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18. März 2010
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Borussia Dortmund - TSG Hoffenheim 0:0

Die Leichtigkeit ist dahin

VON FELIX MEININGHAUS

Ralf Rangnick musste sich erst einmal sammeln. Hoffenheims Trainer war in der Pressekonferenz nach dem torlosen Remis bei Borussia Dortmund gefragt worden, was geschehen sei seit jenem fulminanten 4:1 im Hinspiel, als der BVB förmlich an die Wand gespielt worden war, und dem Hier und Jetzt, in dem sich zwei kampfstarke Mannschaften auf Augenhöhe begegneten. Rangnick blies die Wangen auf. Nach einer kleinen Bedenkzeit bediente sich der 50-Jährige eines rhetorischen Kunstgriffs, um den Kern der Frage zu umschiffen: Er lobte den Gegner.

Klar, die Dortmunder hatten sich vor 78 800 Zuschauern bei dieser voller Leidenschaft geführten Nullnummer als zäher Widersacher erwiesen, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte kennt Rangnick, und wie alle Hoffenheimer tut er sich nicht leicht mit ihr. Weil sie schmerzhaft ist: Die Leichtigkeit des Seins, mit der der Aufsteiger durch die erste Hälfte dieser Spielzeit gerauscht war, ist verflogen. Nun ist der Alltag eingekehrt, und damit die Erkenntnis, dass jedes Resultat hart erarbeitet werden muss. Das ist nicht überraschend, aber doch gewöhnungsbedürftig.

Da passt ins Bild, dass die TSG ihren Spieler Tobias Weis nach einer Roten Karte wegen Nachtretens verlor, die sich beim Betrachten der Fernsehbilder als diskussionswürdig erwies. Ohnehin wurde über die Leistung von Schiedsrichter Herbert Fandel nach dem Spiel mehr als über alles andere geredet. Auch weil er vor der mit Rot geahndeten Auseinandersetzung einen Tritt des Borussen Marcel Schmelzer auf den Unterschenkel des am Boden liegenden Weis übersehen hatte (oder nicht sehen konnte).

Nach dem Spiel verteidigte Fandel die Rote Karte für Weis einschließlich der Gelb-Roten für den Dortmunder Sebastian Kehl sowie die Entscheidung, bei einer umstrittenen Aktion nicht gegen den Dortmunder Neven Subotic zu pfeifen. Nur bei jener Szene in der 4. Minute, als Teber den Dortmunder Tamas Hajnal rüde foulte, übte Fandel unverblümt Selbstkritik: "Je öfter ich mir das ansehe, desto roter wird die Karte. Ich ärgere mich, dass ich da falsch gelegen habe."

Nach dem rauschhaften Zustand erleben die Hoffenheimer nun zwar keine Krise, aber immerhin eine knifflige Phase. Es ist einiges zusammengekommen: Da ist der Kreuzbandriss des famosen Torjägers Vedad Ibisevic, da sind Gegner, die viel aufmerksamer agieren, und da ist der Vorfall um die Spieler Ibertsberger und Janker, denen nach ihrer zu spät abgegebenen Dopingprobe in Mönchengladbach empfindliche Sperren drohen.

In Dortmund zeigte der Aufsteiger die größere Eleganz und das versiertere Spiel, doch es war durchgängig spürbar, dass jene besondere Aura der Hinrunde abhanden gekommen ist. Es fehlt ein wenig Fortune, Nationalspieler Andreas Beck wünscht sich, "dass wir mal wieder ein frühes eins zu null machen, damit der Zug wieder ins Rollen kommt".

Im Moment stockt der Hoffenheim-Express, Rangnick macht die Defizite an simplen Faktoren fest und benannte vor allem die "zu hohe Fehlpassquote". Auf der Suche nach dem tödlichen Pass könnte der Jahreszeiten-Wechsel helfen. Denn nun, führte Rangnick aus, komme ja der Frühling, "und mit besseren Platzbedingungen nimmt vielleicht auch die Passgenauigkeit wieder zu." Ob Andreas Ibertsberger und Christoph Janker dann auf dem Rasen stehen, ist weiter unklar. Die Entscheidung in ihrem Prozess wird in dieser Woche erwartet.

Immerhin überprüft das internationale Sportgericht CAS derzeit die harten Strafen gegen zwei Italiener in einem vergleichbaren Fall. Vielleicht wird ja auch die Kritik der Wada am DFB zugunsten der Spieler gewertet. Die internationale Anti-Dopingagentur hatte das Kontrollsystem des DFB bemängelt, weil Spieler nicht von unabhängigen Kontrolleuren zu den Dopingproben geleitet werden.


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Dokument erstellt am 01.03.2009 um 21:48:02 Uhr
Letzte Änderung am 01.03.2009 um 22:12:44 Uhr
Erscheinungsdatum 02.03.2009 | Ausgabe: S
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