Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert die Einsetzung eines Fußballgipfels mit Vertretern des Sports, Polizei und des Innenministeriums, weil Gewaltdelikte rund um die Fußballspiele einen neuen Höhepunkt in den letzten zwölf Jahren erreicht haben. Auf einem Symposium in Berlin griffen Vertreter der Polizei den Deutschen Fußballbund (DFB) scharf an, weil er sich der Fachtagung verweigert hatte. Der DFB habe seine Teilnahme abgesagt, weil ihm der Titel des Symposiums nicht passte, sagte GdP-Bundesvorsitzender Konrad Freiberg. Der Titel war: "Fußball und Gewalt".
Pro Spielsaison summierten sich die Einsatzzeiten von Polizeibeamten mittlerweile auf 1,3 Millionen Stunden, berichtet Jürgen Schubert, Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder. Jedes Wochenende würden deutschlandweit rund 800 Spiele von Beamten begleitet.
Die enorme Zahl lässt sich einerseits auf das Phänomen zurückführen, dass selbst in den unteren Ligen, die Gewaltbereitschaft von Fangruppen zunimmt. Ein zweiter Grund ist die Entwicklung der Ultras-Bewegungen, die der Polizei Kopfschmerzen bereiten. Aus den einstigen Kritikern der Kommerzialisierung des Fußballs, gehen nach Darstellung der Polizeivertreter immer öfter gewaltbereite Gruppen hervor. Deutschlandweit seien es etwa 7000, die meisten im Alter 15 bis 25 Jahre. Von Stadt zu Stadt, von Bundesland zu Bundesland verfolgten sie jedoch ganz unterschiedliche Ziele.
Polizeidirektor Uwe Kilz aus Dresden sprach von rechten und linken Ultras, die jeweils ihre Vereine unterstützen – die rechten den 1. FC Lokomotive Leipzig; die linken den FC Sachsen Leipzig. Bekannte Gesichter der Ultras tauchten immer wieder auf politischen Demonstrationen in den jeweiligen Lagern auf. Sachsenweit zähle man etwa 1000 gewaltgeneigte Ultras, sagte Kilz der FR. Hinzu kämen 600 gewaltbereite Personen, die polizeilich registriert seien.
Fussball und Gewalt
Die Zahl der Verletzten bei Fußballspielen stieg nach Angaben der GdP von 371 (Saison 2005/06) auf 501 (Saison 2007/08). Die Zahl der Straftaten stieg in dem Zeitraum auf 4577. Unter den Fans würden deutschlandweit rund 12 100 als gewaltbereit eingestuft. Polizeivertreter, aber auch Gerd Landsberg aus dem Präsidium des Städte- und Gemeindebundes forderten Alkoholverbot in Stadien, in Zügen der Fans oder aber auch Spielabbruch und Spiele ohne Publikum, wenn die Vereine oder der DFB nicht kooperierten.
In Bremen stammten etwa 70 Ultras aus allen sozialen Schichten, seien eher links und distanzierten sich deutlich von den Hooligans, sagte ein Polizist aus Bremen. Bei Heimspielen hielten sie sich mit Gewalt zurück.
In Kaiserslautern muss sich die Polizei regelmäßig mit rund 100 Ultras auseinandersetzen, die sich deutlich von den Hooligans unterschieden. "Sie lehnen die Kommerzialisierung ab und den DFB, den Fan-Beauftragten des 1. FC Kaiserslautern. Und mit uns reden sie auch nicht", sagte Thomas Brühl, Einsatzleiter der Polizei in Kaiserslautern, der FR.
Die Unterschiede zwischen den Ultras verschiedener Städte lassen die Polizei ratlos dastehen. "Wir laufen den Entwicklungen nur hinterher, irgendwelche Konzepte für diese Gruppen können wir gar nicht entwickeln", sagte ein Polizeibeamter der FR.
Kilz berichtete aber von einem Erfolg in Dresden: Weil sich da die Polizei für den Erhalt des Heimatstadions von Dynamo eingesetzt habe, hätte sie einen Fuß in die Ultras-Szene rein bekommen. In Leipzig wiederum herrscht Funkstille zwischen Polizei und den Ultras. "Wir brauchen für einzelne Gruppen sehr individuelle Konzepte", meint Kilz.


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