Als Frankfurterin im Urlaub auf der Schwäbischen Alb bist du befangen. Bei uns am Main ist der Ebbelwei, pardon, Afpelwein, eine pure Angelegenheit. Nichts als Äpfel, höchstens noch mit Speierling, Quitte und anderem versehen. Das Stöffche, selbstredend nach dem Gären sauergespritzt getrunken (wer süß spritzt, also Limo reinkippt, gehört aus der Stadt gejagt, nur Sprudelwasser ist authentisch), braucht vornehmlich alte Apfelsorten und die Tradition des Kelterns.
Frau Rauscher, unsere hessische Ikone des landestypischen Bembels, eines wahrlich wunderschönen Kruges, gluckst zufrieden. Daraus schenken wir ein ins Gerippte, einem Glas mit Rauten-Struktur. Deckel drauf wegen der Fruchtfliegen-Gefahr, sich von den allseits motzigen Kellnerinen und Kellnern in den Apfelweinschenken beschimpfen lassen und – Prost!
Natürlich haben wir gerade auch noch den Süßen, also den gänzlich unbehandelten, frischgepressten Apfelsaft. Ein Gedicht. Naturtrüb und suchtverdächtig.
Die Autorin

Petra Mies ist Redakteurin in Rhein-Main. Wenn sie mal zum Kochen kommt, geht es knallheiß her.
Ran an den Herd! Die FR-Küchenluder servieren und schenken ein, was das Leben lecker und lustvoll macht. Schmecken Sie selbst.
Das gilt geographisch übrigens weit über die Alb hinaus. Zur Lektüre sei passend zur dritten Jahreszeit der Kluftinger-Krimi "Erntedank" von Volker Klüpfel und Michael Kobr empfohlen (saugut, auch wenn Kluftinger ein schlimmer Spießer ist). Der Allgäuer Held schenkt seinen Selbstgepressten, allerdings als Apfelsaft (eingekocht, versteht sich, keine Zusätze, keine Chemie!) als "Kluftinger Gold, aus eigener Mostung" aus. Und: "Da geht nix drüber!" Klufti, wie wahr!
Jedenfalls bin ich tagelang unter den Bäumen des traumhaften Gartens in der Alb nahe Tübingen herumgekrochen und habe gesammelt, was die Bäume hergaben. Und das war viel. Unzählige Körbe habe ich auf den Hängen in Säcke umgefüllt, nahezu weiße Moschtäpfel, rote Äpfel, grasgrüne Sorten, alles.
Mit den Birnen wusste ich nicht so genau, ob sie ebenso taugen. Aber irgendwie sollten die lieblichen Dinger auch nicht zwischen den Nacktschnecken im Gras verwesen. Mischka und Mohrle, die beiden Katzen, gucken das Kernobst zum Glück nicht mal mit ihren schönen Ärschen an, und die Siebenschläfer müssen sich auf ihren Winterschlaf vorbereiten und randalieren deshalb tagsüber ohnehin nicht draußen, sondern nur nachts unterm Dach.
Nun wird es ernst: Es kam der Tag der Tage, also der Termin beim Streib. Die Moschterei macht das gefühltermaßen schon seit Jahrtausenden, und die Gesellschaft, die sich dort versammelt, inklusive des Seniors mit einem Uralt-Traktor ("den henn i scho ewig!"), ist besser als jeder Film. Originale zuhauf.
Wenn du als Anfängerin vorfährst, musst du dich natürlich erst einmal orientieren. Dir das richtige Plastikfass zulegen. 30 Liter? 60 Liter? Oder gar 120? (Letzteres kann kein Mensch schleppen, weshalb dir der Streib gegebenenfalls noch so eine Anlage mitgibt, mit der du den wertvollen Saft in den Keller pumpen könntest). 60 Liter sind jedoch prima, und weil der eckige (noch schöner als der ovale) Behälter Griffe hat, geht das auch locker zu Zweit, trotz des Muskelkaters vom Sammeln.




Artikel kommentieren
Bookmark
Verlinken







