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19. März 2010
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Streit um die Jobcenter

Hubertus Heil warnt vor Chaos

Der SPD-Arbeitsmarktexperte Hubertus Heil fordert im FR-Interview, Langzeitarbeitslose weiter aus einer Hand zu betreuen. Im Streit über die Jobcenter bietet die SPD der Union Zugeständnisse an.
Herr Heil, es ist Februar, und die Regierung streitet über Job-Center. Haben Sie ein Déjà-vu-Erlebnis?

Ein bisschen schon. Vor einem Jahr gab es unter der großen Koalition eine Einigung mit allen 16 Bundesländern über die Zukunft der Job-Center. Das hat der damalige Arbeitsminister Olaf Scholz zustande gebracht. Aber die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat das sabotiert. Die Situation ist nun ähnlich, und wie damals hat Frau Merkel nicht die Kraft, in den eigenen Reihen durchzusetzen, was richtig ist.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen will die weitere Zusammenarbeit zwischen Arbeitsagenturen und Kommunen auf freiwilliger Basis per Gesetz ermöglichen. Weshalb genügt das nach Auffassung der Sozialdemokraten nicht?

Zur Person
Hubertus Heil ist stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin und für die Bereiche Wirtschaft/Arbeit zuständig.

Im FR-Interview bietet er der CDU an, über eine Grundgesetzänderung zu verhandeln, mit der die Zusammenarbeit von Bundesagentur und Kommunen in den Jobcentern weiter ermöglicht wird. Die SPD sei grundsätzlich für den Erhalt der Jobcenter. (FR)
In der Praxis würde das zu einer Zerschlagung der Job-Center führen. Das hieße: Langzeitarbeitslose würden nicht mehr aus einer Hand betreut. Es gäbe getrennte Aufgabenwahrnehmung, doppelte Bürokratie und doppelte Bescheide. Deswegen lehnen wir diesen Weg ab und schlagen vor, mit einer Verfassungsänderung die Hilfe und Vermittlung für Arbeitslose weiter aus einer Hand ermöglicht.

Also steht die SPD an der Seite des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch?

Die SPD steht an der Seite der Vernunft, und die besagt, dass wir eine Grundgesetzänderung brauchen. Wir hätten schon seit einem Jahr Rechtssicherheit haben können. Was Frau von der Leyen seit Monaten versucht hat, führt in eine Sackgasse - verfassungsrechtlich, lebenspraktisch und politisch, weil es dafür keine Mehrheit im Bundesrat gibt.

Würde die SPD eine Grundgesetzänderung in jedem Fall mittragen?

Wir haben bereits im Dezember im Bundestag und im Bundesrat unsere Vorschläge als Gesetzesentwürfe eingebracht. Auf deren Basis können wir unverzüglich zu einer Lösung kommen. Wir betreiben konstruktive Oppositionspolitik und sind zur Zusammenarbeit bereit.

Aber Koch möchte mit der Grundgesetzänderung auch die Zahl der Optionskommunen ausweiten, wo sich Städte oder Kreise in eigener Regie um die Langzeitarbeitslosen kümmern. Sind Sie zu Zugeständnissen bereit?

Wir müssen ein Paket durchsetzen. Erstens muss ermöglicht werden, dass die Jobcenter, in denen die überwiegende Zahl der Kommunen mit der Arbeitsagentur zusammenarbeitet, erhalten bleiben. Zweitens sind wir bereit, dafür zu sorgen, dass die existierenden 69 Optionskommunen weiter arbeiten können. Auch das wäre gefährdet, wenn sich Frau von der Leyen durchsetzen würde, weil die von ihr geplante einfache Entfristung rechtlich nicht trägt. Drittens sind wir bereit, über eine moderate Anhebung der Zahl der Optionskommunen zu verhandeln. Dabei denke ich zum Beispiel an Ostdeutschland, wo durch Kreisgebietsreformen die Grenzen der Arbeitsgemeinschaften und der Optionskommunen einfach nicht mehr stimmen.

Was verstehen Sie unter einer "moderaten" Ausweitung?

