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09. Februar 2010
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FC Ingolstadt - Hamburger SV 1:3

Das lästige Thema van der Vaart

VON SEBASTIAN KRASS

In diesem Moment der Enge hielt Dietmar Beiersdorfer die Zeit für gekommen, seinen Fundus an klassischer Bildung zu öffnen. Der Sportdirektor des Hamburger SV stand hinter dem Tribünchen des Ingolstädter Fußballstadions. Eine Traube an Reportern hatte ihn an einem Baugerüst eingekreist und stellte allerhand Fragen zu Themen, über die zu sprechen Beiersdorfer überhaupt keine Lust hatte. Nun sollte er sagen, was man denn Positives für die nun anstehende Prüfung, die Bundesligaeröffnung beim FC Bayern am kommenden Freitag, mitnehmen könne. Jeder wusste, dass es nicht viel mitzunehmen gab aus diesem mühseligen 3:1 des HSV in der ersten DFB-Pokalrunde beim FC Ingolstadt 04.

Beiersdorfer befreite sich mit einem lateinischen Aphorismus: "Ut desint vires tamen est laudanda voluntas." Mit einem überlegenen Schmunzeln schob der studierte Betriebswirt Beiersdorfer die Übersetzung gleich hinterher: "Auch wenn die Kräfte fehlen, so ist doch der Wille zu loben." Er meinte den Willen, den die Spieler des HSV aufgebracht hatten, um die Partie nach einer desolaten ersten Hälfte und dem 0:1 zur Pause, erzielt durch Ersin Demirs (33.) wuchtigen Kopfball, noch zu drehen. Angreifer Ivica Olic personifizierte diese Wende mit seinen zwei Toren (51., 54.). Den Treffer zum Endstand erzielte Paolo Guerrero in der Nachspielzeit.

Doch das bestimmende Thema dieses Tages schaffte Beiersdorfer mit seiner kleinen Lateinlektion nicht aus der Welt. "Rafael van der Vaart spielt jetzt bei Real Madrid. Ich habe keine Lust mehr auf das Thema", pampte er. "Es dreht sich zu viel um van der Vaart." Mittlerweile war Piotr Trochowski aus der Dusche gekommen. Auch er musste sich fragen lassen, wie es so sei, ohne van der Vaart zu spielen. "Wir haben letzte Saison auch oft ohne Rafael gespielt. Das ist ein Thema von gestern", gab Trochowski zurück. Doch da irrte er. So lange der HSV spielt wie in Ingolstadt, wird das lästige Thema ganz und gar gegenwärtig bleiben. Trainer Martin Jol war wenigstens so ehrlich zuzugeben, dass er van der Vaart durchaus vermisst habe, "weil er derjenige ist, der in einer Phase, wie nach dem 2:1, die anderen spielen lässt mit seinen tödlichen Pässen. Das fehlt uns." In der vergangenen Woche hat Jol unverblümt einen "fertigen Spieler" für die Offensive als Ersatz gefordert, "alles andere wäre ein Witz".

Beiersdorfer sucht mit Hochdruck. Doch die Preise auf dem Spielermarkt sind noch hoch, weil viele Spieler noch auf ein Engagement bei einem europäischen Topklub hoffen, also woanders als beim HSV. Bis zum 31. August hat Beiersdorfer Zeit. Er sagt: "Bis kommenden Freitag wird sich eher nichts tun." Der Sportdirektor weiß aus eigener Erfahrung, dass sich gerade kurz vor Ladenschluss noch gute Verpflichtungen realisieren lassen: Khalid Boulahrouz etwa unterschrieb am 31. August 2004, auch Tomas Ujfalusi und Joris Mathijsen kamen einst auf den letzten Drücker.

Doch Beiersdorfer will nicht die gesamten 14 Millionen Euro aus dem Verkauf van der Vaarts für einen Neuen ausgeben. Einen Teil der Summe plant er für die Bestandssicherung ein. Olic soll seinen Vertrag vorzeitig verlängern. Doch die Verhandlungen stocken. Beiersdorfer sagt: "Wir bemühen uns." Olic sagt zu dem Thema nichts, wohl aber zu seiner kleinen Serie: "Im Testspiel gegen Juventus Turin habe ich zweimal mit links getroffen, heute zweimal mit rechts, das nächste Mal mache ich zwei Tore mit dem Kopf." Das wäre dann am Freitag in München.


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Dokument erstellt am 10.08.2008 um 21:00:19 Uhr
Letzte Änderung am 10.08.2008 um 23:39:04 Uhr
Erscheinungsdatum 11.08.2008
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