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17. März 2010
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Wasserforum in Istanbul

Europa betreibt "Raubbau" an Ressourcen

Istanbul/Kopenhagen/New York. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat vor dem Hintergrund einer drohenden globalen Wasserkrise bessere Gesetze zum Schutz der Ressourcen gefordert. International müssten Regierungen ihre Wassergesetze reformieren, damit Ziele wie eine sichere und flexible Versorgung festgeschrieben werden, erklärte die Organisation in Istanbul auf dem 5. Weltwasserforum.

"Wasser ist für das Leben auf der Erde eine natürliche Ressource. Wenn die Ressourcen abgewirtschaftet werden, sind die Folgen auf allen Ebenen der Gesellschaft und der Wirtschaft zu spüren", hieß es in einer Erklärung.

Die Organisation forderte, dass neue Wassergesetze einen Ausgleich zwischen den Wasserrechten der Wirtschaft und den Ansprüchen der Menschen mit traditioneller Lebensform herstellen. Dabei müsse das Recht auf Wasser der Blickwinkel sein.

"Wir müssen verstehen, dass Wasser eine begrenzte Ressource ist", sagte der türkische Staatspräsident Abdullah Gül bei seiner Eröffnungsrede. Die EU-Umweltagentur (EEA) verlangte in einem in Kopenhagen vorgelegten Bericht ein Ende des europäischen "Raubbaus" an der immer knapperen Ressource Wasser.

Unterdessen protestieren in Istanbul Menschen gegen große Staudammprojekte und die Nutzung des Wassers als Wirtschaftsgut. Die Polizei nahm 19 Demonstranten fest, darunter eine Deutsche und eine Amerikanerin.

Gespräche über Zugang zu sauberem Wasser


Bei dem weltweit größten Expertentreffen soll bis zum Wochenende über den Zugang zu sauberem Wasser, Wasserrechte und den Einsatz moderner Technologien beraten werden. Zu dem Treffen werden in Istanbul auch Vorsitzende internationaler Organisationen, Minister aus mehr als 100 Staaten sowie Staats- und Regierungschefs erwartet. Insgesamt wird mit etwa 20.000 Teilnehmern gerechnet.


In einigen Ländern wie in der Türkei setzen Regierung und Wirtschaft auf den Bau neuer Staudämme, um zusätzliches Land zu bewässern und Energie zu erzeugen. Umweltgruppen warnen vor den Folgen solcher Großprojekte, die für Menschen und Natur neue Probleme schafften.

Nicht-Regierungsorganisationen veranstalten in Istanbul in dieser Woche ein Alternativforum.

Trinkwasser ist nur begrenzt verfügbar


Durch die Bedürfnisse der schnell wachsenden Weltbevölkerung und die Auswirkungen der Klimaveränderungen sind die Wasser-Ressourcen auf dem Planeten jedoch in Gefahr. Zu diesem Schluss kommt die Unesco in ihrem jüngsten Wasser-Bericht mit dem Titel "Wasser in einer sich verändernden Welt", der in New York vorgestellt wurde.

Die Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaft, Lebensstil und Verhaltensmuster sind die wichtigsten Faktoren beim Wasserverbrauch.

"Die Geschichte zeigt eine enge Verbindung zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und der Entwicklung von Trinkwasser- Ressourcen", heißt es in dem Bericht der Unesco (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur).

Die Weltbevölkerung wächst jährlich um fast 80 Millionen Menschen, die zusätzlich 64 Milliarden Kubikmeter Wasser benötigen, so der Bericht. Heute leben bereits 6,8 Milliarden Menschen auf der Welt. Bis 2012 sollen es 7 Milliarden sein, bis 2050 sogar 9 Milliarden, so die Prognosen.

Durch ein einfaches Beispiel zeigt der Unesco-Bericht die Auswirkungen von veränderten Essgewohnheiten und Nahrungsproduktion auf den Verbrauch von Wasser. Ein Chinese, der 1985 nur 20 Kilogramm Fleisch gegessen hat, konsumiert heute mehr als 50 Kilogramm. Um das Vieh zu füttern, wird mehr Getreide benötigt, für das mehr Wasser verbraucht wird als damals.

Europäer betreiben "Raubbau"


5300 Kubikmeter Wasser verbrauche ein Europäer im Schnitt pro Jahr, schreibt die in Kopenhagen ansässige EU-Umweltagentur (EEA) in einem Report. Das entspricht dem Fassungsvermögen von zwei olympischen Schwimmbecken.

EEA-Direktorin Jacqueline Glade nannte den Gesamtwasserverbrauch angesichts der Klimaveränderungen mit zunehmender Dürre im südlichen Europa einen "Raubbau, der gravierende Auswirkungen haben wird".

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Auch in Teilen Nordeuropas werde der "Wasserstress" zunehmen, weil insgesamt zur kurzfristigen Behebung von Wasserknappheit immer größere Wassermengen aus den Oberflächen- und Grundwasserreservoirs entnommen werden. "Beim Wasser leben wir über unsere Verhältnisse", heißt im Bericht der Umweltagentur.

Das meiste Wasser wir für Energiezwecke verbraucht


Nach den Erhebungen der EEA werden in Europa 44 Prozent des entnommenen Wassers für die Energieerzeugung verwendet, das aber zum größten Teil wieder zurückgeleitet wird. 24 Prozent fließen in die Landwirtschaft, 21 Prozent in die öffentliche Wasserversorgung und 11 Prozent in die Industrie.

Im besonders von zunehmender Dürre bedrohten südlichen Europa allerdings würden 60 und teilweise sogar 80 Prozent zu Bewässerungszwecken von der Landwirtschaft verbraucht.

Als akutes Problem neben der illegalen Entnahme von Wasser vor allem in der Landwirtschaft nannte die EEA den Verlust durch Lecks im öffentlichen Wasserversorgungssystem: In einigen Teilen Europas gingen dadurch 40 Prozent des Wassers verloren. Zur Begrenzung des Wasserverbrauchs forderte die EEA an erster Stelle eine strenge Preissetzung auf der Grundlage tatsächlich entnommener Wassermengen. (dpa)

http://www.worldwaterforum5.org/
http://www.worldwatercouncil.org/
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Dokument erstellt am 17.03.2009 um 10:06:48 Uhr
Letzte Änderung am 17.03.2009 um 15:42:11 Uhr
Erscheinungsdatum 17.03.2009
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