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Eintracht Frankfurt

Zeitspiel in der Trainerfrage

VON INGO DURSTEWITZ

Unter dem stahlblauen Himmel im Wolfstal blinzelte Herbert Becker am Montag in die Sonne und hielt Ausschau nach seinem Liebling. "Was macht mein Caio?", fragte der Aufsichtsratschef der Frankfurter Eintracht die umstehenden Reporter. Die berichteten wahrheitsgemäß, dass sich der Brasilianer ganz wacker schlage, im Testspiel gegen Oberhausen etwa ein paar sehr energische Kopfballduelle geführt und ein Tor vorbereitet habe. Das hat Becker sehr gefreut.

Natürlich drehten die Journalisten irgendwann den Spieß um und löcherten den Aufsichtsratsboss, genügend Themen gab es ja, vor allem eines: das ab Sommer ungeklärte Vertragsverhältnis von Trainer Friedhelm Funkel. Im Kontrollorgan des Bundesligisten, das ist kein Geheimnis mehr, regt sich heftiger Widerstand gegen eine Weiterbeschäftigung des Fußballlehrers. Das wollte Becker auch gar nicht abstreiten, auch wenn er es milder formulierte: "Der Aufsichtsrat hat keine klare Meinung, da diskutieren wir auch. Wir sind unterschiedlicher Auffassung." Becker verwahrte sich indes dagegen, ein erbitterter Gegner Funkels zu sein: "Ich bin ein Kritiker."

Nun ist es so, dass der Vorstand von Eintracht Frankfurt bestimmt, ob er mit dem Trainer weiterarbeiten möchte oder nicht. Der Aufsichtsrat muss allerdings Investitionen von mehr als 500.000 Euro absegnen. Das hat er in der Vergangenheit fast immer anstandslos getan, nur zweimal legte er sein Veto ein. Die avisierten Vertragsverlängerungen von Marko Rehmer und Benjamin Huggel blockierte er. Und nun, bei der wohl wichtigsten Personalentscheidung für Eintracht Frankfurt? Da stellt er sich zurzeit erneut quer.

Im Hauptausschuss, bestehend aus den Räten Herbert Becker, Peter Fischer, Reinhard Gödel und Bernd Ehinger, sollen drei der vier Mitglieder gegen Funkel votiert haben. Und Becker stellte unmissverständlich klar, dass das überwachende Organ keineswegs alle Beschlüsse des Vorstands blindlings durchwinke. "Der Eindruck entsteht ja, dass der Vorstand was vorgibt - und wir nicken es ab. So ist es nicht. Wir haben eine Aufgabe zu erfüllen, wir haben auch eine Verantwortung."

Im Trainingslager an der portugiesischen Algarveküste, das sickerte gestern schon einmal durch, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Entscheidung in der Trainerfrage fallen. Das war wohl schon klar, bevor sich die Eintracht-Delegation überhaupt in den Süden verabschiedet hat. Heute wollen sich die Verantwortlichen offiziell dazu äußern.

Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen führte gestern aber schon einmal aus, dass selbst der dreiköpfige Vorstand mit ihm an der Spitze noch keine Entscheidung getroffen habe. Zudem: "Die Gespräche mit dem Trainer sind nicht abgeschlossen." Das war in den vergangenen beiden Jahren zu diesem Zeitpunkt anders, da ist Funkels Arbeitspapier jeweils in Rekordzeit um jeweils ein Jahr ausgedehnt worden, vor zwölf Monaten dauerte die Einigung 22 Sekunden. Diesmal, räumt auch Bruchhagen ein, "ist es diffiziler". Das sei aber ein "normaler Vorgang", es müsse "nicht immer in fünf Minuten gehen". In den Verhandlungen seien viele Dinge zu beachten, "wirtschaftlicher Art, formaler Art, konzeptioneller Art". Funkel sagte nur: "Es gab noch keine intensiven Gespräche."

Für einige Aufregung an der Atlantikküste sorgte dafür ein Artikel des Fachmagazins Kicker, der im Vertragspoker über eine "sensationelle Wende" schwadronierte und spekulierte, dass Funkel am Saisonende die Brocken von sich aus hinschmeißt. "Es gibt keine Signale, dass das so kommt", sagte Bruchhagen. Funkel hielt sich bedeckt, betonte aber, so etwas "nicht im Ansatz" geäußert zu haben, er wolle den Artikel eher verneinen.

Die Frage lautet natürlich, wie es nun weitergeht. Wahrscheinlich wird Bruchhagen die Entscheidung bis März hinauszögern. "Wir haben schon einmal mit dem Trainer im März verlängert", sagte er. Das war vor drei Jahren. Womöglich spielt er auch auf Zeit, um die Räte von sich und seiner Entscheidung zu überzeugen. Denn Bruchhagen würde gerne weiter mit dem Coach zusammenarbeiten - will aber auch nicht alleine im Hagel der Kritiker stehen.

Und dann ist da ja noch das Thema Caio. Gestern wurde einmal mehr deutlich, wie sehr der begabte, aber willensschwache Brasilianer in Frankfurt polarisiert. Denn es bleibt ein Hauptkritikpunkt des Aufsichtsratschefs, dass Caio, mit 3,8 Millionen Euro der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte, noch nicht integriert und kein fester Bestandteil der Mannschaft sei. "Die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wurde, ist eine Katastrophe", meckerte Becker. Ein Angriff auf Funkel, der den wankelmütigen Mittelfeldspieler in der Vergangenheit mehrfach öffentlich kritisierte. Funkel hält sich aber schon längere Zeit mit Aussagen zu Caio zurück. Er weiß, warum.


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Dokument erstellt am 12.01.2009 um 16:48:02 Uhr
Letzte Änderung am 12.01.2009 um 16:57:13 Uhr
Erscheinungsdatum 12.01.2009
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