Rund zwei Millionen Deutsche tummeln sich bereits im Online-Netzwerk Facebook, schicken sich Nachrichten, schließen sich nach Hobbys oder Interessen zu Gruppen zusammen und programmieren Persönlichkeitstests, in denen man Dinge klären kann wie: "Welcher Muppet bist du?". Doch inzwischen gibt es auch jede Menge User, die lieber ein Quiz wie "Welcher berühmte Nazi wärest du gewesen?" spielen, sie gründen Gruppen wie "Rudolf Hess - dein Glaube war stärker als Kerker und Schmerzen", "Erwin Rommel Fan Club" und "Meine Ehre heißt Treue" oder tauschen in "Wir-lieben-Hitler"-Groups Fotos aus, auf denen sie stramm stehen und Nazi-Tattoos vorführen.
Weil es das US-Netzwerk Facebook erst seit 2008 auf Deutsch gibt, blieben derlei rechte Umtriebe bisher oft unentdeckt. Nun aber listet der anonyme Blogger Lanu auf der Website Boocompany etwa 200 Links zur dunklen Ecke der Online-Community auf - und fordert von Facebook, entsprechende Gruppen, Fan-Seiten und Applikationen zu löschen. User, die diese Angebote erstellt haben, sollten gesperrt werden. "Ich ziehe zusätzlich in Erwägung, die für die Domain facebook.de Verantwortlichen wegen dieser Vergehen anzuzeigen", schreibt Lanu und führt als Gründe Volksverhetzung und Leugnung des Holocausts an. Die Leugnung des Holocaust ist zwar in Deutschland strafbar, nicht jedoch in den USA, wo Facebook seinen Hauptsitz hat und die meisten der etwa 200 Millionen Mitglieder leben. Die deutschen User unterstehen aber deutschem Recht - weshalb Facebook bereits reagiert hat: Viele der Nazi-Seiten sind inzwischen offline.
"Wenn wir Hinweise über Inhalte erhalten, die gegen unsere Richtlinien verstoßen, handeln wir schnell und löschen Inhalte, die tatsächlich dagegen verstoßen", sagt eine Facebook-Sprecherin der FR. Man müsse aber jeden Fall einzeln prüfen, da einige der Lanu-Links auch zu seriösen Geschichtsgruppen führten. "Leider gibt es aber immer noch Hitler-Fan-Seiten. Wenn User diese finden, sollen sie sie melden. Wir löschen die dann ratzfatz."
Experten sind vom Ausmaß der rechten Aktivitäten bei Facebook verwundert. "Wir waren überrascht, wie stark sich Rechtsextreme dort breitgemacht haben", sagt etwa Michael Wörner-Schappert der FR. Seine Kontrollstelle jugendschutz.net durchsucht im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung das Netz nach Nazi-Inhalten. "Ausländische Facebook-Profile hatten wir noch nicht so auf dem Schirm. Aber wir gehen den Hinweisen jetzt nach." Nach seiner Beobachtung nutzen Rechtsextreme zunehmend nicht nur einschlägige Webseiten zur Propaganda, sondern auch Netzwerke wie Facebook. Dabei kommt ihnen zugute, dass in den halböffentlichen Networks die Einträge als Botschaften an den Freundeskreis gelten und darum - anders als in moderierten Foren - vor Veröffentlichung nicht gegengelesen werden. Zur Kontrolle dient allein ein Melde-Button, mit dem die User Facebook auf anstößige oder illegale Einträge hinweisen können. Ob dieser Mechanismus ausreicht, wird nun neu geprüft werden müssen.


Bookmark
Verlinken











