Herr Pfeiffer, Umweltminister Röttgen legt der Union nahe, ihre Akzeptanz in der Bevölkerung "nicht an den störungsfreien Betrieb von Kernkraftwerken zu knüpfen". Sollte die CDU diesen Rat nicht beherzigen?
Union und FDP bereiten erstmals seit 18 Jahren ein ernergiepolitisches Gesamtkonzept vor. Das Ziel ist: Der Hauptanteil der Versorgung soll langfristig aus erneuerbaren Energien kommen. Auf dem Weg dahin benötigt man jedoch die Kernkraft als ein wesentliches Element: weil sie versorgungssicher, CO2-frei und preiswert ist. Rot-Grün hat willkürlich die AKW-Laufzeiten verkürzt. Diesen Beschluss hat die Union zehn Jahre lang kritisiert, und wir werden ihn jetzt korrigieren.
Wie lange sollte denn die Brückentechnologie Kernkraft genutzt werden?
Zur Person
Joachim Pfeiffer (CDU) ist seit November 2009 wirtschaftspolititsicher Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion.
Der 42-Jährige wirbt für AKW-Laufzeiten von 60 Jahren; dies sei international üblich. Da der EU-Energiemarkt grenzenlos sei, werde die Kernkraft auch in hundert Jahren eine Rolle spielen.
Der 42-Jährige wirbt für AKW-Laufzeiten von 60 Jahren; dies sei international üblich. Da der EU-Energiemarkt grenzenlos sei, werde die Kernkraft auch in hundert Jahren eine Rolle spielen.
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In Deutschland liegen die Laufzeiten bei 32 Jahren. Ich empfehle, sich an der international üblichen Betriebsdauer von 60 Jahren zu orientieren.
Braucht man denn überhaupt die AKW-Laufzeitverlängerung über das Jahr 2022 hinaus - falls bis dahin die erneuerbaren Energien auf einen Anteil von 40 Prozent an der Stromerzeugung kommen sollten?
Selbstverständlich. Hier gibt es wirklich einen Dissens mit dem Bundesumweltminister. Brückentechnologie bedeutet nicht nur, dass wir die Kernkraft durch die Erneuerbaren ersetzen. Man muss den gesamten Energiemix im Auge haben.
Einigen Meilern wie Neckarwestheim I oder Biblis droht laut Atomgesetz bereits im Frühjahr das Aus. Kann man mit einem Verlängerungsbeschluss bis Oktober warten, wenn die Regierung ihr energiepolitisches Gesamtkonzept fertig haben will?
Das sind parallel zu behandelnde Fragen: Das Konzept ist der Überbau. In dieses Konzept muss der Aspekt Laufzeitverlängerung ebenso integriert werden wie etwa die Fragen andere Energieträger, Energieeffizienz oder die CO2-Abscheidung (CCS).
Was heißt das konkret für so genannte Risikomeiler?
Es ergibt für mich keinen Sinn, jetzt Kernkraftwerke vom Netz zu nehmen, die wir demnächst - mit einem neuen Energiekonzept - vielleicht wieder brauchen werden. Schon jetzt lässt es das Atomgesetz zu, Reststrommengen von neuen auf ältere AKW zu übertragen.
Und die Sicherheit?
Die ist bei allen deutschen Kernkraftwerken dieselbe. Es gibt bei uns keine AKW mit geringeren Standards.
Und was ist mit dem Pannenreaktor Krümmel?
Dort gab es nicht einmal eine Störung; und die Probleme, die es gab, traten im nicht-nuklearen Teil auf.
Kann die Politik der Wirtschaft Vorgaben machen, welchen Anteil aus den zu erwartenden Erlösen einer AKW-Laufzeitverlängerung die Konzerne - salopp gesagt - herausrücken sollen?
Das ist eine der Fragen, über die man verhandeln muss. Was nicht sein kann, ist, dass der absehbare Erlös allein den Großen Vier zugute kommt. Auch das Thema Entsorgung wird hier eine Rolle spielen.
Ihr Parteifreund Michael Fuchs hat Windräder als "Vogelschredderanlagen" bezeichnet. Bringt er damit die Haltung der Union zu den erneuerbaren Energien auf den Punkt?
Mit Sicherheit nicht! Die Erneuerbaren stehen bei uns ganz oben auf der Agenda. Wir leben aber im europäischen Binnenmarkt, und ich wage die Prognose, dass die Kernenergie im deutschen Verbrauchsmix mit Sicherheit auch die nächsten hundert Jahre eine Rolle spielen wird.
Interview: Michael Bergius



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