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09. Februar 2010
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Bundeswehr-Einsatz

Ein Sarg aus Afghanistan

VON ANDREAS KRAFT

Drei Soldaten tragen einen Sarg. Daneben steht: "Schritt zur Abrüstung. Die Bundeswehr auf dem richtigen Weg: Wieder einer weniger". Geschmacklos findet das Plakat nicht nur die Bild-Zeitung, die deshalb gestern titelte: "Tote deutsche Soldaten verhöhnt." Sondern auch die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG-VK). Die Bild-Zeitung wirft den Friedensaktivisten allerdings vor, sie feierten mit dem Plakat, dass Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan ums Leben kommen.

Am Donnerstag distanzierte sich die DFG-VK davon deutlich: "Der Zynismus ist für uns schwer erträglich", hieß es in einer Pressemitteilung. Das Plakat kann sich jeder seit etwa fünf Jahren von der gemeinsamen Homepage des DFG-VK Landesverbands Berlin Brandenburg und des Büros für antimilitärische Maßnahmen (Bamm) herunter laden.

Erstellt habe es das Bamm. "Es gab bei uns auch schon früher intern Auseinandersetzungen, ob so ein Plakat in Ordnung ist", sagte Bundesgeschäftsführer Monty Schädel der FR. "Die Mehrheit war der Auffassung, dass das nicht unser Stil ist." Die Landesverbände könnten aber allein entscheiden, welche Aktionsformen sie nutzen.

Kürzlich berichtete das Patriotische Forum Süddeutschland, eine rechtskonservative und nationalistische Internetseite, über das Plakat. Das griff die Tageszeitung Die Welt offenbar auf, die wie die Bild-Zeitung zum Axel-Springer-Konzern gehört. Schließlich landete das Thema bei der großen Schwester und damit auf allen Kanälen.

Für Monty Schädel nutzen nicht nur die Springer-Zeitungen, sondern auch Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) nun die Empörung, um von der Diskussion über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan abzulenken. Jung bezeichnete das Plakat in der Bild-Zeitung als "Schlag in das Gesicht unserer Soldaten". Der Verteidigungsminister besuchte in den vergangenen Tagen die deutschen Soldaten in Afghanistan. Gestern reiste er nach Pakistan weiter.

Am 13. Oktober läuft das Isaf-Mandat aus. Soll die Bundeswehr in Afghanistan bleiben, muss der Bundestag erneut dem Einsatz zustimmen. Dass die Bundesregierung dafür eine Mehrheit zusammen bekommt, gilt als wahrscheinlich. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck erklärte schließlich gestern sogar, er sei dafür, dass die Bundeswehr noch mehr Aufgaben übernimmt und Awacs-Aufklärungsflugzeuge nach Afghanistan schickt. 40 Prozent der Soldaten an Bord der Nato-Maschinen stellt die Bundeswehr. Deshalb müsste das Parlament dem Einsatz zustimmen. Eine offizielle Anfrage liegt zwar noch nicht vor, aber es ist bereits seit Juli relativ klar, dass die Anforderung aus dem Nato-Hauptquartier kommen wird.

Die Debatte, ob Deutschland am Hindukusch Krieg führe, nannte Struck "absurd". Ein Einsatz wie in Afghanistan könne es mit sich bringen, dass Menschen getötet werden. Das sei die Realität im Kampf gegen den Terrorismus.

Der Bundeswehrverband hatte die Diskussion angestoßen und von der Politik eine deutlichere Sprache gefordert. Man solle nicht mehr davon sprechen, dass Soldaten "ums Leben gekommen" seien. Vielmehr müsse es heißen, sie seien "gefallen". Verteidigungsminister Jung hatte das bereits am Mittwoch abgelehnt.

Die Friedensaktivisten sind in dieser Frage ganz auf der Seite des Bundeswehrverbands und sprechen von Krieg. Die DFG-VK ist daher auch dafür, die Bundeswehr abzuziehen. "Mehr Soldaten zu schicken, bedeutet nur mehr tote Soldaten", sagte Schädel der FR. "Deutschland sollte Afghanistan mit zivilen Mitteln helfen."

Ein afghanisch-deutsches Friedensbündnis forderte gestern einen konkreten Termin für den Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan. Nur dann sei es möglich, mit den Taliban zu verhandeln. Zudem sollen die Tornado-Staffeln nicht mehr eingesetzt werden, durch die allein im Juli 2500 Zivilisten ums Leben gekommen seien. Die Bundeswehr stellt Tornados als Aufklärer.


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Dokument erstellt am 04.09.2008 um 16:56:21 Uhr
Letzte Änderung am 04.09.2008 um 19:15:13 Uhr
Erscheinungsdatum 05.09.2008
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