Es war ein Spiel, das nicht ernst zu nehmen war. Das sich aber trotzdem Zehntausende in der Arena auf Schalke und Millionen vor den Fernsehgeräten ansahen. Eine Auswahl um Comedian Oliver Pocher spielte am 25. Juli gegen den FC Bayern München - was mit viel Trara und Tamtam vorher angekündigt war, erwies sich schnell als Muster ohne sportlichen Wert. Im Grunde gab es auf dem Rasen nur einen Gewinner: Stefan Wessels, der ausgerechnet gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber zu glänzen wusste.
Geholfen hat es freilich nicht wirklich. Wessels, mit 30 Jahren eigentlich im besten Torwart-Alter, findet keinen neuen Verein. Er hat sich arbeitslos gemeldet und zeitweise in die Obhut der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV) begeben. So wie Thomas Cichon, Klubkollege vom letzten Arbeitgeber VfL Osnabrück, Marco Küntzel, Filip Tapalovic oder Holger Wehlage, allesamt Spieler mit Bundesliga-Erfahrung.
Wehklagen will Wessels nicht anstimmen - im Gegenteil. "Klar, bedrückt einen die Situation. Es ist auch der schwierigste Moment meiner Karriere, aber ich kann mich doch glücklich schätzen: Es geht mir als Arbeitsloser finanziell besser als vielen anderen. Meine Existenz ist nicht bedroht."
Wer mit dem Abiturienten spricht, der sein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fernuni in Hagen derzeit ruhen lässt, merkt schnell: Wessels ist gefasst, wirkt aufgeräumt, geht realistisch mit den Gegebenheiten um. Er und Berater Jörg Neblung, beobachten und sondieren ständig den Markt, der indes für Keeper seiner Güte- und Gehaltsklasse ein schwieriger ist. Jeder Erstligist hat die Torwartposition doppelt und dreifach besetzt, dasselbe gelte im Grunde für die zweite und dritte Liga, hat Wessels festgestellt. "Ich warte noch auf das Richtige, das erstbeste Angebot will ich nicht annehmen." Als vereinsloser Profi muss er nicht auf den Transferschluss am 31. August warten; er ist auch darüber hinaus jederzeit vermittelbar.
Wie konnte es nur so weit kommen? Er galt mal als eines der größten Torwarttalente des Landes, hat schon mit 20 Jahren für den FC Bayern München in der Champions League debütiert, war die Nummer zwei hinter Oliver Kahn, später Stammtorwart beim 1. FC Köln, stand beim FC Everton unter Vertrag.
Der Karriereknick kam mit dem Wechsel zum VfL Osnabrück vergangenen Sommer, wo der Schlussmann aus seiner Sicht schnell zum Sündenbock gestempelt wurde. "Da sind unschöne Sachen vorgefallen." Nun muss er sich neu sortieren und sich ganz unten einordnen. "Zum Glück bin ich seit elf Jahren Mitglied der VdV, ich habe diese Organisation immer für sinnvoll gehalten." So konnte Wessels auch ruhigen Gewissens das Angebot der Spielergewerkschaft annehmen, sich in einem speziellen Sommercamp für arbeitslose Profis fit zu halten. Nur es fehlte der Fokus auf den Wettkampf, das Ziel, für das es sich zu schinden lohnt. Ein Zimmer bezog er dabei mit Daniel Ischdonat, ebenfalls Ballfänger im Wartestand. Aber Aufgeben gibt´s nicht. Nicht in seinem Alter. "Als Torwart kann ich locker bis 34, 35 Spielen." Wenn man ihn denn irgendwo lässt. Und das nicht nur bei den McFitAllStars.


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