"Hätte beim Autos-Umparken heute Morgen fast das Lenkrad verrissen, als ich vom Tod von Michael Jackson gehört habe" - 140 Zeichen genügen Schreibspecht, einem Nutzer des Netzwerks Twitter, nicht, um seine Gefühle nach dem Tod Michael Jacksons auszudrücken. Sekunden später schiebt er nach: "...mein allererstes Konzert war von Michael Jackson - Münchener Olypiastadion vor 19 Jahren".
Wenige Minuten später ist Schreibspecht vom Bildschirm verschwunden. Sein Beitrag weicht mehr als 20 neuen Tweets. Der Südwestrundfunk mischt mit, Focus Online, die Bild-Zeitung lanciert einen Live-Ticker. Der Journalist Eric Markuse berichtet: "Redakteure haben die Nacht durchgearbeitet". Das kann die Redaktion der Frankfurter Rundschau nur bestätigen. Die Nacht gehörte für den Online-Spätdienst der FR ganz dem King of Pop.
Wegen Herzstillstands wird Jackson am Donnerstagabend in die UCLA-Klinik in Los Angeles eingeliefert. Früh ahnt die Netz-Community Böses: Noch bevor der Tod des Musikers offiziell bestätigt wird, strömen bei Twitter die ersten Würdigungen und Trauerbekundungen für Michael Jackson ein.
Einen der ersten Tweets postet mutmaßlich der britische Außenminister David Miliband: "Noch nie ist jemand so hoch geflogen und so tief gefallen. Ruhe in Frieden." Wenige Stunden später erklärt das britische Außenministerium den Beitrag für eine Fälschung.
Gegen Mitternacht deutscher Zeit ist Michael Jackson der meistgetwitterte Name der Welt. Und wieder beweist die Netz-Gemeinde gutes Gespür für die Gesetzmäßigkeiten des Internets: "Gleich bricht Twitter zusammen...", schreibt ein Nutzer. Wenig später verschickt der Kurznachrichtendienst tatsächlich eine Fehlermeldung: "Twitter is over capacity" - Twitter ist überlastet.
Die Todesnachricht und ihre Nachwehen fluten auch am frühen Vormittag nicht nur die Nachrichtenredaktionen. Gegen 10 Uhr morgens tobt längst ein Jackson-Tsunami im Internet.
Und so mancher Twitter-Nutzer berauscht sich an der Überlastung des WorldWideWeb durch die Jacko-Nachruf-Bewegung: "Auch im sterben der King "Der Tod von Michael Jackson rockt das Internet", "Das Internet ist durch Michael Jackson langsam - zu viele Klicks".
Im Sekundentakt treffen die Beiträge in der deutschsprachigen Gruppe "#MichaelJackson" auf TweetBee ein: "Eine Legende ist von uns gegangen", "Wir trauern um einen der besten Tänzer und Sänger den die Welt kannte!".
Es werden Videos, Fotogalerien und Musikdownloads ausgetauscht. Alles in allem eine Kakophonie, in die sich neben Trauerbekundungen auch Kritik bis hin zum 140-Zeichen-Hohn und Bemerkungen mischen, die schon mal tief unter die Gürtellinie zielen. "Schwerer Verlust für die Piratenpartei!", ist so ein Beitrag, oder auch: "Schau hi, do liegt a toter Fisch im Wasser, den mach 'ma hi!".
Das kollektive Gedächtnis der Netz-Community spart nichts aus: Die Schönheitsoperationen, das unheimliche Äußere des Michael Jackson der letzten Jahre, die nie bestätigten Vorwürfe der Pädophilie.
Parallel dazu werden Medien durch den Kakao gezogen: Die "bescheuerte Überschrift im Spiegel" etwa oder ganz grundsätzlich die immense Bedeutung, die Zeitungen, Radio und Fernsehen weltweit dem Thema beimessen. "Na da hat Ahmadinedschad sicher viel gebetet für so ein Geschenk. Michael Jackson verdrängt die Iranwahl aus den Medien...", analysiert ein User.
Der Tenor des Tages aber bewegt sich auch im Internet irgendwo zwischen Hysterie, Trauer und Mitleid für den "armen Kerl, der ein trauriges Leben und einen einsamen Tod hatte".
Und dann stellt das Netzwerk noch diesen Beitrag zu: "Michael Jackson is now following you on Twitter."


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