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Zum Tod von David Carradine

Caine war sein Schicksal

VON DANIEL KOTHENSCHULTE

"Wenn Du nicht der Dichter sein kannst, dann sei lieber das Gedicht". Dem Schauspieler David Carradine wird dieses Zitat zugeschrieben, aber ebenso gut könnte es von Kwai Chang Caine stammen, dem Helden aus der Serie "Kung Fu", den er verkörperte. In den 47 TV-Folgen, zwischen 1972 und 1975 gedreht, verschmolz Carradine förmlich mit seiner Medienpersona, dem asketischen Einzelgänger schlechthin.

Er erfüllte die simple Westerndramaturgie der Serie mit einem irritierenden Moment des Echten innerhalb der Fiktion. Besonders in jenen wortlosen und meditativen Szenen, in denen er gar nicht zu agieren schien.

Ohnehin waren Kung-Fu-Kämpfe, anders als in den Hongkong-Eastern der Zeit, hier dünn gesät. Das Geheimnis von "Kung Fu" war die ernsthafte Behandlung der asiatischen Philosophie, die spätestens seit den Indientrips der Beatles Mitte der 60er Jahre Eingang in die westliche Popkultur gefunden hatte. David Carradine war diesen Lehren auch in seinem Privatleben eng verbunden.

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Der Sohn des Hollywoodstars John Carradine kam nach einem Musik- und Kompositionsstudium zum Theater. Für die Leinwand entdeckte ihn Martin Scorsese, der ihn 1972 in seinem Frühwerk "Boxcar Bertha" besetzte.

Vielleicht wollte er den meditativen Caine unbedingt abschütteln, als er 1975 in Roger Cormans ungemein erfolgreicher Billigproduktion "Frankensteins Todesrennen" mitwirkte. Unter seinem Originaltitel wurde "Death Race 2000" zur Blaupause eines ganzen Genres von Raserfilmen - Carradine selbst legte mit dem ganz ähnlichen Actionfilm "Cannonball" sofort nach.

Doch während damit 1976 die zu Ende gehende Ära der Autokinos ein letztes Mal aufblühte, ging David Carradine in Cannes in ganz anderer Rolle über den roten Teppich.

Hal Ashby hatte in dem musikalischen Schauspieler die Idealbesetzung für den Folk-Sänger Woody Guthrie gefunden und ihn für die epische Filmbiographie "Bound for Glory" ("Dies Land ist mein Land") gewonnen.

Sieht man diesen Film heute wieder, in einer Zeit, da Bruce Springsteen Woody Guthries Protestsongs wiederentdeckt und Barack Obama die Wirtschaftspolitik des New Deal, könnte er aktueller nicht wirken. Schwerelos reiten wir mit dem Hobo Carradine auf den Zugdächern durch eine schwere Zeit. Und doch scheint das verarmte Amerika von damals das bessere Amerika gewesen zu sein.

David Carradine konnte sein Publikum mit unbewegtem Gesicht berühren wie vor ihm Buster Keaton. Dennoch blieb er nur ein vielbeschäftigter Außenseiter im Kino der Siebziger. Er war der Richtige, wenn jemand nochmal einen Western drehte, wie Walter Hill 1980 "The Long Riders" - aber solche Gelegenheiten blieben selten.

Dass er es dennoch in seiner Karriere auf 220 Filme brachte, beweist, wie wenig anspruchsvoll er bei seiner Rollenauswahl war. Manchmal schien es, als überlebte das B- und C-Film-Genre nur durch David Carradine - und umgekehrt. Erst Quentin Tarantino schenkte ihm 2004 den einzigen dankbaren Auftritt in zwei Jahrzehnten mit der Titelrolle in "Kill Bill". Carradine machte ihn sich zu eigen, als sei er für ihn geschrieben worden.

Für Dreharbeiten hielt sich der 72-Jährige in dieser Woche im thailändischen Bangkok auf, als ihn ein Zimmermädchen erhängt in seinem Hotelzimmer fand. Nichts ist bisher bekannt über die Hintergründe. David Carradine war eigentlich für seinen unerschütterlichen Lebensmut bekannt. So hatte er einmal in einem Interview seine Arbeitswut erklärt: "Es erschien mir immer als heilige Mission. Wie bei den Blues Brothers. Ein Marathon. Aufgeben ist ehrlos. Ich hatte einen unerschütterlichen Glauben an die Zukunft, als ich in New York hungerte und nichts hatte außer meiner Freundin. Es wäre dumm, diesen Glauben ausgerechnet als Film-Ikone aufzugeben."
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Dokument erstellt am 04.06.2009 um 21:16:01 Uhr
Letzte Änderung am 04.06.2009 um 21:25:56 Uhr
Erscheinungsdatum 04.06.2009
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