In Sibirien ist offenbar auch deutsches Nuklearmaterial entsorgt worden. Große Mengen Reststoffe aus der hiesigen Produktion von AKW-Brennelementen lagern in einem Atomzentrum in Sewersk, früher Tomsk-7 genannt, das rund 200 Kilometer nördlich von Nowosibirsk liegt. Das Material stammt von dem Unternehmen Urenco, das im nordrhein-westfälischen Gronau eine Fabrik zur Uran-Anreicherung betreibt. Der jüngste, allerdings auch letzte Transport dieser Art aus Gronau nach Sibirien fand am 26. August 2008 statt.
Bei den Reststoffen handelt es sich um 27.300 Tonnen so genanntes abgereichertes Uran-Hexafluorid, das radioaktiv und sehr giftig ist. Urenco bestätigte der FR, dass die Exporte 1996 einsetzten, bezeichnete das Material aber als "Wertstoff", der in Russland weiter verarbeitet werde. Russische Umweltschützer kritisieren, dass ein Großteil des Rest-Urans in Fässern unter freiem Himmel lagere (siehe Interview).
Debatte
Was sagen Sie dazu? Diskutieren Sie mit - schreiben Sie Ihre Meinung gleich hier unter den Artikel.
Laut Urenco kamen "zehn bis 15 Prozent" des nach Russland exportierten Urans wieder in Form von Brennstoff zurück. Die restlichen 85 bis 90 Prozent seien nun Eigentum des russischen Urenco-Vertragspartner "Tenex". Dies sei in der Branche so üblich, sagte die Sprecherin der FR. Auch das extrem abgereicherte Uran sei kein Atommüll, sondern Wertstoff, der möglicherweise in der Zukunft genutzt werden könne: "Das ist eine Frage des Uranpreises." Das Material werde in Sewersk in "dickwandigen Stahlfässern" gelagert. Die Verantwortung dafür liege alleine bei Tenex. Russische Umweltgruppen hatten über "Atommüll" aus Frankreich und Deutschland "in rostigen Fässern" berichtet, der sich unter freiem Himmel auf einem Lagerplatz in Sewersk befinde. Von rostigen Fässer sei ihr nichts bekannt, sagte die Urenco-Sprecherin. Die offene Lagerung sei grundsätzlich kein Problem.
Sewersk
Die Stadt Sewersk, nahe der sibirischen Oblast-Hauptstadt Tomsk gelegen, existiert seit 1949. Hier wurde unter anderem Plutonium für Atomwaffen produziert.
Die Existenz der "geheimen Stadt", die zuerst nur als "Postfach Nr. 5" firmierte, dann auch Berjoski oder Tomsk-7 hieß, wurde erst 1989 bekannt gegeben. 1993 geschah hier ein schwerer Nuklearunfall. Sewersk gilt heute als "geschlossene Stadt", Zugang ist nur mit Passierschein möglich. (jw)
Fotostrecke:
Die Gorleben-Story
Die Existenz der "geheimen Stadt", die zuerst nur als "Postfach Nr. 5" firmierte, dann auch Berjoski oder Tomsk-7 hieß, wurde erst 1989 bekannt gegeben. 1993 geschah hier ein schwerer Nuklearunfall. Sewersk gilt heute als "geschlossene Stadt", Zugang ist nur mit Passierschein möglich. (jw)
Fotostrecke:
Die Gorleben-Story
Bis zu 150.000 Kubikmeter hätten dann noch zusätzlich in einem Endlager untergebracht werden müssen, schätzt der ESK-Vorsitzende. Zum Vergleich: Schacht Konrad, der mittel- und schwach radioaktives Müll aufnehmen soll, ist für 300.000 Kubikmeter ausgelegt.
Urenco lässt die Uran-Reststoffe künftig in Frankreich bearbeiten. Sie werden dort in die Verbindung Uranoxid umgewandelt, die Urenco zufolge auch langfristig "problemlos gelagert werden kann". Das wiederum soll in einer Halle auf dem Urenco-Gelände in Gronau geschehen.
Größere Kartenansicht


Artikel kommentieren
Bookmark
Verlinken














