Man kann den Straßburger Richtern zustimmen, wenn sie den Standpunkt vertreten, dass die Präsenz eines Kruzifixes in Klassenzimmern kaum zu "erzieherischem Pluralismus" an den Schulen beitrage. Und als Verfechter der Trennung von Kirche und Staat kann man der Ansicht sein, dass religiöse Symbole grundsätzlich in Orte des Kultes gehören und nicht in Bildungseinrichtungen des säkularen Staats.
Andererseits: Es hat etwas Irritierendes, wenn im aufgeklärten und säkularisierten Europa die bloße Präsenz eines Glaubenssymbols zu derart verbissenen Auseinandersetzungen führt - als hätte die heute Gesellschaft nicht andere Probleme. Etwas mehr Toleranz und Gelassenheit könnten auch und gerade bei religiösen Angelegenheiten nicht schaden.
Fraglich ist, ob der Religionsfreiheit wirklich ein Dienst geleistet wird, wenn dem katholischen Italien nun befohlen werden soll, in seinen Schulen die Kruzifixe abzuhängen. Man könnte diese Tradition - als Protestant, als Muslim, als Atheist, als europäischer Richter - auch einfach akzeptieren, ohne sich in seinen religiösen Gefühlen verletzt zu fühlen.


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