stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
Politik
09. Februar 2010
Anzeigenmarkt | Zeitungsanzeige aufgeben | Abo-Angebote

In- & Ausland
Frankfurt & Hessen
Marktplatz
Verlagsservice
ANZEIGE
Die FR auch bei
Politik

Deutscher Atommüll im Ausland

Strahlendes Sibirien

Von Joachim Wille

In Sibirien ist offenbar auch deutsches Nuklearmaterial entsorgt worden. Große Mengen Reststoffe aus der hiesigen Produktion von AKW-Brennelementen lagern in einem Atomzentrum in Sewersk, früher Tomsk-7 genannt, das rund 200 Kilometer nördlich von Nowosibirsk liegt. Das Material stammt von dem Unternehmen Urenco, das im nordrhein-westfälischen Gronau eine Fabrik zur Uran-Anreicherung betreibt. Der jüngste, allerdings auch letzte Transport dieser Art aus Gronau nach Sibirien fand am 26. August 2008 statt.

Bei den Reststoffen handelt es sich um 27.300 Tonnen so genanntes abgereichertes Uran-Hexafluorid, das radioaktiv und sehr giftig ist. Urenco bestätigte der FR, dass die Exporte 1996 einsetzten, bezeichnete das Material aber als "Wertstoff", der in Russland weiter verarbeitet werde. Russische Umweltschützer kritisieren, dass ein Großteil des Rest-Urans in Fässern unter freiem Himmel lagere (siehe Interview).

Debatte
Was sagen Sie dazu? Diskutieren Sie mit - schreiben Sie Ihre Meinung gleich hier unter den Artikel.

Wirtschaftsdebatten
Der Hintergrund: Bei der Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke muss Natururan, das nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbarem Uran 235 besteht, auf drei bis fünf Prozent "angereichert" werden. Je Tonne Brennstoff fallen dabei aber vier bis fünf Tonnen "abgereichertes" Material an, das nur noch halb so viel Uran 235 enthält wie Natururan. Auch daraus lässt sich noch Brennstoff herstellen, wofür allerdings sehr viel Energie verbraucht wird.

Laut Urenco kamen "zehn bis 15 Prozent" des nach Russland exportierten Urans wieder in Form von Brennstoff zurück. Die restlichen 85 bis 90 Prozent seien nun Eigentum des russischen Urenco-Vertragspartner "Tenex". Dies sei in der Branche so üblich, sagte die Sprecherin der FR. Auch das extrem abgereicherte Uran sei kein Atommüll, sondern Wertstoff, der möglicherweise in der Zukunft genutzt werden könne: "Das ist eine Frage des Uranpreises." Das Material werde in Sewersk in "dickwandigen Stahlfässern" gelagert. Die Verantwortung dafür liege alleine bei Tenex. Russische Umweltgruppen hatten über "Atommüll" aus Frankreich und Deutschland "in rostigen Fässern" berichtet, der sich unter freiem Himmel auf einem Lagerplatz in Sewersk befinde. Von rostigen Fässer sei ihr nichts bekannt, sagte die Urenco-Sprecherin. Die offene Lagerung sei grundsätzlich kein Problem.

Sewersk
Die Stadt Sewersk, nahe der sibirischen Oblast-Hauptstadt Tomsk gelegen, existiert seit 1949. Hier wurde unter anderem Plutonium für Atomwaffen produziert.

Die Existenz der "geheimen Stadt", die zuerst nur als "Postfach Nr. 5" firmierte, dann auch Berjoski oder Tomsk-7 hieß, wurde erst 1989 bekannt gegeben. 1993 geschah hier ein schwerer Nuklearunfall. Sewersk gilt heute als "geschlossene Stadt", Zugang ist nur mit Passierschein möglich. (jw)
Fotostrecke Fotostrecke: Die Gorleben-Story
Der Vorsitzende des Entsorgungskommission (ESK) des Bundes, Michael Sailer, sagte der FR, es gebe derzeit "keine sinnvolle technische Verwendung" für die inzwischen angehäuften großen Mengen des stark abgereicherten Materials. Wäre es als Atommüll eingestuft worden, "hätte man in Deutschland große Probleme mit den Mengen an Nuklearabfall bekommen", meinte der Experte vom Öko-Institut Darmstadt.

Bis zu 150.000 Kubikmeter hätten dann noch zusätzlich in einem Endlager untergebracht werden müssen, schätzt der ESK-Vorsitzende. Zum Vergleich: Schacht Konrad, der mittel- und schwach radioaktives Müll aufnehmen soll, ist für 300.000 Kubikmeter ausgelegt.

Urenco lässt die Uran-Reststoffe künftig in Frankreich bearbeiten. Sie werden dort in die Verbindung Uranoxid umgewandelt, die Urenco zufolge auch langfristig "problemlos gelagert werden kann". Das wiederum soll in einer Halle auf dem Urenco-Gelände in Gronau geschehen.



