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18. März 2010
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Dresdner Staatskapelle in Ägypten

Konzert auf der Kippe

Von Martin Gehlen

Kairo. Er ist als deutsche Geste der Anteilnahme gemeint - doch in Ägypten sorgt der Besuch der Dresdner Staatskapelle seit Tagen für Aufregung und Verwirrung. Zwei Konzerte wollte das Orchester am kommenden Samstag in Alexandria und am 2. November in Kairo zum Gedenken an Marwa el-Sherbini geben. Jetzt wurden sie von den Musikern nach tagelangem Hin und Her zunächst einmal abgesagt - "auf Wunsch der ägyptischen Seite", wie Orchestersprecher Matthias Claudi der FR bestätigte.

Offenbar fürchtet die Regierung in Kairo unschöne, vielleicht sogar gewalttätige Zwischenfälle. "Konzerte von einem deutschen Orchester in dieser Situation könnten die Ägypter auf der Straße nur noch mehr irritieren", ließ der ägyptische Kulturministers Farouk Hosni erklären.

Am Sonntag jedoch meldete die Zeitung Almasry Alyoum, der Minister habe sich nach einem Telefonat mit den Verantwortlichen in Dresden umstimmen lassen. Das Orchester wolle unbedingt nach Alexandria kommen, um der Familie el-Sherbini sein Mitgefühl auszudrücken. Die Musiker wollten zu Beginn des Konzertes mit Kompositionen von Beethoven, Mendelssohn Bartholdy und Tschaikowsky eine Schweigeminute halten und so ihre Solidarität mit dem ägyptischen Volk ausdrücken, schrieb das Blatt.

Nervöse Anspannung


Als Solist sollte der ägyptische Pianist Ahmed Abouzahra auftreten, der mit seiner ungarischen Frau seit Jahren in Deutschland lebt. "Persönliche Verletzungen und Beziehungen zwischen Nationen sind zwei unterschiedliche Ebenen", erklärte Hosni nach Angaben von Almasry Alyoum seinen Meinungsumschwung - von dem die Dresdner bislang offiziell nichts wissen.

Zuvor hatte der Bruder der Getöteten, Tarik el-Sherbini, der FR erklärt, seine Familie lehne das Konzert ab und habe einen entsprechenden Brief an den Kultusminister und den Außenminister geschrieben. Niemand von Seiten der Veranstalter habe die Familie gefragt oder informiert, kritisierte er. Musik sei zwar die Sprache aller Nationen, "aber es ist nicht das richtige Signal, ein solches Konzert zu veranstalten, während gleichzeitig der Prozess gegen den Täter läuft".

Der Konflikt um die Staatskapelle zeigt die nervöse Anspannung, mit der die ägyptische Öffentlichkeit das Strafverfahren verfolgt. Egal ob auf Facebook, bei Freitagspredigten oder in Pressekommentaren, überall wird der Mordfall aufmerksam verfolgt. Im Juli bei der Beerdigung der "Märtyrerin des Kopftuches", wie sie in der arabischen Welt genannt wird, war es vereinzelt zu antideutschen Rufen gekommen. Einen Tag danach versammelten sich Demonstranten auch vor der deutschen Botschaft in Kairo. In der ägyptischen Öffentlichkeit wird der gewaltsame Tod von Marwa el-Sherbini denn auch in erster Linie als ein Indiz für wachsende Islamfeindlichkeit in Deutschland wahrgenommen.
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Dokument erstellt am 26.10.2009 um 18:22:02 Uhr
Letzte Änderung am 26.10.2009 um 19:20:23 Uhr
Erscheinungsdatum 26.10.2009 | Ausgabe: d
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