Am Montagabend ist es dann endlich zu dem Gespräch zwischen dem Frankfurter Oberkritiker Michael Skibbe und Klubchef Heribert Bruchhagen gekommen. Geplant war das ein wenig anders, schon an Mittag sollte der 44 Jahre alte Fußball-Lehrer seine Fundamentalkritik auch dem Vorstandsvorsitzenden erklären. Und vermutlich wollte ihm Bruchhagen schon da ein paar Takte sagen. Aber Skibbe war auf der Autobahn stecken geblieben. Am Sonntag war der Trainer beim Spiel der Hertha in Berlin, dem übernächsten Gegner der Eintracht.
Skibbe ging selbstbewusst in die Runde: "Ich habe nichts angesprochen, was man nicht auch öffentlich sagen darf. Ich halte es für notwendig, dass wir offen und kritisch miteinander umgehen, um Veränderung zu schaffen, die erforderlich sind." Zuvor hatte Skibbe der Mannschaft seine Kritik ("zu viele durchschnittliche Spieler") erläutert.
Verstärkung im Winter
Doch auch dieses Gespräch, über dessen Inhalt am Montagabend nichts verlautete, wurde überlagert von einer anderen Nachricht: Ioannis Amanatidis, der eigentlich Unersetzbare, wird aller Voraussicht nach in dieser Saison nicht mehr spielen können. Die am Montag in Augsburg durchgeführte Operation hatte ergeben, dass das vorgeschädigte Knie erneut schwer angeschlagen ist: "Die Hälfte des neu gebildeten Knorpels hat sich wieder gelöst", sagte am Montag ein sichtlich betroffener Trainer Skibbe.
"Die zu erwartende Verletzungspause wird in etwa so lange währen wie bei der ersten Operation." Da fiel der 27 Jahre alte Stürmer, der in dieser Runde bereits drei Tore erzielt hat, bis Ende April aus. Er kam erst in den letzten beiden Spielen der vergangene Runde zu zwei Kurzeinsätzen. Bei seinem ersten Knorpelschaden wurde Amanatidis ebenfalls Anfang November operiert.
Damit ist für den Stürmer nicht nur die Saison bei der Eintracht gelaufen, sondern höchstwahrscheinlich auch die WM 2010 in Südafrika - sollte sich Griechenland dafür qualifizieren. Durch den Ausfall des besten Angreifers werden die Hessen wohl auch in der Winterpause auf dem Transfermarkt zuschlagen. Auch dies wurde bei dem gestrigen Gespräch ausgiebig erörtert.
Weckruf ans Team
Den ganzen Montag über war die Wutrede des Trainers Skibbe ("Wir müssen uns in allen Bereichen verbessern") Gesprächsthema Nummer eins bei der Eintracht. Bernd Hölzenbein, seit vielen Jahren Chefscout der Eintracht und Vertrauter von Bruchhagen, war ebenfalls irritiert über die Vorwürfe. Skibbe hatte mehr oder minder unverhüllt die Scouting-Abteilung kritisiert. "Ich kann und will dazu nichts sagen", sagte Hölzenbein der FR. Fest steht aber auch: Eintracht Frankfurt war in den letzten Jahren bei den Neuverpflichtungen, gerade auch den teuren (Caio, Fenin, Bellaid und Korkmaz, für die insgesamt 12,5 Millionen Euro ausgegeben wurden), nicht gerade vom Glück verfolgt. Von den Transfers vom Kaliber der Herren Mahdavikia, Kweuke, Mantzios und Petkovic ganz zu schweigen.
Die Mannschaft indes nahm sich die Kritik zu Herzen: "Wenn man zweimal so auf den Deckel kriegt wie wir gegen die Bayern und Bayer Leverkusen, dann ist es doch normal, wenn der Trainer enttäuscht ist. Das ist nachvollziehbar", findet Verteidiger Maik Franz. Vielleicht habe Skibbe seinen Rundumschlag auch als "Weckruf" an Mannschaft und Klub verstanden.



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