Es macht keinen Sinn, über Zahlen zu spekulieren. Dafür müsste man sich erst einmal an einen Tisch setzen und vor allem müsste Frau Merkel sagen, was die Position der Union ist. Grundsätzlich glaube ich, dass man zu einer Einigung kommen kann, wenn es alle nicht überziehen.

Wie viel Zeit bleibt der Regierung?

Es ist schon viel zu viel Zeit verplempert worden. Das Bundesverfassungsgericht hat eine Frist bis zum Jahresende gesetzt. Aber auch im Interesse der Langzeitarbeitslosen und der Menschen, die in der Arbeitsvermittlung tätig sind, müssen wir sehr zügig zu einer Lösung kommen. Die Verunsicherung ist schon jetzt ein Problem. Wenn man nicht handelt, wird am 1. Januar 2011 das Chaos ausbrechen. In Zeiten steigender Langzeitarbeitslosigkeit wäre das absolut unverantwortlich.

Interview: Karl Doemens
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Copyright © FR-online.de 2010
Dokument erstellt am 07.02.2010 um 17:53:05 Uhr
Letzte Änderung am 08.02.2010 um 14:33:37 Uhr
Erscheinungsdatum 08.02.2010 | Ausgabe: d
Kommentare
1. Herr Heil, stehen Sie endlich zu dem Totalschaden, den Ihre SPD im Land angerichtet hat!
Heil tut so, als wäre es seiner Täter-SPD damals nur darum gegangen, Langzeitarbeitslose aus einer Hand betreuen zu lassen. Doch arbeitslose Menschen sind und bleiben arbeitslos, egal von wieviel Ämtern oder Agenturen sie betreut werden. Heil lenkt vom Versagen und dem Schaden ab, der durch die Hartz-Reformen vor allem durch die Mästung des Niedriglohn- und Prekärsektors entstanden ist.

Der Zumutbarkeitszwang hat die Marktmacht aller Arbeitnehmer geschwächt, so daß die Löhne auf breiter Front stagnieren oder real sinken. Nur wenige trauen sich noch, angemessen Lohn zu fordern. Man hat ja keine Möglichkeit, auf Augenhöhe zu verhandeln. Kaufkraft geht verloren, die Sozialkassen trocknen aus.

An dieser Entwicklung sind SPD/Grüne schuld. Sie sind Täter und Union und FDP haben angestiftet.



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2. Verteidigen einer schlechten Reform
Herr Heil hat nicht einen Tag im Leben selber gearbeitet.
Aber er weiss wie man am Rockzipfel der Macht hängen bleibt.
Das vernünftigste ist keine Grundgesetzänderung.
Stattdessen übernimmt der Bund die Unterkunftskosten zu 100%.
Die Kommunen betreuen die nicht arbeitsfähigen ALG2-Empfänger.
Und kommen für die Kosten auf.
Einschließlich der Mehrbedarfe krankheitsbedingt.
Herr Heil kümmert sich dann um die Arbeitsmarktgesetze, die Finanzpolitik, die Geldpolitik, die Strukturpolitik, usw.
Schließlich war Herr Heil die letzten 8 Jahre im Bundestag, und trägt eine grosse Mitschuld an der derzeitigen Armut.



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3. Chaos?
Die Situation wäre eine andere, hätte die damalige Bundesregierung einen "nachhaltigen" Gesetzesentwurf abgeliefert. Wer ist dafür verantwortlich? Waren dort nicht Juristen und Ministerialbeamte beteiligt , die von der "Waghalsigkeit" der Organisationsstrukturen hätten wissen müssen?
Ich nehme weder Herrn Heil noch Herrn Koch ab, daß sie die Interessen der Langzeitarbeitslosen oder des Personals vertreten. Das ist reinste "Sprücheklopperei. Mich wundert nur, wie Herr Koch es immer wieder schafft, von seinen Schwierigkeiten abzulenken und sein eigenes Süppchen zur "Ursuppe" hochkochen lassen kann. Und eine Frage an Herrn Heil: welches Chaos würde denn tatsächlich entstehen?



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