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Koalitionsvereinbarung

So beschenkt Schwarz-Gelb die Bosse

Der Bundesverband der Deutschen Industrie feiert den Koalitionsvertrag – und er weiß, warum. Union und FDP arbeiten seinen Wunschzettel restlos ab. Eine Analyse der Steuerpolitik - und sechs Beispiele.
Von Markus Sievers

Berlin. "Die steuerpolitischen Vorhaben für die neue Legislaturperiode werden den Erwartungen der Industrie im Großen und Ganzen gerecht." So feiert der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) den Koalitionsvertrag – und er weiß, warum.

Schwarz-Gelb legt zugunsten der Wirtschaft nicht nur bei der Unternehmenssteuer nach, sondern auch bei der Erbschaftsteuer, und darüber hinaus vor allem und in noch nicht absehbarem Ausmaß bei den Sozialabgaben.

Bei aller Freude hatte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel einen Wunsch offen. Enttäuscht sei er, "dass die Regierungsparteien nicht den Mut hatten, auf breiter Ebene in die steuerliche Forschungsförderung einzusteigen".

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Lange mussten die Lobbyverbände nicht klagen, bis Trost von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) kam. "Denkbar ist, dass kleine und mittlere Unternehmen für ihre Forschungs- und Entwicklungsausgaben eine Steuergutschrift von 15 Prozent erhalten, alle anderen zehn Prozent", so Schavan. Dafür müsse der Bund "hier mindestens zwei Milliarden Euro jährlich investieren".

Diese kommen zu den 3,5 Milliarden Euro hinzu, auf die der Staat nach ersten Schätzungen aus dem Bundesfinanzministerium bei den Unternehmensteuern verzichtet. Schwarz-Gelb will bei der Zinsschranke die Freigrenze von einer auf drei Millionen Euro erhöhen.

Die Zinsschranke begrenzt den steuerlichen Abzug von Zinskosten mit dem Ziel, international tätigen Konzernen die Möglichkeit zu nehmen, sich in Deutschland vorm Fiskus künstlich arm zu rechnen. Weitere Erleichterungen sind beim Kauf von sanierungsfähigen Firmen vorgesehen, wo eigentlich der Käufer die Verluste des übernommen Betriebes nicht geltend machen durfte.

Diese Erleichterungen hatte als vorübergehende Hilfe in der Krise schon die große Koalition beschlossen. Nun führt sie die neue Regierung dauerhaft ein. Über die einzelnen Regelungen lässt sich streiten. Beispielsweise war es in der Tat fragwürdig, Zinsen und damit Kosten zu besteuern.

Schieflage in der Summe


Aber in der Summe entsteht eine Schieflage, durch die der Unternehmensteuerreform von 2008 die Geschäftsgrundlage entzogen wird. Damals war die Verabredung: Die Wirtschaft bekommt eine kräftige Tarifsenkung, bei Kapitalgesellschaften von 39 Prozent auf unter 30 Prozent des Gewinns.

Im Gegenzug wird die Bemessungsgrundlage der Steuer erweitert, damit dem Staat nicht zu hohe Ausfälle entstehen. Nun bleibt die Tarifsenkung, und die Gegenfinanzierung wird gestutzt.

In verfassungsrechtliche Probleme bringt sich die Koalition mit ihrer Absicht, bei der Erbschaftsteuer die Bedingungen für eine Steuerfreiheit bei Betriebsübergaben zu erleichtern. Auch hier gilt: Der Kompromiss von Schwarz-Rot war nicht der Stein der Weisen.

Zehn Jahre muss ein Junior die Lohnsumme halten, um von der Erbschaftsteuer befreit zu werden. Aber statt einen Neustart zu wagen, wurstelt die neue Koalition herum wie die alte und riskiert die nächste Niederlage für den Gesetzgeber in Karlsruhe.

Mehrfach hat das Verfassungsgericht klar gestellt, dass jede Ausnahme von der Erbschaftsteuer gut begründet und an strenge Auflagen geknüpft sein muss.

Den größten Erfolg haben die Wirtschaftsverbände bei Gesundheit und Pflege erzielt. Der Krankenkassenbeitrag wird eingefroren – aber nur für Arbeitgeber. Die Mehrkosten gehen, sofern sie nicht aus dem Steuertopf bezahlt werden, allein zulasten der Arbeitnehmer.

