Es war überfällig, dass der unsägliche verbale Schlagabtausch im Deutschen Fußball-Bund erst einmal beendet wird. Die vier Hauptverantwortlichen für eine in dieser Form beispiellose Meinungsverschiedenheit über Geld, Macht und gegenseitigem Umgang übten sich gemeinsam in Demut. Der eine (Oliver Bierhoff) mehr, die drei anderen (Joachim Löw, Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger) weniger, aber alle mit einem erkennbaren Ziel: die WM 2010 nicht durch einen persönlichen Zwist zu gefährden, für den kein Fan Verständnis aufbringen kann.
Man lächelte sich bei der Pressekonferenz in der DFB-Zentrale also etwas zu angestrengt an, man tätschelte sich sogar ein wenig, denn man hatte erkannt, dass es so nicht weitergehen kann. Persönliche Interessen über die des Nationalteams und also der Nation zu stellen, wäre nicht länger vermittelbar gewesen. Alle miteinander haben sich so schon lächerlich genug gemacht.
Bis zur WM wird man sich also wieder mit Respekt begegnen. Aber an einem konnte auch die öffentliche und durchaus mutige Entschuldigung von Manager Bierhoff vermutlich wenig ändern: Das nach der Ära Klinsmann mühsam aufgebaute Vertrauensverhältnis ist innerhalb von zwei Wochen nachhaltig beschädigt worden. Löw hat auf Fragen, ob es zu einem irreparablen Schaden gekommen sei, auffällig ausweichend geantwortet. Mal sehen, wie es nach der WM weitergeht. Das ist das Gegenteil dessen, was Zwanziger mit der Vertragsverlängerung erreichen wollte.
Der Bundestrainer, dessen bislang fast lupenreines Image in der Auseinandersetzung allenfalls ein paar Grauschleier bekommen hat, konnte aber auch so interpretiert werden, dass er sich selbst ohne Bierhoff an seiner Seite eine Zukunft beim DFB vorstellen kann. Das wäre ganz im Sinne des Präsidenten, der keinen Zweifel ließ, mit wem der DFB langfristig weiterarbeiten will: mit Löw, nicht mit Bierhoff.
Der Manager dürfte es mit seinem Kotau vor dem Allmächtigen noch bis Südafrika geschafft haben. Dann wird sich der DFB entweder von ihm trennen, oder der Zurechtgestutzte muss größere Abstriche machen, als er sie sich bislang nur im Alptraum vorstellen konnte.


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