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09. Februar 2010
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Reaktionen auf Dresdner Mord

Ex-Muslime warnen vor Instrumentaliserung

Leipzig. Der Zentralrat der Ex-Muslime hat islamische Verbände davor gewarnt, den Mord an der Ägypterin Marwa El Sherbini im Dresdner Landgericht politisch zu instrumentalisieren. Es gebe keine Anzeichen für eine Islamophobie in Deutschland, sagte die Vorsitzende Mina Ahadi der "Leipziger Volkszeitung".

Die Bundesregierung habe immer wieder erstaunliche Zugeständnisse an die hier lebenden Muslime gemacht, zuletzt beim Islamgipfel. Sie müsse eher aufpassen, dass sie nicht mit falschen Zugeständnissen dem radikalen Islamismus Vorschub leiste.

"Plötzlich redet keiner mehr über sogenannte Ehrenmorde, die hier in islamisch geprägten Familien traurige Realität sind", sagte Ahadi. Den damit bedrohten Mädchen und nicht islamistischen Fanatikern müsse geholfen werden.

Ahadi warf dem Chef des Zentralrats der Muslime, Ayyub Köhler, "Doppelmoral" vor. "Wenn Frauen im Iran für ihre Rechte auf die Straße gehen, werden sie erschossen. Wird dagegen in Deutschland protestiert, werden Kritiker mit dem Vorwurf der Islamophobie unter Druck gesetzt."

Trauerfeier in Dresden


Am Samstag hatten rund 1500 Menschen in Dresden mit einer Trauerfeier der erstochenen Ägypterin gedacht. Dabei protestierten sie zugleich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Die 31-Jährige war am 1. Juli während einer Berufungsverhandlung wegen Beleidigung von dem Angeklagten erstochen worden. Der aus Russland stammende Deutsche hatte die schwangere Zeugin mit 18 Messerstichen getötet und ihren Ehemann verletzt. Sie hatte den Mann 2008 angezeigt, nachdem er sie auf einem Spielplatz als "Islamistin" und "Terroristin" beschimpft hatte.

Die brutale Tat des 28-Jährigen löste auch am Samstag wieder Proteste in der islamischen Welt aus. Ägyptens Botschafter Ramsi Ess Eldin Ramsi sagte in Dresden, Marwa El-Sherbini sei ein Opfer von blindem Hass und Fanatismus geworden, die ihre Quelle in der Ignoranz hätten, Nabil Yacoub vom Dresdner Ausländerrat forderte: "Lasst die Saat des Extremismus nicht aufgehen."

Botschafter Ramsi sprach von einer "verbrecherischen Einzeltat", die nicht die Wirklichkeit der deutschen Gesellschaft zum Ausdruck bringe. "Die deutsche Gesellschaft ist weltoffen, offen für andere Kulturen, Nationalitäten und Glaubensrichtungen." Er erwarte, dass der Täter schnellstens verurteilt und die Familie des Opfers entschädigt werde.

Der Zentralrat der Muslime forderte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein deutliches Signal gegen Islamfeindlichkeit in Deutschland. Sie möge sich "auch bitte direkt an die mehr als vier Millionen Muslime hierzulande wenden und den brutalen rassistischen Mord aus islamfeindlichen Motiven verurteilen", sagte Generalsekretär Aiman Mazyek dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". (dpa)


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Dokument erstellt am 12.07.2009 um 11:46:30 Uhr
Letzte Änderung am 12.07.2009 um 15:29:53 Uhr
Erscheinungsdatum 12.07.2009
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