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Titelbild Steuerfahnder-Affäre
Die Steuerfahnder-Affäre
Ein starkes Stück Hessen: Das Land entlässt seine besten Beamten, erklärt erfolgreiche Steuerfahnder für verrückt. Weil sie Millionen hinterzogener Steuern von den Falschen zurückholten? Verfolgen Sie hier die Recherchen der FR zu dem Fall.


Kommentar

Verräterischer Vorsatz

Von Matthias Thieme

Der Psychiater Thomas H., der die vier hessischen Steuerfahnder mit falschen Gutachten für paranoid erklärte, hat nach Ansicht des Berufsgerichts "vorsätzlich" gehandelt. Das bedeutet, dass er wachen Geistes und in Kenntnis der eigentlich nötigen fachlichen Kriterien dennoch falsche Gutachten erstellt hat. Er war also fachlich kein schlechter Psychiater, nein, er hat trotz seiner Ausbildung und trotz seines Wissens die Regeln außer Acht gelassen. Schwer vorstellbar scheint, dass er aus einer Laune heraus oder aus Schusseligkeit die beruflichen Biografien von vier Menschen zerstörte, indem er sie fälschlich als paranoid und anpassungsgestört bezeichnete.

Hat also dann dieser Psychiater seine falschen Gutachten erstellt, um Dritten einen Gefallen zu tun? Oder um eine Erwartungshaltung zu erfüllen, und sei es auch nur eine unausgesprochene, durch langjährige Bekanntschaft erwachsene Erwartungshaltung?

Man wird bei der Suche nach den Gründen für dieses fatale vorsätzliche Handeln bei den Entscheidungsträgern im Hessischen Versorgungsamt, in der Oberfinanzdirektion und im Finanzministerium nachforschen müssen, die diese Vorgänge in die Wege geleitet, abgezeichnet und gebilligt haben.

Mehr zu diesem Fall

Verfolgen Sie die FR-Recherchen im Dossier zur Steuerfahnder-Affäre.
Die Affäre um die vier geschassten Steuerfahnder ist erst dann vollständig aufgeklärt, wenn die Verantwortlichen bis hinauf ins Ministerium erstens benannt und zweitens auch zur Rechenschaft gezogen werden. Sollte das nicht gelingen, müssten viele hessische Beamte zu Recht befürchten, dass ihnen Ähnliches geschehen könnte, wenn sie Vorgesetzten zu unbequem werden.
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Dokument erstellt am 09.12.2009 um 17:33:14 Uhr
Letzte Änderung am 10.12.2009 um 12:13:11 Uhr
Erscheinungsdatum 10.12.2009 | Ausgabe: d
Kommentare
1. Koch Weimar Finanzamt Hessen
Guten Tag!
Ich frage, warum findet dieser Vorgang keine größere Beachtung in der Öffentlichkeit, sprich in den Medien? Es besteht eine eklatante Differenz zwischen der Bedeutung dieses kriminellen Aktes und seiner Darstellung in den Printmedien, dem Fernsehen und ebenfalls den Nachrichten im Rundfunk. Bleiben Sie am Thema dran!
Gruß kpunkt



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2. Ich wundere mich
daß diese Angelegenheit nicht mehr Aufsehen erregt. Die Sache ist kafkaesk und gruselig. Es erinntert einen an den Staatssicherheitsdienst der untergegangenen DDR. Das Vertrauen der Patienten in die Heilberufe wird verletzt. Dieser Fall gehört gründlich und vor aller Öffentlichkeit aufgeklärt.



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3. Weiter verbreiten
Meine Empfehlung: In den Blogs anderer Zeitungen auf diese ausgezeichnete FR-Recherche hinweisen, wo immer sich dazu Gelegenheit bietet, z.B. anlässlich der Ablösung von Brender, einem weiteren Opfer des Systems Koch.



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4. Überblick über den Sumpf gefällig?
Wer sich über diesen Sumpf einen überblick verschaffen möchte (von dem Herr Thieme dankenswerter Weise die Spitze des eisbergs präsentiert), der möge doch bei Wikipedia sich noch einmal unter dem Stichwort CDU-Parteispenden-Affäre die ganze Scheußlichkeit vor Augen führen lassen. Die offenkundigen Lügen, Korruption und Vertuschungen sind bis heute weitgehend konsequenzlos geblieben. Einer der Beteiligten, ist Hessischer MP, einer deutscher Innenminister, einer war bis vor kurzem Verteidigungs- und dann Arbeitsminister, und der Hauptdrahtzieher mit dem Gedächtnisverlust wurde erst kürzlich als der große alte Staatsmann der Wiedervereinigung gefeiert.

Wer so etwas unangefochten überlebt, der sitzt auch die Steueraffäre in Hessen aus.



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5. Psychiatriegutachten - des Kaisers unkontrollierbare Kleider
Das in der Profession Psychiatrie Angelegte: ohne Rücksicht auf Plausibilität durch irgendeine Form von "gesundem Menschenverstand" Krankheitszuschreiben dekretitieren zu können, vor allem durch die Diagnostizierten selbst, wird hier wegen der "großen Politik" - Koch ist Ministerpräsident - einmal publik und es kommt gegenteilige Urteile zustande. In der "Mikropolitik" der Familie, des Arbeitzsplatzes, der unteren Behörden, geht es da viel schlechter zu.
Das Märchen 'Des Kaisers neue Kleider' muss schon auf Kinder zurückgreifen, die der realen gegen die "dekretitierte" Wirklichkeit zur Wahrnehmung verhelfen. Für alle anderen, die [dekretierbaren] "Narren" inklusive, die die Wahrheit sagen, gibt es genug Möglichkeiten, sie"auszuschalten", lächerlich oder unglaubwürdig zu machen.



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