Erst ist es nur laut. Pfiffe, Buh-Rufe, Sprechchöre. "Hau ab, hau ab", schallt es über den Frankfurter Römerberg. Dann fliegen Eier. Manche Wurfgeschosse verfehlen Oskar Lafontaine nur knapp. Nervöse Ordner spannen Regenschirme auf, um den Vorsitzenden der Linkspartei auf der Bühne zu schützen. Lafontaine wirkt, als verstehe er nicht, was hier gerade passiert. Doch er beendet seine Rede nicht vorzeitig, spricht weiter, fordert einen "Schutzschirm für Menschen". In der Wirtschaftskrise, meint er.
Man dürfe "nicht die Mafia-Bosse rufen, um den Drogenhandel zu bekämpfen", ruft Lafontaine, dürfe nicht den Verursachern der Krise weitere Verantwortung übertragen. An die Adresse der Störer gerichtet, sagt Lafontaine noch, die Linken müssten in diesen schwierigen Zeiten doch zusammenstehen. Dann verlässt er die Bühne. Der schwarze Block jubelt.
Autonome Gruppen, die Lafontaine Populismus und Nationalismus vorwerfen, hatten den Protest gegen den Chef der Linkspartei organisiert. Die Eierwürfe bei der Abschlusskundgebung am Römer bleiben am Samstag die einzigen Zwischenfälle bei der Demonstration unter dem Motto "Wir zahlen nicht für eure Krise" - zumindest in Frankfurt. Beim zeitgleich gestarteten Protestmarsch in Berlin gibt es am Roten Rathaus Schlägereien zwischen Demonstranten und der Polizei. 25 Randalierer werden festgenommen.
Mehr als 100 Organisationen haben zu den Demonstrationen aufgerufen - von den Linken Perspektiven Stuttgart bis zu den Christinnen und Christen für den Sozialismus. Entsprechend breit ist das Spektrum der Reden.
Bei der Auftaktkundgebung in Frankfurt etwa herrschen an einer Ecke des Uni-Campus gemäßigte Töne. "Deutschland wird die Krise nicht einfach irgendwie überstehen", sagt dort Düzgün Altun von der Förderation demokratischer Arbeitervereine. Wenige hundert Meter weiter, am Treffpunkt der antifaschistischen Gruppen, ruft die Ökolinx-Politikerin Jutta Ditfurth, das Ziel müsse sein, den Kapitalismus abzuschaffen. Anschließend skandiert die Menge: "Nie, nie, nie wieder Deutschland".
Das Fazit der Organisatoren in Frankfurt und Berlin fällt durchweg positiv aus. Die Proteste seien "ein Wendepunkt der Krise", sagt Jutta Sundermann, Mitbegründerin von Attac in Deutschland. Die Demonstrationen seien "kein Strohfeuer" gewesen.


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