute Journal" zu sehen. Die Barmer fungiert bei der Aktion als Verbindungsstelle zwischen ZDF und Bild am Sonntag.

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