Größere Kartenansicht
Lesen Sie auch


Pfeil-SymbolArtikel kommentieren (3 Kommentare)



Empfehlen via:    Twitter    Facebook    StudiVZ    MySpace
[ document info ]
Copyright © FR-online.de 2010
Dokument erstellt am 14.10.2009 um 17:43:04 Uhr
Letzte Änderung am 15.10.2009 um 13:59:03 Uhr
Erscheinungsdatum 14.10.2009 | Ausgabe: d
Kommentare
1. Krank
Jeder, der noch an Atomenergie glaubt ist blind und krank.
Wer am Dienstagabend die Doku auf ARTE gesehen hat ("Alptraum Atommüll"), weiß was ich meine. Keiner will das Zeug wirklich in seinem Vorgarten haben. Verständlich!
Die Gesellschaft sollte sich endlich besinnen, aber so lange kriminelle am Werke sind, in Wirtschaft und Politik, kann es nicht besser werden.
Mir wurde, ehrlich gesagt, kotzübel vor Hilflosigkeit.



Pfeil-SymbolVerstoß melden

2. Die saubere Energie
Es ist immer das gleiche Spiel. Um Gesetzen zu entgehen, wird aus einem gefährlichen Stoff ein ungefährlicher gemacht. So wird aus Atommüll ein Wertstoff, der im fernen Sibirien unter freiem Himmel in rostigen Fässern auf seine Verarbeitung wartet. Alles ganz sauber, ist doch eine offene Lagerung kein Problem. Rostige Fässer sind den Verantwortlichen nicht bekannt. Eignungsprüfungen der Abnehmer sind wohl nicht üblich. Vor einigen Monaten machte die Atomlobby Werbung: "32 ist doch kein Alter", um Atomkraftwerke abzuschalten. 32 Jahre reichen nicht für sicher Endlagerung, sichere Wiederaufbereitung, sichere Verwertung der "Wertstoffe", sichere AKW und für Verantwortungsbewußtsein der Atomindustrie. Weiter 32 Jahre werden auch nicht reichen. Die Profite sind zu hoch und die Politik zu hörig.



Pfeil-SymbolVerstoß melden

3. Uranhexaflourit
Aus Uran wird das Gas Uranhexaflourit gemacht und das wird in Zentrifugen geschleudert und und man entnimmt den Zentrifugen dann das leichtere Gas innen welches wesentlich mehr Uran 235 enthält. Es bleibt Uranhexaflourit übrig das sehr wenig Uran 235 enthält. Natürlich ist immer noch Uran 235 darin enthalten und somit ist der Stoff radioaktiv. Von Atommüll zu sprechen ist unfug. Atommüll ist der Schit der in den Brennelementen drin ist nach Gebrauch. Natururan hat so wenig Uran 235 dass man es gefahrlos in die Hand nehmen kann. Das übrig bleibende Uranhexaflourit mit wenig Uran 235 ist also noch schwächer Radioaktiv. Das Problem ist nicht die Radioaktivität sondern die extrem hohe Giftigkeit des Stoffes. Das ist kein Atomproblem das ist ein Sondermüllproblem.



Pfeil-SymbolVerstoß melden




FR-online.de interaktiv


Alles - außer Englisch: Der neue EU-Kommissar Günther Oettinger braucht Ghostwriter. Wir haben sie.

Steuerfahnder-Affäre


Das Land Hessen entlässt seine besten Beamten, erklärt erfolgreiche Steuerfahnder für verrückt. Was steckt dahinter?

Pfeil-SymbolSteuerfahnder-Affäre
Haiti: Helfer berichten

Mitarbeiter von Hilfs- organisationen packen in Haiti mit an - Eindrücke aus dem Katastrophengebiet

Logo FR-Meinung Mit spitzem Stift:
Die Meinungsseiten

Dossier: Schweinegrippe


Pandemie Schweinegrippe: Was sind die Symptome?
Ist die Impfung sinnvoll?

Pfeil-SymbolDossier: Schweinegrippe
Blog: Hebel macht Mittag
Hebel bloggt

Stephan Hebel, Mitglied der FR-Chefredaktion, über Ausreißer und Ausreden, Auf- und Abstiege in der politischen Arena

Aktueller Beitrag:
Zeitgeschichte


Studentenproteste, Rassen- unruhen, Vietnamkrieg und die Anfänge der RAF

Pfeil-Symbol1968 - Wie es wirklich war
Themen der Woche
Anzeige
Deutschlandwetter




Copyright © 2010 Frankfurter Rundschau
Startseite | Anzeigenmarkt | Hilfe | Politik | Wirtschaft | Frankfurt | Hessen
Sport | Fotostrecken | Kultur | Medien | Blogs | Auto
Reise | Videos | Spiele | Stellenmarkt | Kfz-Markt | Immobilien
Datenschutzerklärung | Abo-Service | Mediadaten | Kontakt | Impressum | Sitemap
realisiert von evolver media®