Mittelfristig plant die Koalition einkommensunabhängige Prämien, auch Kopfpauschalen genannt. Die müssen nicht ungerecht sein, wenn, ja wenn der soziale Ausgleich über das Steuersystem gelingt. Dafür aber muss eine Regierung die Umverteilung über die Einkommensteuer ausbauen, nicht mindern.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Beispiel Energiekonzerne.


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Dokument erstellt am 30.10.2009 um 17:02:28 Uhr
Letzte Änderung am 31.10.2009 um 13:14:53 Uhr
Erscheinungsdatum 30.10.2009
Kommentare
1. Wirtschaftsfreundlichkeit ist böse
Ja, das ist hart: Da kommt eine neue Regierung ins Amt und belastet nicht, wie dies bei den vorherigen Regierungen der Fall war, einseitig "die Wirtschaft" (also Anbieter und Konsumenten), sondern korrigiert gröbste Fehlentwicklungen. Das passt natürlich nicht in die deutsche "Robin-Hood-Mentalität", in der es als sozial gilt, den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben - egal, ob der überbordende Sozial- und damit Steuerstaat bereits jetzt dazu führt, dass viele Leistungsträger entweder auswandern oder jeden Ansporn zur Leistung verlieren - letzteres wie manche Transferempfänger ja auch. Aber, genau dies hat die Mehrheit der Deutschen bewußt gewählt: Eine Regierung, die die Rahmenbedingungen für das Wirtschaften aller verbessert. Gefällt sicher nicht jedem - aber schafft Jobs.



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2. Leistungsträger
@Mosi
Offensichtlich sind Sie ja noch nicht ausgewandert.
Das kann ja nur bedeuten: Sie sind entweder kein Leistungsträger oder ein Produzent heißer Luft, der gerne seinen eigenen Schwachsinn liest.



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3. So beschenkt Schwarz-Gelb die Bosse
Die Lobbyisten und politischen Steigbügelhalter der kapitalistisch ausgerichten Wirtschaft sitzen jetzt direkt in der Regierung und führen konsequent die Wünsche der Wirtschaft und Kapitalisten um. So werden die Wahl-Parteispenden der Industrie, der Banken und Versicherungen für CDU und FDP bestens "verzinst". Die Verlierer dieser Politik sind circa 80% der Bevölkerung.
Für mich ist es immer wieder verwunderlich und unverständlich, wie rund 20 Millionen Wähler diese beiden Parteieen wählen können, die eindeutig eine Politik gegen ihrer elementarsten Lebensinsteressen betreiben.



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4. @mosi Schwerer Rechenfehler.....
@mosi Schwerer Rechenfehler.....
"Aber, genau dies hat die Mehrheit der Deutschen bewußt gewählt"
... und Auffälligkeiten in der Wahrnehmungsfähigkeit.

Mir graust es vor der Diktatur der sogenannten Elite! (Siehe Interview mit dem neuen Gesundheitsminister).
Die sog. Sozialdemokratische Partei hat dasselbe Spiel betrieben, vielleicht nicht ganz so konsequent ... Das alles ist eine Katastrophe für die kleinen und normalen Leute. Ca. 75% werden für das weitere Spielgeld für diese "Elite" bezahlen müssen. Und angesichts des offensichtlichen Totalausfalles von SPD/Grün (Thüringen/Saarland) gibt es keine Hofffnung.



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5. Ein Drittel - die Mehrheit?
Lieber Mosi, da war der Wunsch Vater des Gedanken: Ein Drittel der wahlberechtigten Deutschen hat die CDU/CSU/FDP-Koalition gewählt. Ein Drittel. Nicht mehr und nicht weniger.
Es ist das Problem aller an Parteien gebundener Wahlen, dass der Wähler immer für ein ganzes Paket an Themen stimmt und natürlich Kompromisse eingehen muss. Es ist beliebt, mit Blick auf das Ergebnis (dem ein Koalitionsvertrag ja erst folgt) zu argumentieren, der Wähler habe dieses oder jenes ja so gewollt, sonst hätte er sich anders entschieden. Dass man dies immer wiederholt, macht es nicht wahr: Erst wenn man Einzelthemen zur Abstimmung stellen würde, wüsste man Volkes Meinung. Also wird man weiterhin Entwicklungen kritisieren müssen, die den Interessen der Bevölkerungsmehrheit zuwiderlaufen.



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