Wasser in einem Atom-Endlager? "Das muss der Betreiber vermeiden wie der Teufel das Weihwasser" - so kommentierte der Atomexperte Gerhard Schmidt vom Öko-Institut Darmstadt die jüngste Nachricht, wonach auch im Salzstock Gorleben erheblichen Mengen einer Salzlauge gefunden wurden. "Hier vorsichtig zu sein, ist wichtig", sagte er der FR. Wasser erhöhe die Korrosion von Atomfässern und gefährde die Lager-Standfestigkeit.
Der Ingenieur hielt jedoch fest: Die Situation in Gorleben sei kaum mit der im umstrittenen Bergwerk Asse zu vergleichen, in das seit 1988 aus dem Deckgebirge Wasser hereinläuft. Aus dem Vorkommen der Flüssigkeit könne nicht automatisch geschlossen werden, dass der Salzstock Gorleben ungeeignet sei, sagte er. Dies müsse weiter untersucht werden.
Bei der aktuellen Debatte geht es um mindestens 160 000 Liter gesättigte Salzlauge, die in den 90er Jahren bei Erkundungsarbeiten in 840 Metern Tiefe aus dem Salzgestein austraten. Laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) handelt es sich um "Formationswässer", die seit über 250 Millionen Jahren in dem Salzstock eingekapselt waren - Reste des "Zechstein-Meeres", das sich vor 299 bis 251 Millionen Jahren über weite Bereiche Europas erstreckte.
Die Lauge-Blasen, die in Salzstöcken vorkommen, stehen unter Druck. Werden sie, etwa durch Probebohrungen, geöffnet, tritt das "fossile Wasser" aus. So geschah es auch bei den Untersuchungen in Gorleben. Die Flüssigkeiten wurden laut BfS aufgefangen, über Tag gebracht und entsorgt.
Auch in der Asse gibt es "fossiles" Wasser. Das Ex-Kalibergwerk bei Wolfenbüttel, in dem 126 000 Atommüll-Fässer lagern, ist jedoch nicht wegen dieser Vorkommen ins Gerede gekommen. Die Aufregung entstand, weil seit 1988 jeden Tag zehn Kubikmeter Wasser pro Tag von oben in das Bergwerk eindringen. Geschehen konnte das, weil die Asse "löcherig wie ein Schweizer Käse" (SPD-Umweltminister Gabriel) ist. Der Kali-Abbau war bis auf wenige Meter an das Deckgestein betrieben. So kann das Wasser leicht zutreten.
Risiko Gorleben-Rinne
Der Gorleben-Salzstock war demgegenüber noch unberührt, bevor seine geologische Erkundung 1979 begann. Fachleute sagen dazu "unverritzt". Für die Atomeinlagerung müssten grundsätzlich solche Zonen im Salzstock gewählt werden, in denen keine Lauge vorhanden sei, erläutert Experte Schmidt. Zudem sei ein wasserfreier "Sicherheitsabstand" zu den Einlagerungskammern von 100 Metern nötig. Dies könne man durch Radar- oder Ultraschall-Messungen nachweisen, ohne das Gestein anbohren zu müssen. Derzeit könne über die Gorleben-Eignung noch kein Urteil gefällt werden, sagte Schmidt.
Als "wunden" Punkt für einen Wasserzutritt bezeichnen Atomlager-Gegner die "Gorleben-Rinne" - eine Verschiebung im Deckgebirge des Salzstocks, entstanden in der Eiszeit vor 15 000 Jahren. Befürworter räumen ein, hier sei am ehesten denkbar, dass Wasser eintrete. Das sei aber "in 200 Millionen Jahren nicht passiert". In Gorleben ruhen die Erkundungen seit Oktober 2000. 2010 könnten sie wieder aufgenommen werden.


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