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18. März 2010
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Ärztin weist Jungen ab

Cihad mit Zahnspange

Von Hans-Hermann Kotte

Der Berliner Antisemitismusforscher Wolfgang Benz hat sich "zutiefst erschreckt" über den Fall einer Ärztin aus Baden-Württemberg gezeigt, die einen Jugendlichen nicht behandelt hatte, weil er mit Vornamen Cihad heißt. "Das ist ein Beweis dafür, dass die Hetze gegen Muslime in unserem Lande Früchte trägt", sagte Benz am Freitag der Frankfurter Rundschau.

Das sei "mehr als theoretische sogenannte Islam-Kritik, die sich irgendwo in den Zeitungsfeuilletons abspielt", so Benz. "Das ist eine praktische Wirkung, da wird einem Menschen, der einen bestimmten Namen hat, von dem man auf seine kulturelle Zugehörigkeit schließt, die ärztliche Behandlung verweigert. Ich bin entsetzt."

Die Ärztin, eine Kieferorthopädin aus Donaueschingen, hatte laut einem Bericht des Schwarzwälder Boten einem 16-Jährigen mit Zahnspange die Behandlung verweigert, weil sein Name "Heiliger Krieg" bedeute - dies empfinde sie als Kriegserklärung an alle Nicht-Islamisten. Später bedauerte sie die Ablehnung des jungen Patienten. Dessen Eltern reagierten schockiert und wiesen darauf hin, dass sie den Namen ausgewählt hätten, weil er ihnen gefalle, nicht aus islamistischen Motiven.

Islamwissenschaftlern zufolge bedeutet der Name Cihad (arabisch: Dschihad) "Bemühen um die Religion" oder auch "Bemühen um das Gute". Allerdings nehmen vielfach religiöse Fanatiker und Islamisten den Begriff, der häufig mit "Heiliger Krieg" übersetzt wird, für sich in Anspruch. Die Landesärztekammer hatte laut dem Bericht des Schwarzwälder Boten erklärt, rein rechtlich sei kein Arzt dazu verpflichtet, einen Patienten zu behandeln, außer es handele sich um einen Notfall. Dass der Vorname Grund für eine Ablehnung sei, sei allerdings "außergewöhnlich".

Wolfgang Benz, Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, hatte jüngst mit dem Tagungsthema "Feindbild Muslim – Feindbild Jude" und seinen Warnungen vor "Islamophobie" eine Kontroverse ausgelöst. Kritiker warfen ihm vor, den Holocaust zu verharmlosen und zu trivialisieren. Solche Vorwürfe bezeichnete Benz jetzt in der FR als "Rufmordkampagne gegen mich".

Durch das nun bekannt gewordene "traurige Ereignis" in Baden-Württemberg fühle er sich "voll bestätigt in meinen Befürchtungen und Warnungen". Es werde zum Teil mit den gleichen Mitteln, mit denen einst gegen Juden gehetzt wurde, Stimmungsmache gegen Muslime gemacht. "Antisemitismus muss man als Paradigma benutzen dürfen, um die gesellschaftliche Wirkung von Vorurteilen beurteilen zu können."

Zu den Debatten um Minarette in der Schweiz und die Burka in Frankreich sagte Benz: "Das sind symbolische Kriege gegen Menschen einer bestimmten kulturellen und religiösen Zugehörigkeit. Da soll eine Gruppe von Menschen ausgegrenzt werden." (mit dpa)
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Dokument erstellt am 05.02.2010 um 12:34:57 Uhr
Letzte Änderung am 05.02.2010 um 13:23:02 Uhr
Erscheinungsdatum 05.02.2010
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