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13. März 2010
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Interview

"Die Nothilfe jetzt zu beschneiden, wäre katastrophal"

Ralf Südhoff, Chef im Berliner Büro des Welternährungsprogramms (WFP), über die Beschlüsse der G8 zur Ernährungssicherung. "Der Anteil der Agrarhilfen am deutschen Entwicklungsetat drastisch gesunken."
Die G8-Staaten wollen mehr Hilfe zur Selbsthilfe leisten, um die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Entwicklungsländern zu fördern. Wird das WFP künftig viel weniger Reissäcke verteilen?

Der Gegensatz, die Menschen entweder kurzfristig durchzufüttern oder langfristig die Landwirtschaft zu entwickeln, existiert gar nicht mehr. 2008 zum Beispiel haben wir großzügige Mittel erhalten, um mit akuter Nothilfe die Ernährungskrise zu meistern, gleichzeitig ist dieses Geld zum großen Teil in die Landwirtschaft in Entwicklungsländern geflossen. Wir haben 2008 über eine Milliarde Dollar in den lokalen Aufkauf von Nahrungsmitteln investiert. Damit ist das WFP der größte Nahrungsmittelaufkäufer in den Ländern des Südens.

2007 kamen 40 Prozent der WFP-Hilfen aber noch als Naturalspenden aus den USA.

Zur Person
Ralf Südhoff leitet das Berliner Büro des Welt- ernährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP). Das Welternährungsprogramm finanziert sich ausschließlich aus freiwilligen Zuwendungen - in bar oder in Naturalien.

Zur Jahresmitte hat das WFP erst weniger als ein Viertel seines Budgets von 6,4 Milliarden Dollar erhalten. In diesem Jahr sollen etwa 105 Millionen Hungernde in 74 Ländern von den Hilfen profitieren.
Die werden in Krisengebieten auch oft gebraucht. Zudem bestanden 2008 bereits fast 75 Prozent der WFP-Zuwendungen aus Barmitteln verschiedenster Regierungen.

Kanzlerin Merkel hat erklärt, Hilfe zur Selbsthilfe sei schon länger der deutsche Ansatz.

In den letzten 20 Jahren ist der Anteil der Agrarhilfen am deutschen Entwicklungsetat drastisch gesunken. Seit 2008 gibt es aber wieder Wachstum, auf niedrigem Niveau. International sind wir sowohl bei der kurz- als auch bei der langfristigen Ernährungshilfe auf einem dramatischen Tief.

Über eine Milliarde Menschen hungern. Befürchten Sie nicht, dass dem WFP künftig Geld für die Nothilfe fehlen wird, wenn die ländliche Entwicklung stärker gefördert wird?

Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass nach der Ausweitung der Lebensmittelhilfe 2008 nun auch mehr in die Landwirtschaft im Süden investiert werden soll. Es wäre aber katastrophal, dafür an der Nothilfe zu sparen, wenn allein in diesem Jahr weitere 100 Millionen Menschen dem Hunger verfallen. Sollen die sterben, bis eine Agrar-Revolution in Afrika Erfolg hat?

Bringt uns die Entscheidung der G8 dem Millenniumsziel näher, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren?

Selbst wenn die Agrarproduktion sich in Afrika in den nächsten Jahren verdoppelt würde, ist dieses Ziel kaum noch zu erreichen.

Interview: Tobias Schwab


Weltbevölkerung


Die Zahl der Menschen wächst weiter, aber nicht mehr so rasant wie in den vergangenen Jahrzehnten.Das ist die Nachricht der Vereinten Nationen zum heutigen Weltbevölkerungstag. Dennoch, so die jüngste UN-Prognose, wird die Zahl der Erdenbürger voraussichtlich 2012 die magische Marke von sieben Milliarden übertreffen, im Jahr 2050 könnten es schon 9,1 Milliarden Menschen sein.

Die Entwicklungsländer tragen die Hauptlast. Während die Bevölkerung in den meisten Industrienationen rückläufig ist, explodiert sie in Ländern des Südens weiter. In einigen Staaten Afrikas soll sich die Einwohnerschaft bis 2050 gar verdreifachen.

Der Druck auf die Gesundheits- und Bildungssysteme in den armen Ländern wird steigen, auch die angespannte Ernährungslage wird sich weiter verschärfen. Darauf weist die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) hin. Um Armut und Hunger zu verringern, müssten Familienplanung, Aufklärung und Gesundheitsfürsorge für Frauen stärker gefördert werden.

Die Entscheidung von Frauen über die Zahl ihrer Kinder habe Auswir-
kungen auf das Bevölkerungswachstum und die ökonomische Entwicklung der Länder, betont die DSW. Die Rolle von Frauen für die Entwicklung sei schon vor 15 Jahren auf einer Konferenz in Kairo von 179 Staaten anerkannt worden. Trotzdem fördert die internationale Gemeinschaft seitdem entsprechende Programme immer weniger. Die Mittel seien um mehr als die Hälfte auf 338 Millionen US-Dollar im Jahr 2007 geschrumpft, kritisiert die Stiftung.tos


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Dokument erstellt am 10.07.2009 um 17:36:02 Uhr
Letzte Änderung am 10.07.2009 um 18:38:13 Uhr
Erscheinungsdatum 10.07.2009
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