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Poken

Digitaler Händedruck

Von Fabian Löhe

Wenn ein Geschäftsmann auf einer Konferenz mit einer Halskette herumläuft, an der eine Spielzeugfigur hängt, wirkt das eigentlich unseriös. Das könnte sich aber bald ändern, denn das, was da baumelt, ist ein Poken - eine neuartige, elektronische Visitenkarte. Das Accessoire der Schweizer Firma Poken S.A. kommt in Gestalt von Aliens, Frankensteins, Geishas oder Voodoo-Puppen daher und soll zukünftig Visitenkarten aus Papier überflüssig machen.

Das Prinzip ist einfach: Jedes Poken hat eine weiße, überdimensionale Vier-Finger-Patschehand, die dem Besitzer eine Art digitales Händeschütteln ermöglicht, da sich in der Hand ein USB-Speicher und ein Funk-Chip verbergen. Auf dem Speicher legt der Poken-Besitzer Informationen über seine Profile in elektronischen Netzwerken, wie zum Beispiel StudiVZ oder Xing ab. Wenn die Handfläche seines Pokens die Handfläche eines anderen Pokens berührt, werden diese Daten übertragen. Als Zeichen dafür, dass die Übertragung auch wirklich gelungen ist, leuchtet die Figur grün auf. Poken-Fans nennen diesen Vorgang ironisch "Gib mir vier".

Wenn der Besitzer den USB-Stick dann später an einen Computer stöpselt, wird durch eine spezielle Kennung, die so genannte PokenID, eine Website aufgerufen. Die funktioniert als eine Art Sammel- und Sortierstelle und ordnet die neuen Informationen den elektronischen Netzwerken zu. Auf einen Blick sieht man, wo der neue Kontakt überall eingetragen ist. Nur bei StudiVZ? Auch bei Facebook? Oder bei beiden?

Schüler waren bislang die wichtigste Zielgruppe


Der Vorteil: Man muss nicht mehr - wie nach dem Austausch von klassischen Visitenkarten - in jedem Online-Netzwerk nach der neuen Bekanntschaft stöbern.

Laut Poken S.A. kommt die Idee bei der Bevölkerung an. Obwohl die Firma keinen Cent für Marketing ausgegeben haben will, sollen mittlerweile 20.000 Poken in Deutschland verkauft worden sein, weltweit sogar über eine halbe Million. Auch das Glamourgirl Paris Hilton und Sängerin Beyoncé Knowles sollen ganz vernarrt in ihre Bienen-Poken sein. Die Nachfrage nach dem 15 Euro teuren Accessoire sei so groß, dass man mit der Produktion kaum nachkomme, so die Verantwortlichen des Schweizer Unternehmens.

Zunächst war das Produkt von Poken S.A. vor allem in der Webszene verbreitet, Schüler waren die wichtigste Poken-Zielgruppe. Dementsprechend sind die Figuren auch gestaltet. So entstammt ein Poken der Teenie-Horror-Comedy-Filmbranche, andere sind quietschgelb oder schreiend-grün - ein Design, das bisher auch einen Poken-Verkaufserfolg in anderen Bevölkerungsgruppen behindert hat.

Um das zu ändern, will Poken S.A. Ende Juli sein Angebot erweitern. Durch neue Designs sollen auch Erwachsene zum Poken-Kauf verführt werden. Erste Erfahrungen hat die Firma schon gesammelt - die Schweizer statteten Veranstaltungen von IBM in Deutschland mit Poken aus. Dass solche Aktionen Sinn ergeben, daran zweifelt Florian Krakau von Mission Poken, einem Vertriebshändler in Deutschland, nicht: "Poken ist ein nettes Gesprächsthema auf Konferenzen", meint.

Bleibt nur noch ein Problem: Was, wenn man dem Gegenüber seine Daten lieber nicht geben möchte, aber auch nicht unhöflich sein möchte? Sich auf fehlende Kugelschreiber zu berufen, oder einfach eine falsche Telefonnummer herauszugeben geht schließlich nicht mehr.

Doch auch dafür haben die Poken eine eingebaute Lösung. Wer zweimal auf die Tatze drückt, lässt sein Poken dem anderen Poken eine leere Information übermitteln. Das merkt die neue Bekanntschaft aber erst, wenn sie wieder am Rechner sitzt.


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Dokument erstellt am 27.07.2009 um 16:12:02 Uhr
Letzte Änderung am 27.07.2009 um 16:23:51 Uhr
Erscheinungsdatum 27.07.2009 | Ausgabe: fr
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