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16. März 2010
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Kolumne

Männerpolitik? Zum Teufel damit!

Von Charima Reinhardt

Männer sind lernfähig. Jedenfalls im Prinzip. Ihr Können hängt stark vom Wollen ab - von einigen mustergültigen Sonderexemplaren abgesehen, die über so etwas wie Einsicht verfügen. Grundsätzlich aber stellen sich Männer oft grottendämlich an, wenn sie Wäsche waschen sollen, ohne dass sie verfärbt oder im Trockner auf Kleinstformat schrumpft. Oder sie bestücken die Spülmaschine so, dass uns beim Ausräumen Wasser aus liegend oder stehend, auf jeden Fall falsch einsortierten Gläsern und Tassen entgegenschwappt.

Wir nehmen zu ihren Gunsten an: Es liegt nicht an einem zu niedrigen IQ. Ein genetischer Defekt? Kaum. Es handelt sich um Boykott. Manches wollen Männer einfach nicht können. Weil sie es dann auch machen müssten. Lieber stellen sie sich dumm an. Wir Frauen dürfen zwar mittlerweile Karriere machen, was aber keineswegs bedeuten muss, dass Mann die Hälfte der Arbeit im Haushalt und bei der Kindererziehung zu übernehmen bereit wäre. Wenn wir meinen, unseren Männern im Job Konkurrenz machen zu müssen: bitte schön. Die Doppelbelastung ist zu viel? Es hat eben alles seinen Preis!

Es wäre also prima, wenn Männer endlich zu richtiger Arbeitsteilung fänden, mithin zu jenem modernen Rollenverständnis, von dem wir Frauen allzu wohlwollend unterstellt haben, sie hätten es längst oder wären auf bestem Wege, es zu lernen. Das aber ist höchstwahrscheinlich nicht das Ziel der eigenständigen "Jungen- und Männerpolitik" im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung. Vielmehr geht es darum, tatsächliche oder gefühlte Nachteile in Schule und Berufsleben für das ach so starke Geschlecht zu beseitigen. So will Schwarz-Gelb "bereits bestehende Projekte für Jungen und junge Männer fortführen und intensivieren", um ihnen "erweiterte Perspektiven" etwa in erzieherischen und pflegerischen Berufen zu eröffnen.

Nun hat schon bisher kein Mensch Männern verwehrt, Alte und Kranke zu pflegen oder Kinder zu erziehen, und zwar weder freiwillig zu Hause noch professionell als Beruf. Bloß sind solcherlei traditionell Frauen zugewiesene Aufgaben notorisch unterbezahlt und gesellschaftlich kaum anerkannt. Wenn Männer in weibliche Domänen vorstoßen, dann hauptsächlich, wenn sie dort Starpotenzial für sich wittern. Kaum gelingt dem Mann am Herd einmal die Soße, schwupp, ist er schon Starkoch. Ein Mann als Friseur? Hat beste Aussichten, zum Starfigaro zu avancieren. Eine männliche Direktrice? Kann nur ein Stardesigner werden. Demnächst dürfen wir wohl mit dem Starpfleger und dem Starerzieher rechnen. Den genetischen Defekt haben offensichtlich wir Frauen. Uns fehlt das Wichtigkeitsgen, das uns in den Vordergrund drängeln lässt. Wir wollen einfach nur unseren Job machen.

Seit bekanntgeworden ist, dass Jungens den Mädchen in der Schule bloß hinterherhecheln, was ihre Leistungen betrifft, leidet konservativer Männerstolz. Familienministerin Ursula von der Leyen hat es bisher verstanden, sich bei Forderungen nach gezielter Jungenförderung taub zu stellen. Vielleicht wird das jetzt schwieriger. Vielleicht aber auch nicht. Von Männern haben wir gelernt, dass es besser ist, manches nicht zu können. Eine Frauenministerin soll Politik zugunsten von Männern machen? Kann nur Männern einfallen. Zum Teufel mit der erweiterten Perspektive!

Charima Reinhardt, freie Autorin, war Vizesprecherin der rot-grünen Bundesregierung.

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Dokument erstellt am 01.11.2009 um 16:43:01 Uhr
Letzte Änderung am 01.11.2009 um 19:17:27 Uhr
Erscheinungsdatum 02.11.2009 | Ausgabe: d
Kommentare
1. Männer gebraucht
Da scheint mir doch jemand Angst zu haben, die ganze, wohlgenährte Frauenförderungsindustrie (mit Subventionen, Gender-Mainstreaming, Frauenförderungsprogrammen etc.) könnte (endlich) zurückgeschnitten werden, um Mittel für eine allen Geschlechtern helfende Politik zu bekommen. Die Jungen sind die heutigen Verlierer unseres Bildungssystems - und dass nicht, wie die Autorin unterstellt, weil Jungen und Männer "nicht wollen" (oder hat man je Frauen, die weniger Karriere machen, unterstellt, dies läge am fehlenden Willen)? Nein, bei all diesen Problemen muss man (neben biologischen) die gesellschaftlichen Gegebenheiten untersuchen.
Eins ist jedenfalls klar - und ich weiß, dies sieht nicht jede Feministin ein: Gut ausgebildete, stabile "echte" Männer werden gebraucht - auch von Frauen.



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2. Männerpolitik
Recht so Frau Reinhardt !
Hat nicht schon unsere feministische Vordenkerin Frau Alice Schwarzer gesagt, "wer es den Mädchen leichter machen will, muß es den Jungs schwerer machen"?
Und jetzt wo wir es endlich geschafft haben, dass Mädchen bei gleicher Leistung bessere Noten erhalten als Jungs - wie es eine von Frau von der Leyen beauftrage Studie gezeigt hat - sollen wir unsere Ziel verraten ?
Und glauben sie es mir , ich bin Stolz einen Sohn zu haben, der mit seinen Scheitern im einseitig Mädchen förderndem Bildungswesen zu unserem feministischen Endsieg betragen kann!

Dominique



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3. Quatsch, die meisten Männer können immer mehr
Was die Frauen im Haushalt leisten, machen viele Männer mit links, es gibt viele Single-Männer welche einen tip-top Haushalt führen, der im Vergleich zum Single-Haushalt so mancher Frau, gerade nur so blitzt. Wenn der Mann will oder muss, dann kann er diese Dinge, ohne groß darüber nachzudenken, erledigen. Was gehört schon groß dazu zum Wäsche waschen? Die Spülmaschine räume ich viel akkurater und vor allem sinnvoller ein als meine Freundin.
Ich habe mal eine Zeit lang mit 4 Frauen in einer WG gewohnt, durch die Bank waren sie alle im Haushalt nicht zu gebrauchen, das WC war immer dreckig, es war eine Katastrophe was die Sauberkeit betraf.
Die Männer können aber Dinge, welche die Frauen, trotz größter Anstrengungen nicht bewerkstelligen können, daran lässt sich nicht rütteln.



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4. Danksagung
Liebe Frau Reinhardt,

ich danke für diese wunderbar ehrliche Kolumne. Genauso muß das sein.

LG

Isi



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5. Aha...
"Uns fehlt das Wichtigkeitsgen, das uns in den Vordergrund drängeln lässt."

Aha, soso. Und wieso liest man dann alle 1,5 Wochen in irgendeiner grossen Tageszeitung das übliche feminine Gejammer, wie schlimm doch Frauen in diesem Land unterbezahlt und von bösen Männern an der Karriere gehindert werden ?



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