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20 Jahre Mauerfall
20 Jahre Mauerfall
November 1989: Die Berliner Mauer, Symbol der deutsch-deutschen Teilung, Schauplatz von Leid, Tod und Trennung, fällt.
Grenzland: Eine multimediale Zeitreise entlang der ehemaligen Grenze.
Mein neunter November: Erzählen Sie Ihre Geschichte vom Fall der Mauer
Interaktive Grafik Interaktiv: Das Ende des Eisernen Vorhangs | Die Berliner Mauer


Mauerfall

Die ganze Welt sah auf Berlin

Am 9. November 1989 kommen Ost- und Westdeutsche an der Mauer zusammen. Prominente und Zeitzeugen erzählen von dem historischen Tag und einer magischen Stadt. 38 persönliche Protokolle über die Stunden des Mauerfalls.

Angela Merkel, 55, Bundeskanzlerin



Als die Mauer gebaut wurde, war ich zwar erst sieben Jahre alt, aber ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass wir am Freitag vor dem Mauerbau in den Wäldern um Berlin schon überall Stacheldraht gesehen haben. Deshalb war meinen Eltern klar, dass irgendetwas passieren würde. Die meisten Menschen konnten sich allerdings nicht vorstellen, dass die Stadt geteilt werden würde.

Doch dann kam der 13. August 1961, ein Sonntag: Mein Vater hielt als Pfarrer den Gottesdienst in seiner Gemeinde – ich werde nie vergessen, wie tieftraurig die Menschen waren. Schon aus meiner Kinderperspektive war mir klar: Es muss etwas Furchtbares passiert sein.

Die DDR war auf Unrecht aufgebaut, und es gab nie freie Wahlen. Neben dem SED-Regime gab es auch ein privates Leben. Wir hatten Freundschaften, wir haben gelacht und geweint wie jeder Mensch. Wir hatten mal gut und mal schlecht gelaunte Eltern, schöne Weihnachtsferien und wunderbare Urlaube. Leben bestand Gott sei Dank nicht nur aus dem Staat. Aber beispielsweise im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen kann man sehen: Wenn man auch im Privatleben eine bestimmte Grenze überschritt, dann schlug der Staat zu.

Ich habe im Lauf meines Lebens in der DDR durchaus darüber nachgedacht, einen Ausreiseantrag nach Westdeutschland zu stellen. Aber meine Bindung an Freunde, an Eltern, an Verwandte war zu groß, als dass ich meine gesamte Umwelt und Lebenswelt hätte verlassen können.

20 Jahre Mauerfall
November 1989: Die Berliner Mauer, Symbol der deutsch-deutschen Teilung, Schauplatz von Leid, Tod und Trennung, fällt. Hintergründe, Fotos, interaktive Grafiken und eine multimediale Zeitreise im Spezial Der Fall der Mauer.
Der Fall der Mauer am 9. November 1989 war für uns in der DDR ein unbeschreibliches Ereignis. Er war der Anfang vom Ende der SED-Diktatur. Er bedeutete das Ende des Kalten Krieges. Ich selbst habe diesen Abend in Berlin miterlebt. Ich sah Schabowskis Pressekonferenz im Fernsehen und rief sofort meine Mutter an, um sie an eine alte Verabredung zu erinnern: Wenn uns die Mauer nicht mehr am Reisen hindern würde, würden wir, so sagten wir immer in meiner Familie, im Kempinski Austern essen gehen. Wir rechneten allerdings beide nicht damit, dass sich die Grenze noch am selben Abend öffnen würde.

Also ging ich wie jeden Donnerstagabend in die Sauna. Als ich zurückkam, hörte ich, der Grenzübergang Bornholmer Straße sei offen. Ich bin sofort hingelaufen und habe wie tausend andere Menschen den Grenzübergang nach Westen überquert. Ich empfand – wie alle anderen – eine unglaubliche Freude. Der Empfang in West-Berlin war sehr, sehr herzlich. In einer wildfremden Wohnung haben wir mit einer Dose Bier auf die Maueröffnung angestoßen. Dann bin ich wieder nach Hause nach Ost-Berlin gegangen.


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Dokument erstellt am 05.11.2009 um 12:21:14 Uhr
Letzte Änderung am 06.11.2009 um 16:04:20 Uhr
Erscheinungsdatum 05.11.2009
FR-online.de interaktiv
FR vom 10.11.1989
FR-Titelseite vom 10. November 1989
Die Titelseite der Frankfurter Rundschau vom Tag nach dem Mauerfall
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