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Kapitalanlage

Die sechs größten Finanzirrtümer

Stuttgart. Wenn es um ihre privaten Finanzen geht, vertrauen viele Verbraucher lieber auf Faustregeln statt auf die Vernunft. Dabei entpuppt sich so mancher vermeintlich allgemeingültiger Ratschlag als plumpe Fehlinformation.

Viele populäre Einschätzungen sind bei genauem Hinsehen als Rezept zum Geldsparen oder -vermehren nicht haltbar.

Irrtum 1: "Eine 'Null-Prozent-Finanzierung' ist ein Schnäppchen". Vor Weihnachten wurden die vermeintlich günstigen Finanzierungen gerade von Elektronikmärkten wieder viel beworben. Mit Ratenzahlungsmodellen ohne Kreditzinsen locken viele Händler aber auch in Flautephasen. Sich einen langgehegten Wunsch auf Pump zu erfüllen, ist aber selten ein günstiger Fang, warnt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. "Erfahrungsgemäß ist es vorteilhafter, bar zu zahlen und einen Rabatt auf den Kaufpreis oder Gratis-Zugaben auszuhandeln." Und wer das Geld nicht hat, nimmt besser einen Ratenkredit bei der Bank auf.

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Irrtum 2: "Die Riester-Rente ist für alle Sparer gut". Die staatlich geförderte private Altersvorsorge genießt nicht zu Unrecht einen guten Ruf. Aber Verbraucherschützer warnen, dass sich nicht jedes Produkt rechnet - und nicht in jeder Lebenssituation. "Einige Riester-Produkte haben so hohe Kosten, dass die staatliche Förderung aufgefressen wird", sagt Nauhauser, Mitautor des Ende 2008 erschienenen "Lexikons der Finanzirrtümer".

Außerdem sei Riester für Menschen, die wegen gesundheitlicher Probleme von einer niedrigen Lebenserwartung ausgehen müssen, nicht unbedingt eine Empfehlung. Denn aufgrund der Kalkulation der Anbieter lohne sich ein Vertrag häufig erst, wenn monatliche Auszahlungen bis ins hohe Alter erfolgen, hat Nauhauser ausgerechnet.

Irrtum 3: "Abgeltungssteuerfrei heißt: Ich zahle keine Steuern." Die Werbung der Anbieter will das Sparer oft weismachen. Und es fallen zwar zum Beispiel für Riester-Einzahlungen tatsächlich keine Abgaben an, sagt Karin Baur, Finanzexpertin der Stiftung Warentest in Berlin. Dafür muss die Rente später mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Wegen des Steuerarguments achten viele Anleger nicht mehr darauf, ob ein Produkt gut ist, sagt Dietmar Vogelsang, Finanzsachverständiger aus Bad Homburg - ein Fehler.

Buchtipp
Werner Bareis und Niels Nauhauser, Lexikon der Finanzirrtümer: Teure Fehler und wie man sie vermeidet, Econ, ISBN-13: 978-3-430-20061-5, 16,90 Euro
Irrtum 4: "Qualität hat ihren Preis. Denn was nichts kostet, ist nichts wert." Während viele Verbraucher im Supermarkt oder beim Elektronikkauf genau auf Euro und Cent achten, fragen sie beim Fondskauf oder Versicherungsabschluss oft nicht nach den Kosten, hat Nauhauser beobachtet. Nur wegen des guten Namens einer Gesellschaft hohe Kauf- und Verwaltungsgebühren zu akzeptieren, lohne sich aber nicht.

Irrtum 5: "Bei Investmentfonds mit gutem Management muss mir die Rendite keine Sorge bereiten." Das kommt den Experten zufolge auf den Fall an. Die wenigsten, einst erfolgreichen Fonds blieben dauerhaft gut, weil die Strategie nicht mehr aufgeht oder das Management wechselt: "Die meisten Fonds schlagen auf lange Sicht nicht ihren Vergleichsindex", sagt Nauhauser. Dann aber können Anleger auch gleich zu sogenannten börsennotierten Indexfonds (ETF) greifen, die einen Index nachbilden, ohne dass jemand die darin enthaltenen Aktien aktiv für Gebühren auswählt.

Irrtum 6: "Mein Finanzberater wird mir schon etwas Gutes empfehlen." So denken viele Anleger - und verhalten sich damit oft zu gutgläubig. Denn die meisten Finanzberater leben von den Provisionen, die sie von den Produktanbietern erhalten, erklärt Nauhauser. Ihm zufolge verhalten sich viele Berater daher eher wie Verkäufer und vertreiben vorzugsweise Produkte mit hohen Gebühren. (dpa/tmn)


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Dokument erstellt am 22.01.2009 um 10:23:02 Uhr
Letzte Änderung am 22.01.2009 um 11:34:44 Uhr
Erscheinungsdatum 22.01.2009
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