Hannover. Auch im Salzstock Gorleben gibt es sogenannte Laugenzutritte. Nach dem Desaster im absaufenden Atommülllager Asse fordert der Umweltausschuss des niedersächsischen Landtags genaue Auskunft über Flüssigkeiten in dem Erkundungsbergwerk Gorleben. Es gilt als mögliches Endlager für hochradioaktive AKW-Abfälle. Das Umweltministerium betonte, die Zuflüsse seien nicht mit denen in der Asse vergleichbar. In Gorleben dringe das Wasser anders als in der Asse nicht von außen ein, es handele sich um Jahrmillionen alte (fossile) Laugen.
Den Umweltausschuss-Vorsitzenden Stefan Wenzel (Grüne) beruhigt das nicht. Ihn empört, dass mindestens 160 000 Liter Lauge zugeflossen seien, obwohl das Bergwerk stets als trocken bezeichnet wurde. "Bei der Asse wurde auch jahrelang verharmlost, jetzt stürzt das Bergwerk ein." Die wasserführenden Gesteinsschichten in Gorleben reichten bis 50 Meter an die Erkundungsstollen heran.
Wenzel sagte, selbst wenn es sich bloß um fossile Lauge handele, müsse man klären, wie die Flüssigkeit auf das Salzgestein wirke. Einige Salzarten dehnten sich unter Feuchtigkeit bis zu 50 Prozent aus, andere wiederum lösten sich schnell auf. Dies berge das Risiko von Abbrüchen und Rissen.
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als Gorleben-Betreiber und das Landesumweltministerium bestätigten der FR, dass Salzlösungen im Bergwerk auftauchen. Diese seien nicht von außen eingedrungen. Schon in einer BfS-Broschüre von 2005 hieß es, in der 840 Meter tiefen Sohle seien an mehreren Stellen Laugen aufgetreten, in einem Fall mehr als 100 000 Liter. Vor den Erfahrungen mit der Asse erregte die Mitteilung aber wenig Aufsehen. Ein Geologe des Ministeriums bestätigte nun, die fossilen Laugen seien in Jahrmillionen in Einschlüssen nach oben gewandert. Bei Erkundungs-Bohrungen sei man auf solche Blasen getroffen, die Wässer seien dort dann ausgetreten.
Die Erkundung, ob Gorleben als Endlager geeignet ist, war 2000 in Zusammenhang mit dem Atomkonsens gestoppt worden. Seither habe es keine nennenswerten Laugenzutritte mehr gegeben, sagte der BfS-Sprecher. Weitere Vorkommen seien aber nicht auszuschließen. Alle Zuflüsse seien über Tage entsorgt worden, um zu verhindern, "dass das Bergwerk feucht wird". Die bisher aufgetretenen Mengen seien nur ein winziger Bruchteil der Asse-Zuflüsse, wo täglich 12 000 Liter eindringen.


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