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Neue Bundeswehr-Strategie

Kampfzone Afghanistan

Die Bundeswehr hat ihre Taktik in Afghanistan geändert. Auf die zunehmenden Angriffe von Aufständischen reagieren die Soldaten offensiver. Statt möglichst zügig den Schauplatz zu verlassen und sich im gut geschützten Feldlager in Kundus zu verbarrikadieren, liefern sie sich offene Feuergefechte mit den Angreifern. Über diese neue Qualität müsse die Bundesregierung endlich Klartext reden, fordert der Bundeswehrverband.

Der Norden Afghanistans, in dem die Bundeswehr seit 2002 den Wiederaufbau absichern soll, galt lange als vergleichsweise ruhig. Wurden die Soldaten einmal angegriffen, dann zogen sie sich in ihre Lager zurück. Auch dem Opiumanbau sahen sie weitgehend tatenlos zu, weil sie sich aus politischen Gründen eher in der Rolle der Helfer sahen, als den Konflikt zu suchen.

Als die Lage dann auch im Norden Afghanistans immer schwieriger wurde, entschieden die Kommandeure im vergangenen Jahr, mehr Soldaten nach draußen zu schicken. Sie fuhren häufiger Patrouille mit geschützten Fahrzeugen und bewegten sich in abgelegenere Dörfer. Das Ziel: Präsenter in der Fläche zu sein und so Stärke zu demonstrieren. Ingesamt ist das Gebiet im Norden, in dem die Bundeswehr die Verantwortung trägt, halb so groß wie Deutschland.

Die höhere Präsenz führte in den vergangenen Monaten unter anderem dazu, dass die Bundeswehr immer häufiger Ziel der Taliban wurde. Seit Anfang des Jahres wurden nach offiziellen Angaben 34 Anschläge verübt, davon allein 30 im Raum Kundus. Statt nur Raketen in Richtung Feldlager zu schießen, benutzen die Aufständischen inzwischen Schusswaffen und greifen mit Panzerfäusten an.

Der erste Soldat stirbt bei einem Feuergefecht


Bisheriger Höhepunkt war der Tod eines deutschen Soldaten am 29. April, der auf Patrouille in einen Hinterhalt geriet und mit Granaten angegriffen wurde. "Das war das erste Mal, dass nicht nur zurückgeschossen wurde, sondern sich Deutsche mit den Taliban ein Gefecht geliefert haben und dabei einer starb", sagt Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei.

Die Aufständischen planen ihre Angriffe nach Angaben aus Bundeswehrkreisen mittlerweile immer präziser. So greifen sie nicht aus einem Hinterhalt, sondern beispielsweise von mehrere Hügeln und gleichzeitig aus verlassenen Häusern an. Einfach mit dem Dingo "durchzubrechen", wie es im Fachjargon heißt, wird für die deutschen Soldaten schwieriger.

Erst vor einer Woche lieferten sich laut Verteidigungsministerium rund 120 deutsche Soldaten ein mehrstündiges Gefecht mit Aufständischen in der Nähe von Kundus. Die Soldaten töteten dabei mindestens zehn Angreifer. Am Montag zündeten Aufständische dann eine Sprengstofffalle gegen eine Patrouille. Zwei deutsche Soldaten wurden verletzt und mussten nach Koblenz ausgeflogen werden. Einer von ihnen hat eine schwere Bauchverletzung.

Die Worte und Beschreibungen der militärischen und politischen Führung für diese neue Dimension der Auseinandersetzungen bleiben dürr. Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan sagte kürzlich bei einem Besuch in Kundus: "Da ist Potenzial für weitere schwierige Auseinandersetzungen angelegt."

Der Sprecher des Bundeswehrverbandes drückt es anders aus: "Das sind Gefechte, wo militärisch organisierte Taliban offen auftreten und offen auf die Soldaten schießen und diese dann zurückschießen müssen." Die Politik drücke sich vor Worten, sagt der Sprecher auch mit Blick auf die Debatte, ob die derzeit 3800 deutschen Soldaten am Hindukusch Krieg führen.

Die Soldaten müssten in Schulungen deshalb auch mehr über ihre Rechte und Pflichten noch mehr aufgeklärt werden, fordert der Verband. Derzeit trägt jeder Soldat eine Taschenkarte mit sich, in der die Anwendung militärischer Gewalt geregelt ist. Dort heißt es: "Im Rahmen der Nothilfe dürfen Sie Angriffe gegen jedermann abwehren, die lebensgefährdend sind oder auf schwere körperliche Beeinträchtigung abzielen." Unter anderem zur Selbstverteidigung sowie bei Nothilfe dürfen Schusswaffen benutzt werden. (afp)


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Dokument erstellt am 10.06.2009 um 15:37:07 Uhr
Letzte Änderung am 01.07.2009 um 12:22:30 Uhr
Erscheinungsdatum 10.06.2009
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