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09. Februar 2010
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Atomkraft

"Das geht ans Eingemachte"

Der Protest gegen den Castor-Transport hat dem Streit um die Atommüll-Endlagerung neu entfacht. Plötzlich finden sich auch Politiker wieder unter den Blockierern. Grünen-Vordenker Fücks spricht im FR-Interview über den Widerstand und seine politischen Konsequenzen.
Herr Fücks, in der Gesellschaft wächst die Akzeptanz für Atomkraft, gleichzeitig ist der Widerstand gegen die Atomtransporte so stark wie seit Jahren nicht mehr. Wie passt das zusammen?

Das sind zwei Seiten derselben Medaille. Wir erleben zunehmende Angriffe auf das Atomausstiegsgesetz und das mobilisiert einen neuen Widerstand. Atomkraft ist nach wie vor ein Thema, das polarisiert und mobilisiert. Die Pannenserie in den deutschen AKW und die skandalösen Zustände im Atommüllendlager Asse liefern zusätzlich Stoff gegen längere AKW-Laufzeiten und ein Comeback der Atomenergie. Die jetzigen Aktionen gegen den Castor-Transport zeigen, dass die Versuche, in der Bundesrepublik eine Akzeptanz für die Atomenergie herzustellen, heftigen Gegenwind bewirken.

Aber noch nie hatte der Atomausstieg so wenig gesellschaftliche Rückendeckung wie derzeit.

Deshalb müssen wir umso mehr beweisen, dass Atomausstieg und Klimaschutz zusammengehen können. Diese Auseinandersetzung ist nicht allein auf der Straße zu gewinnen, sie muss im Kampf um die öffentliche Meinung gewonnen werden - mit überzeugenden Argumenten für eine ökologische Energiewende. Da gilt es noch Überzeugungsarbeit zu leisten. Die Union hat angekündigt, dass sie die Laufzeitverlängerung für AKW zum Wahlkampfthema machen will. Die Grünen müssen diese Kontroverse nicht fürchten. Das wird ihre Anhängerschaft auf die Beine bringen.

Als der Umweltminister Jürgen Trittin hieß, haben die Grünen die Castor-Proteste als Ritual abqualifiziert und als Flucht vor der Verantwortung, Atommüll zurückzunehmen.

Zur Person
Ralf Fücks leitet die Grünen-nahe Heinrich-Böll- Stiftung. Der 57- Jährige gehört zum Urgestein der Anti-Atomkraftbewegung.

Die Castor-Proteste zeigen, wie die Atomkraft weiter polarisiert, sagt Fücks im FR-Interview. Bei ihrem Herzensthema müssten die Grünen wieder außerparlamentarische Opposition sein,aber deutlich mehr Überzeugungsarbeit leisten.
Jetzt übertreiben Sie aber. Außerdem haben wir jetzt eine neue Situation, weil mit den Vorstößen für die Laufzeitverlängerung auch die Geschäftsgrundlage für die Zwischenlagerung von Atommüll aufgekündigt ist.

Beim G8-Gipfel haben die Grünen den Schulterschluss zu Globalisierungskritikern gesucht. In Gorleben besinnen sie sich auf ihre alten Protest-Wurzeln. Das riecht nach Anbiederung an Wähler, die unter Rot-Grün abhanden kamen.

Die Grünen sind nun mal in der Opposition. Und vor allem dort, wo es um ihre Kernanliegen geht, sind sie auch Teil der außerparlamentarischen Bewegung. Natürlich hat man in der Regierung eine andere Rolle. Die politischen Aktionsformen verändern sich, aber in der Sache bleiben wir uns treu, wenn wir jetzt auf die Straße gehen. Und wenn die Grünen wieder in Regierungsverantwortung stehen, werden sie der Garant sein, dass es beim Atomausstieg bleibt.

Das Profil als Protestpartei könnte den Grünen auch machtpolitische Probleme bereiten. Verbauen sie sich damit nicht die Koalitions-Optionen?

Es gibt für die Grünen keine Bündnis-Option, die den Atomausstieg in Frage stellt. Das geht ans Eingemachte. Die Beteiligung an den Castor-Protesten ist eine Klarstellung für die Zukunft, was mit uns geht und was nicht.

Interview: Vera Gaserow
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Dokument erstellt am 10.11.2008 um 17:48:02 Uhr
Letzte Änderung am 11.11.2008 um 10:52:15 Uhr
Erscheinungsdatum 11.11.2008
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