stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
Sport
09. Februar 2010
Anzeigenmarkt | Zeitungsanzeige aufgeben | Abo-Angebote

In- & Ausland
Frankfurt & Hessen
Marktplatz
Verlagsservice
ANZEIGE
Die FR auch bei
Sport

Turn-WM

Sympathien statt Medaillen

Von Katja Sturm

Matthias Fahrig zollte Respekt. Als der Rumäne Flavius Koczi seinen letzten Sprung, einen Überschlag mit gestrecktem Salto und zweieinhalbfacher Schraube, im sicheren Stand beendet hatte, stimmte der Hallenser kurz ein in den Applaus der 12000 Zuschauer in der ausverkauften Londoner Arena. Dabei, das musste der 23 Jahre alte Kunstturner ahnen, war ihm soeben das bronzene Edelmetall am Tisch aus den Händen geglitten. Die medaillenlose Bilanz der ohne den verletzten Fabian Hambüchen gestarteten Riege des Deutschen Turner-Bundes (DTB) bei der Weltmeisterschaft im nacholympischen Jahr war besiegelt.

Fahrig selbst zeigte sich wenig später in der Mixed Zone "gar nicht traurig". Viermal war er an der Stätte, an der in drei Jahren die olympischen Turnwettkämpfe ausgetragen werden sollen, ans Gerät gegangen. Grobe Schnitzer hatte er sich nicht geleistet. Zudem erreichte der zwei Jahre zuvor wegen Undiszipliniertheit Aussortierte bei seinem zweiten WM-Start die eigenen Ziele: "Ich wollte in die Finals und dort nicht Siebter oder Achter werden", erklärte der sprungstarke Sportler, der am Boden als Sechster und am Sprung als Vierter abschloss.

Dabei hatte sich der oft als zu lässig geltende Sohn eines Kubaners und einer Deutschen mit seiner lockeren und sympathischen Art auch die Herzen zahlreicher Fans erobert. Selbst nach seinen Niederlagen winkte er noch fröhlich ins Publikum und wagte nach seiner Finalkür am Boden sogar ein kleines Tänzchen auf dem Podium. "Die Leute hier bezahlen so viel Geld, die sollen nicht nur Turnen sehen", sagte der einstmals den DTB-Oberen zu Widerspenstige mit einem verschmitzten Lächeln. Zuvor hatte er es allerdings bei den Ständen nach den akrobatischen Reihen nicht genau genug genommen und sich dadurch in einer wie am Sprung hochklassigen Entscheidung der möglichen Medaillenchance selbst beraubt.

"Ein dritter Platz wäre nur bei maximaler Leistung möglich gewesen", analysierte Cheftrainer Andreas Hirsch. Einen Tag später am Sprung vermutlich nicht mal das, denn anders als etwa der auch am Boden erfolgreiche Weltmeister Marian Dragulescu und dessen zweitplatzierter Landsmann Koczi kann Fahrig bislang nur einen Sprung mit der hohen Schwierigkeitsnote von 7,0 anbieten. Für den zweiten fehlt ihm laut Hirsch noch die Konzentration.

Zudem machte es der vorgegebene Ablauf den Finalisten nicht leicht, ihre bestmögliche Leistung abzurufen. Im Gegensatz zur Qualifikation oder dem Mehrkampf entfiel das Kurzeinturnen auf dem Podium. 30 bis 40 Minuten lagen so zwischen der letzten Geräteberührung in der Wettkampfhalle und dem entscheidenden, erstmals fürs Publikum von einer Fachfrau kommentierten Auftritt. Den größten Teil davon verbrachten die Athleten im kalten Gang und dem ebenfalls wenig geheizten Zelt, das in der riesengroßen Arena mit dem Durchmesser eines liegenden Eiffelturms zur sportlichen Vorbereitung diente. "Da musst du dich einpacken wie ein Eskimo", verwies Fahrig auf einen Umstand, der im Hinblick auf die Spiele noch zu verbessern sein wird.

Auch er selbst wolle 2012 besser abschneiden, sagte der Interims-Vorturner. Die in diesem Jahr erreichten Erfolge, darunter im Frühjahr Boden-Silber und Sprung-Bronze bei der Europameisterschaft in Mailand, hätten ihm neue Motivation gegeben.

Auch der stets kritische Hirsch sieht Fahrig "seit geraumer Zeit auf einem positiven Weg". Nicht nur an seinen Spezialgeräten, sondern auch im Mehrkampf sei er sicherer geworden und hat sich damit einen Einsatz bei der letzten Station der Champions Trophy in Stuttgart verdient.

Auch die deutschen Frauen hatten verletzungsbedingt unter anderem auf ihre aussichtsreichste Medaillenkandidatin, die 34 Jahre alte Oksana Tschusowitina, verzichten müssen. Ohne die Olympiazweite am Sprung wurde zwar laut Cheftrainerin Ulla Koch das Minimalziel erreicht, indem in Kim Bui eine Turnerin das Mehrkampffinale erreichte. Dort jedoch enttäuschte die dreifache deutsche Meisterin nach Stürzen am Boden und am Barren als 23.. Zuvor schon war die EM-Dritte am Barren, Anja Brinker, in der Qualifikation an ihrem Spezialgerät gescheitert. So liegt im Hinblick auf Olympia also viel Arbeit an - für die deutschen Turner ebenso wie in der von Baustellen gezeichneten britischen Kapitale.


Empfehlen via:    Twitter    Facebook    StudiVZ    MySpace
[ document info ]
Copyright © FR-online.de 2010
Dokument erstellt am 18.10.2009 um 21:49:18 Uhr
Letzte Änderung am 18.10.2009 um 23:11:18 Uhr
Erscheinungsdatum 19.10.2009 | Ausgabe: d
FR-online.de interaktiv
Volltreffer!


Die Brennpunkte der Fußball-Bundesliga in der Video-Analyse.

Pfeil-SymbolVolltreffer!
Spezial zur WM
Mein Fussball

FR-Redakteur Sebastian Gehrmann reiste im Vorfeld der WM durch Südafrika, sprach mit Südafrikanern und ließ sie einen Ball unterschreiben.

Pfeil-Symbol Zum WM-Spezial
Schlappekicker
Schlappekicker

Die FR-Aktion hilft kranken, behinderten und bedürftigen Sportlerinnen und Sportlern, die unverschuldet in Not geraten sind

Pfeil-SymbolSchlappekicker
Anzeige
Anzeige
Ironblog
Ironblog

Das Ironblog von FR-Redakteur Oliver Bechmann beschäftigt sich mit Training und Leben für Triathlon & Marathon und anderen Herausforderungen.

Pfeil-SymbolMitschreiben...




Copyright © 2010 Frankfurter Rundschau
Startseite | Anzeigenmarkt | Hilfe | Politik | Wirtschaft | Frankfurt | Hessen
Sport | Fotostrecken | Kultur | Medien | Blogs | Auto
Reise | Videos | Spiele | Stellenmarkt | Kfz-Markt | Immobilien
Datenschutzerklärung | Abo-Service | Mediadaten | Kontakt | Impressum | Sitemap
realisiert von evolver media®