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Afghanistan

Nato-General will alle Opiumhändler töten

VON THORSTEN KNUF

Brüssel. Eineinhalb Wochen nach dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama zeichnet sich in der Nato ein politisch-militärischer Grundsatzstreit über die Strategie des Bündnisses in Afghanistan ab. Auslöser ist eine Auseinandersetzung zwischen führenden Nato-Generälen über den Kampf gegen Drogenhändler am Hindukusch.

Wie der Spiegel in seiner Online-Ausgabe berichtet, verlangt Nato-Oberbefehlshaber John Craddock die Tötung aller Opiumhändler - unabhängig davon, ob sie tatsächlich die Aufständischen unterstützen oder nicht. Zwei wichtige Führungskräfte verweigerten Craddock allerdings die Gefolgschaft: Der deutsche General Egon Ramms, der das zuständige Nato-Kommando im niederländischen Brunssum leitet, sowie der Chef der Isaf-Schutztruppe in Kabul, der US-General David McKiernan.

Craddock schaffe eine "neue Kategorie von feindlichen Militärkräften", soll McKiernans Hauptquartier kritisiert haben. Die Isaf habe den Afghanen versichert, so wenig Gewalt wie möglich einzusetzen und zivile Opfer wenn irgend möglich zu vermeiden.

Ramms wiederum soll Craddock in einem Brief deutlich gemacht haben, dass er nicht von den bisher geltenden Angriffsregeln abweichen werde. Die politische Nato-Führung hatte im Oktober beschlossen, dass die Isaf fortan auch Drogenlabors und Personen angreifen darf, "die den Aufstand unterstützen".

Nach Einschätzung von Beobachtern ist der Streit zwischen den Militärs der Auftakt einer umfassenden Debatte über das weitere Vorgehen der Allianz in Afghanistan und über die Person Craddocks an sich. Der Nato-Oberbefehlshaber gilt als loyaler Diener des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush. Kritiker, zu denen auch der deutsche General Ramms gehört, werfen den USA vor, in Afghanistan bisher zu stark auf das Militärische gesetzt und dem zivilen Aufbau vernachlässigt zu haben. Die Afghanistan-Mission wird auch im Zentrum der Münchner Sicherheitskonferenz stehen, die in der kommenden Woche stattfindet.

Deutsche Verteidigungspolitiker zeigten sich gestern empört über den Befehl Craddocks. "Diese Strategie ist der absolute Wahnsinn", sagte die grüne Europa-Abgeordnete Angelika Beer. "Obama muss Craddock sofort ablösen." Der CDU-Experte Karl von Wogau sagte: "Herr Ramms hat Recht. Aus unserer Sicht ist das ein illegaler Befehl."


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Dokument erstellt am 29.01.2009 um 17:52:06 Uhr
Letzte Änderung am 29.01.2009 um 20:27:46 Uhr
Erscheinungsdatum 30.01.2009
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