Am Montag ist Benjamin Köhler erstmals wieder joggend in Berlin unterwegs gewesen. 20 Minuten nur, nichts Großes, "ganz locker, um wieder langsam reinzukommen", erzählt der Mittelfeldspieler des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Die sportive Zurückhaltung des 28-Jährigen hat ihren guten Grund: Köhler ist vor zweieinhalb Wochen erneut am Knie operiert worden - die Eintracht zog es vor, den Eingriff zu verheimlichen. Warum auch immer.
Köhler war bereits seit Mitte April außer Gefecht, damals zog er sich im Spiel bei Bayern München (0:4) eine Innenbanddehnung im rechten Knie zu. Was erst vor knapp drei Wochen herauskam: Offenbar wurde bei dem bösen Foul von Bayern-Spieler Jose Ernesto Sosa auch Köhlers Meniskus so schwer beschädigt, dass eine erneute Operation unumgänglich war. "Lieber jetzt als später", befindet der Berliner lakonisch, der zurzeit noch in seiner Geburtsstadt weilt und dort sein Rehabilitationsprogramm absolviert. Am kommenden Montag wird sich der vielseitig verwendbare Fußballer wieder in Frankfurt einfinden, um eine Woche vor dem Trainingsstart gemeinsam mit Fitnesstrainer Michael Fabacher an der körperlichen Ertüchtigung zu arbeiten.
Bajramovic scheint Hoffnung auf vollständige Genesung aufgegeben zu haben
In der Laufgruppe befindet sich neben Köhler auch Aleksandar Vasoski, der nach seinem Knorpelschaden im Knie um Anschluss kämpft. Der Innenverteidiger, der nach einem Sehnenriss in der Hüfte, zwei Operationen an der Lunge und der schweren Knieverletzung wieder voll angreifen will, ist aber zurzeit zur Untätigkeit verdammt. Der Mazedonier klagt über eine gereizte Sehne am Knie. Heute wird er bei Kniespezialist Ulrich Boehnisch in Augsburg vorstellig werden, der ihn Anfang März operiert hatte und nun eine genaue Diagnose stellen soll. "Das Knie macht sonst aber keine Probleme", sagt Vasoski, der ab Montag wieder einsteigen will.
Zlatan Bajramovic wird da wohl noch nicht in Frankfurt sein. Der Bosnier, der Anfang Mai bereits zum vierten Mal an der großen Fußzehe operiert wurde, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt "noch gar nicht einschätzen, wann ich wieder einsteigen kann". Beim letzten Eingriff wurden eine Metallplatte und Ablagerungen aus dem Fuß entfernt.
Der Mittelfeldspieler ist bescheiden geworden, die Hoffnung auf eine vollständige Heilung scheint er schon irgendwie aufgegeben zu haben. "Ich möchte nur, dass es nicht schlechter wird als es vor der OP war. Da habe ich immer wieder mal was gespürt, aber was soll’s, das war nicht so schlimm." Bajramovic war bisher dreimal leicht joggen, doch "so richtig sicher habe ich mich nicht gefühlt".
Der lange verletzte Preuß ist bald wieder so fit wie ein
Hobbysportler - immerhin
Erste Laufversuche macht seit zwei Wochen auch Christoph Preuß. Der zweimal am Knorpel im Knie operierte Mittelfeldspieler begann Anfang Juni mit leichtem Jogging, dreimal wöchentlich darf der seit 19 Monaten verletzte Profi 20 Minuten auf dem Rasen laufen. Aber was heißt laufen? "Es ist ein Heranführen ans Jogging", sagt Preuß. Zu Beginn joggte er eine Minute und ging dann vier, zurzeit joggt er drei Minuten und geht deren zwei. Die Intensität wird langsam gesteigert, Anfang Juli, wenn er 28 Jahre alt wird, soll er dreimal wöchentlich 20 Minuten joggen können. "Dann bin ich auf dem Stand eines Hobbysportlers", sagt er.
Preuß weiß, dass seine Laufbahn am seidenen Faden hing und immer noch hängt. Nun aber ist er guten Mutes, seine Karriere fortsetzen zu können. "Ich habe große Hoffnung, denn bisher läuft alles so, wie ich es mir erträumt habe. Ich hatte Rückschläge einkalkuliert, aber die blieben Gott sei Dank bisher aus. Es fühlt sich alles sehr, sehr gut an."
Preuß wird in enger Absprache mit der Klinik von Richard Steadman in Vail/Colorado seine Trainingspläne umsetzen, er will sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Nur so viel: "Irgendwann wird es so weit sein, dass die Nummer vier auf den Rasen zurückkehrt."
Eintracht-Chef Heribert Bruchhagen hatte nach dem Ende der letzten Saison angekündigt, dem Mittelhessen einen neuen Einjahresvertrag anbieten zu wollen. Preuß wollte sich dazu nicht näher äußern. "Es ist noch nichts schriftlich fixiert, aber ich gehe davon aus, dass ich auch in der neuen Saison ein Bestandteil der Mannschaft bin", sagt er nur.



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