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Landgericht Dresden

Messerattacke gibt Rätsel auf

VON Bernhard HONNIGFORT UND Michael BERGIUS

Die Staatsanwaltschaft prüft Gerüchte, wonach der Messerstecher, der im Dresdner Landgericht eine Ägypterin ermordet hat, womöglich russischer Soldat im Tschetschenienkrieg war. "Wir versuchen das aufzuklären", sagte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius am Mittwoch der FR.

Es hatte Spekulationen in Zeitungen gegeben, wonach die Brutalität des in Russland aufgewachsenen Mannes auf eine Verrohung im Krieg zurückzuführen sein könnte. "Die Frage liegt nicht fern", sagte Avenarius. Der Mann habe in rascher Folge 18 Mal in den Brustkorb der Frau gestochen.

Der 28-jährige Deutsche russischer Herkunft hatte vor acht Tagen die schwangere Merwa E. während einer Berufungsverhandlung erstochen. Die Frau war als Zeugin in dem Prozess um Beleidigung aufgetreten. Bei der Bluttat wurde ihr Ehemann vom Angreifer schwer verletzt.

Der Täter hatte die Kopftuch tragende Frau vor einem Jahr auf einem Spielplatz in Dresden als Terroristin und Islamistin beschimpft und war vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Die Anklage legte Berufung ein. Sie sieht in dem Mann einen fanatischen Ausländerfeind. Der Tagesspiegel berichtet, er habe NPD gewählt.

Die Bluttat sei extrem schnell passiert


Das Verbrechen hat in arabischen Ländern großes Aufsehen erregt. Ägyptische Zeitungen fragen, ob die Bluttat von einer Phobie gegen Kopftücher herrühre und warum ein herbeigeeilter Polizist statt auf den Täter auf den Mann des Opfers schoss.

Oberstaatsanwalt Avenarius erklärte am Mittwoch, warum außer dem Ehemann niemand der Frau zu Hilfe eilen konnte. Es waren nur der Richter, zwei Schöffen, die Staatsanwältin, der Verteidiger und der Ehemann und sein dreijähriger Sohn im Saal. Wachtmeister waren nicht anwesend. Die Bluttat sei extrem schnell passiert, nur der Verteidiger habe noch einen Stuhl nach dem Messerstecher geworfen.

Die Bundesregierung versuchte gestern, dem Eindruck entgegen zu treten, sie habe nicht deutlich genug reagiert. Die Ermordung der Ägypterin sei eine "abscheuliche, schreckliche Tat, die uns alle bestürzt", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Er verwahrte sich gegen Vorwürfe aus dem Heimatland des Opfers, wonach in Deutschland nicht entschieden gegen Fremdenhass vorgegangen werde. Übergriffe gegen Ausländer sowie Islamophobie dürften "in Deutschland keinen Platz haben".

Dass die Bundesregierung nicht "spontan" nach der Bluttat reagiert habe, erklärte der Sprecher damit, dass die genauen Hintergründe zunächst unklar gewesen seien. Der Täter sei offensichtlich ein "fanatischer Ausländerfeind", so Steg. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), habe dem Ehemann des Mordopfers ihre Anteilnahme überbracht.
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Dokument erstellt am 08.07.2009 um 17:52:02 Uhr
Letzte Änderung am 08.07.2009 um 20:16:42 Uhr
Erscheinungsdatum 09.07.2009
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