Ein paar Minuten, ehe Heribert Bruchhagen die Trennung von Trainer Friedhelm Funkel bekannt gab, hat der Frankfurter Klubchef seelenruhig einer Gruppe Besucher Rede und Antwort gestanden, die am Donnerstag eine Führung durch den Bauch des Stadions unternommen hatte. Freundlich reihte sich Bruchhagen noch zum gemeinsamen Bild ein, dann trat er hinein ins Blitzlicht der Fotografen, nahm auf dem Podium neben Friedhelm Funkel Platz. Der verspeiste erst einmal ein Stückchen Streuselkuchen.
Alles sollte ganz unaufgeregt wirken. Dabei hatte gerade eine Revolution, von innen und von außen, den seit fünf Jahren bei Eintracht Frankfurt arbeitenden Trainer Funkel aus seinem Amt gespült.
Offiziell wurde diese Version verbreitet: Funkel habe am Montag Bruchhagen, nach Rücksprache "mit einem guten Freund", darum gebeten, das bis 2010 datierte Arbeitsverhältnis schon am 30. Juni dieses Jahres enden zu lassen, am Dienstag sei dann die Entscheidung gefallen, "um Schaden von der Mannschaft fernzuhalten", wie Funkel sagte.
Schon seit Wochen frage er, Funkel, sich, "ob es noch sinnvoll" sei, weiterzumachen - auch angesichts der immer lauter werdenden Unmutsäußerungen auf der Tribüne, "weil die Situation immer angespannter wurde, weil ich nicht mehr die uneingeschränkte Zufriedenheit spürte".
Darüber habe er vor Wochen bereits mit Bruchhagen gesprochen. "Ich habe gespürt, dass die Mannschaft Schwierigkeiten hatte, mit der Situation umzugehen. Wenn in der neuen Saison die ersten Spiele nicht erfolgreich gewesen wären, wäre die Mannschaft in den Fokus geraten", sagte Funkel, der seit einigen Wochen von den Rängen offen angefeindet wurde. Auch der Druck vom Aufsichtsrat wurde immer größer. Ob sich Bruchhagen diesem Druck beugte? "Es ist uns nicht gelungen, die Eigendynamik der Enttäuschung durch Argumente zu entkräften", räumte der Klubchef ein, widersprach aber heftig der Behauptung, der Aufsichtsrat habe letztlich die Trennung durchgesetzt. "Die Geschäftspolitik betreibt der Vorstand - sonst niemand."
Doch es bleiben zumindest Zweifel, dass Funkel tatsächlich freiwillig das Handtuch geworfen hat. Noch am Samstag, nach dem 0:2 in Bochum, hatte er einen Rücktritt kategorisch ausgeschlossen: "Wir haben gute Arbeit abgeliefert. Ich habe keinen Grund, mich zu verteidigen." Er sei sich der "hundertprozentigen Rückendeckung" des Vorstands sicher. Am Sonntag hatte er verschiedenen Zeitungen Interview-Wünsche in dieser Woche zugesagt. Dann sagte er plötzlich alles ab.
Am Samstag, im letzten Heimspiel gegen den Hamburger SV, wird Funkel "natürlich" auf der Trainerbank sitzen. Auch da gab es am Mittwoch andere Darstellungen. Da hieß es, Funkel werde mit sofortiger Wirkung von allen Aufgaben entbunden. Dem ist nun nicht so - und das ist gut so.
Wer Nachfolger von Funkel werden wird, stand gestern natürlich noch nicht fest. Die Vertragsauflösung gelte auch nur für Funkel, die Verträge der Co-Trainer Armin Reutershahn und Torwarttrainer Andreas Menger laufen weiter. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass der neue Trainer auf den alten Co-Trainer zurückgreift. Funkel will sich in seinem Urlaub Gedanken über seine Zukunft machen. Er wird eine Abfindung erhalten, die weit unter einer Millionen Euro liegen soll.
Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen lobte gestern den 55-Jährigen noch einmal ausdrücklich: "Wir haben Friedhelm Funkel Dank zu sagen, dass er mit stoischer Ruhe einen Verein, der sich vorher durch Fragilität ausgezeichnet hat, in ruhiges Fahrwasser führte."
Auch Funkel bedankte sich artig für fünf Jahre guter Zusammenarbeit. "Eintracht Frankfurt wird immer in meinem Herzen sein." Er habe hier eine "tolle und fantastische Zeit verbracht, die schönste in meiner Karriere", mit den Highligts im Uefa-Pokal, im DFB-Pokalfinale und im DFB-Halbfinale. Funkel, dem alten Fahrensmann, standen da für einen kurzen Moment die Tränen in den Augen. Der Trainer, der 2004 kam und die Mannschaft aus der zweiten Liga in die Bundesliga führte, sagte zudem: "Ich habe nicht ein Prozent bereut, bei der Eintracht gewesen zu sein. Fünf Jahre sind eine verdammt stolze Zeit." Eine Ära ist zu Ende gegangen.



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