Liebes und (bisher) hochgeschätztes Mitküchenluder Haß, dass Du in Deinem Loblied auf die Pflaume (siehe Luder-Rezept "Perfekt zu Fleisch") die Mango als "langweilig" abwatschst, ist für alle LiebhaberInnen dieser Jahrtausende alten Götterspeise schon schwer verdauliche Kost.
Gut, Dir geht es nur ums Chutney. Das haben wir wohl kapiert. Aber das macht Dein Mango-Bashing nicht schmackhafter.
Womit ich zum eigentlichen Skandal komme: Dass Du die Erdbeere in Deinen Langeweile-Topf rührst. Ausgerechnet sie. Von allen Marmeladen dieser Welt musst Du Dir für Deinen Vergleich die Unvergleichliche herauspicken. Das ist nicht zu schlucken.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, ja, - aber über Erdbeermarmelade, nein. Offenbar hat sie Dir noch nie das Baguette-Toast-Frühstück in Frankreich gerettet, den weißen Joghurt gekrönt oder überhaupt das erdbeerlose Restjahr versüßt.
Die Autorin

Claudia Nenninger ist Redakteurin in Rhein-Main und wird sauer, wenn es nichts Süßes gibt.
Ran an den Herd! Die FR-Küchenluder servieren und schenken ein, was das Leben lecker und lustvoll macht. Schmecken Sie selbst.
Darf’s ein bisschen dekadent sein mit Pfeffer, Paprika oder Karamell? Oder extravagant mit Champagner, Caipirinha oder Crème de Cassis? Lieber exotisch mit Kokos, Vanille oder Rose? Oder doch dezent mit Rhabarber, Johannisbeere – oder ganz einfach pur? Ob püriert, gerührt oder gar nicht gekocht – die süßen Roten machen einfach alles mit. Grenzen lassen sie sich nur durch persönliche Vorlieben setzen.
Ihren Spitzenplatz in der Beliebtheitsskala der Konfitüren verdankt die Erdbeere auch ihrem bescheidenen, bürgernahen Auftreten. Sie lässt sich flächendeckend zu erschwinglichem Preis selbst pflücken. Noch ein Spar-Tipp vom Marmeladenpapst: "Die Erdbeeren auf dem Feld gleich probieren, verbessert das Preis-Leistungsverhältnis." Und bietet den Marmeladenköchen den einzigartigen Vorteil, Qualität und Auswahl ihrer Früchte selbst in die Hand zu nehmen.
Nur ein Nachteil ist heute festzustellen: Die Saison ist längst vorbei. Wer sich noch keinen Marmeladenvorrat angelegt hat oder schon wieder Nachschub braucht, muss nicht verzweifeln. Aber tiefer in die Tasche greifen. Mit neuen Sorten versprechen Händler zumindest bis Oktober noch schmackhafte Früchte. Für den September stimmt es sogar. Zurzeit duften sie wieder verführerisch auf Märkten, im Obstgeschäft und selbst in Bioläden.
Das Rezept für alle Fälle: Der Marmeladenpapst empfiehlt (wie im Übrigen auch Expertin Mama Mies, siehe Luder-Text "Ein köstlicher Glaspalast") die 3:1-Gelierzucker-Variante. Sie orientiert sich am Geschmacksgesetz: Je weniger Zucker, umso mehr Fruchtaroma. Also in einem großen Topf 1500 Gramm Erdbeeren (ganz, zerkleinert oder püriert) mit 500 Gramm Zucker unter Rühren zum Kochen bringen und drei Minuten sprudeln lassen. Um die Farbe der Früchte zu erhalten und den Geschmack zu unterstützen, sollte immer ein Schuss Zitronensaft untergemischt werden. Die Marmelade randvoll in Gläser füllen, sofort verschließen und für ein paar Minuten auf den Kopf stellen, damit der Deckel wirklich dicht macht.
Ich bevorzuge die schnellere, Armmuskel schonende Geliermittel-Rezeptur: Das 30 Gramm-Tütchen (gibt’s auch Bio ohne Konservierungsstoffe) reicht für ein Kilo Früchte. 300 Gramm Vollrohrzucker (Honig oder Ahornsirup) dazugeben, der Rest siehe oben – bis aufs Rühren. Die sprudelnde Masse ist schon nach einer Minute fertig.
Was haben Sie Spannendes mit der Königin der Konfitüren erlebt? Erzählen Sie.



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