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Eishockey

Werbung in eigener Sache

Von Reinhard Sogl

Wohin bloß mit den Händen? Eigentlich ist Uwe Krupp ja routiniert darin, sich mit einem Neuzugang im deutschen Eishockey fotografieren zu lassen. Aber sich im Auftrag des Dienstherrn an die Seite einer Frau zu stellen, war für den Bundestrainer eine neue Erfahrung.

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hat ARD-Wetterfee Claudia Kleinert als Botschafterin für die Eishockey-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Köln, Mannheim und Gelsenkirchen gewonnen. Und Krupp wirkte etwas verkrampft, als er am Rande des Deutschland-Cups in München neben der kühlen Blonden posieren sollte. Um Lockerheit bemüht, steckte der frühere NHL-Star also die linke Hand in die Hosentasche.

Keine Pose, die Symbolkraft hätte. Krupp ist ein akribischer Arbeiter, der Aufgaben anpackt. Bald nach dem Deutschland-Cup, den das DEB-Team durch einen 5:1-Sieg gegen die Schweiz und Schützenhilfe der Slowakei, die am Abend die USA mit 3:2 nach Penaltyschießen bezwang, erstmals seit 1996 wieder gewann, wird er in seine Wahlheimat Georgia düsen. Es gilt die acht deutschen NHL-Spieler unter die Lupe zu nehmen.

Das Oktett um Marco Sturm und Jochen Hecht und eine Handvoll DEL-Profis, die verletzungsbedingt für den Deutschland-Cup ausfielen, könnte den in München eingesetzten Spielern noch den Platz für das olympische Turnier in Vancouver streitig machen. "Einige Jungs haben die Chance gesehen, dass es noch freie Plätze gibt", verteilte Krupp ein Pauschallob an seine Mannschaft, die die Schmach von der vergangenen WM in Bern mit couragierten Auftritten in den Spielen gegen die Auswahl der USA (2:3 nach Penaltyschießen), die Slowakei (2:1 nach Penaltyschießen) und die Schweiz vergessen machte. Nur weil Deutschland WM-Gastgeber 2010 ist, hat das im Mai auf Abstiegsrang 15 gelandete Team die A-Klasse gehalten.

Eis von gestern. "Wir haben unsere Lektion gelernt", sagte Krupp und präzisierte: "Wir wissen jetzt, dass wir über uns hinauswachsen müssen, wenn wir nicht verlieren wollen." So wie an den drei Tagen in München, wo es freilich nicht um Sein oder Nichtsein ging (Krupp: "Bei der WM geht es immer ums Überleben"), sondern um die Generalprobe für Olympia. "Das war hier eine andere Bühne", wollte der noch bis nach der WM 2010 vertraglich gebundene Bundestrainer die Vorstellungen in der Olympiahalle beim einzigen Vancouver-Vorbereitungsturnier nicht überbewerten.

Aber zweifellos hat das deutsche Eishockey erfolgreich Imagewerbung betrieben. Das lag auch an einigen personellen Veränderungen. Vor allem die Rückkehr der vor der WM verletzt ausgefallenen Stürmer John Tripp und Thomas Greilinger wirkte sich positiv auf das Angriffsspiel aus. Das deutsche Team erarbeitete sich in allen drei Spielen eine Vielzahl von Chancen, gegen den favorisierten Angstgegner Schweiz stimmte auch die Effektivität. "Die Mannschaft ist zurück und absolut konkurrenzfähig", stellte Franz Reindl, der Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), nach dem höchsten Sieg gegen die Eidgenossen seit der WM 1987 zufrieden fest. "Wir wollen unser Image aufpolieren und bei Olympia Werbung für uns machen", versprach Torjäger Michael Wolf weitere Taten.

Krupp bescheinigte vor allem der Offensivreihe mit dem Berliner Travis Mulock, dem Iserlohner Wolf und eben dem für Ingolstadt spielenden DEL-Topscorer Greilinger eine starke Leistung. Der schon vor zehn Jahren als großes Talent gefeierte Greilinger durfte sich als Gewinner des Vier-Nationenturniers fühlen. Mit 28 Jahren schöpft er endlich sein Potenzial aus. "Er hat bewiesen, dass er sehr vielseitig ist, das verbessert seine Chancen, fester Bestandteil der Nationalmannschaft zu werden", lobte Krupp den Spätzünder. "Er ist ein begnadeter Eishockeyspieler", charakterisierte der zum 3:1 gegen die Schweiz erfolgreiche Wolf den Nebenmann, für den nach einer langwierigen Verletzung 2004 und bis zu 30 Kilo Übergewicht die wirklich fetten Zeiten angebrochen sein sollten. "Ganz okay" fand Greilinger sein Nationalmannschafts-Comeback.

Nach Jahren des unprofessionellen Lebenswandels, in denen er als Schwergewicht für Deggendorf in der Oberliga spielte, hatte er sich 2007 die Frage gestellt: "Büro oder Eishockey?" Und die Antwort gefunden: "Eishockey macht doch mehr Spaß." Vor allem, wenn sich, wie in München, der Erfolg einstellt. Und die weiteren Aussichten? Nicht nur Frau Kleinert setzt auf ein anhaltendes Hoch in Eishockey-Deutschland.


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Dokument erstellt am 08.11.2009 um 21:48:08 Uhr
Letzte Änderung am 08.11.2009 um 22:57:34 Uhr
Erscheinungsdatum 09.11.2009 | Ausgabe: d
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