Bittere Klagen, zornige Kommentare und offene Spaltungs-Drohungen überschatteten am Dienstag in York den Abschluss der Generalsynode der Staatskirche von England, die am Vorabend in einer vielbeachteten Entscheidung den Weg zur Amtseinsetzung weiblicher Bischöfe freigegeben hatte.
Empörte Traditionalisten der Anglikanischen Kirche, die keine Frauen als Bischöfe akzeptieren können, berieten intensiv über einen Ausstieg aus der heimischen Religionsgemeinschaft. Für die Gegner voller Gleichberechtigung in der Kirche war es besonders unerträglich, dass das progressive Kirchenlager ihnen beim Reformbeschluss keinerlei Kompromiss zugestand.
So hatten die Traditionalisten gefordert, dass in Diözösen, in denen Bischöfinnen eingesetzt würden, ihnen zumindest die Möglichkeit bliebe, sich männlichen Bischöfen - sogenannten "Superbischöfen" - zu unterstellen. Diese Forderung wurde von den Reformern jedoch abgelehnt, obwohl selbst die obersten Kirchenfürsten, die Erzbischöfe von Canterbury und York, sie unterstützt hatten. Stattdessen soll nun lediglich ein "Verhaltenskodex" ausgearbeitet werden, der es den Traditionalisten erleichtern soll, sich mit der Ernennung weiblicher Bischöfe auszusöhnen.
Die Anglikaner, die eine Zwischenstellung zwischen der römisch-katholischen Kirche und protestantischen Bekenntnissen einnehmen, haben sich seit langem schwer getan mit der Frage der Öffnung der Kirchenhierarchie für das "andere Geschlecht". Anglikanische Priesterinnen gibt es erst seit 1994, und auch um die umstrittene Weihe von Bischöfinnen ist jahrelang verbissen gerungen worden.
Auf der Synode dieser Woche indes, der jährlichen gesetzgebenden Versammlung der Kirche, stimmten mehr als zwei Dittel der Teilnehmer für die Reform. Dies war ein klarer Durchbruch für die Reformbefürworter - auch wenn mit der ersten Bischofsweihe einer Frau nicht vor 2015 gerechnet wird.
In Erwartung eines Ja zur Reform hatten die Reformgegner unter Traditionalisten, Evangelikalen und Anglo-Katholiken alles daran gesetzt, sich juristisch verbriefte Alternativ-Arrangements zu verschaffen. Aber weder die Idee der "Superbischöfe" noch andere Kompromiss-Vorschäge fanden aber die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit der Synode.
Ein solcher Kompromiss würde nur zu einem System "institutionalisierter Diskriminierung" von Frauen im Priesteramt führen, argumentierten die Fürsprecher einer "unzweideutigen Lösung".
Die Reformgegner zeigten sich nach dieser Entscheidung tief enttäuscht und warnten vor "ernsten Konseqenzen". Er "schäme sich" für seine Kirche, die Andersdenkende ausgrenze, statt sie einzubinden, klagte beispielsweise Stephen Venner, der Bischof von Dover. Der Bischof von Winchester, Michael Scott-Joynt, beschuldigte seine Glaubensgenossen, "kurzsichtig und kleingeistig" gehandelt zu haben. Dies werde weiter nur dazu beitragen, "dass viele hier von Abmarsch sprechen". Hunderte anglikanischer Geistlicher haben mittlerweile angedroht, sich über dieser Streitfrage von ihrer Kirche, der englischen Staatskirche, zu lösen.
Mit tiefem Bedauern reagierten am Dienstag auch die höchsten Kirchenführer, der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams und sein Amtskollege aus dem Bistum York, Erzbischof John Sentamu, auf den Ausgang des Synodaltreffens. Williams, der auch dem internationalen Verband anglikanischer Kirchen vorsteht, und der verzweifelt seine Schäflein zusammen zu halten sucht, sieht wegen eines leidenschaftlichen Streits um Kirche und Homosexualität bereits die globale Einheit der Anglikaner gefährdet.
Auf einem Rebellen-Treffen in Jerusalem hatten die Tradionalisten im Vormonat schon die mögliche Basis für einen Konkurrenzverband gelegt. Nächste Woche, auf der sogenannten Lambeth-Konferenz der anglikanischen Kirchen, die nur alle zehn Jahre einmal stattfindet, droht dieser Streit zu einem echten Zerwürfnis zu führen.


Bookmark
Verlinken














