Natürlich hat sich Pirmin Schwegler den Ball geschnappt. Der Frankfurter Mittelfeldmotor gab den sich ebenfalls bewerbenden Mitspielern Caio und Selim Teber sehr deutlich zu verstehen, wer hier der Mann ist, der die Verantwortung tragen und den Ball aus elf Metern ins Tor schießen wird. "Ich habe gesagt, ich schieße", erzählte der 22-Jährige kurz und knapp.
Das tat er dann auch. Hart und schnörkellos in die Mitte. 1:2 nach 86 Minuten. Zu mehr sollte es für die Eintracht aber nicht mehr langen. Und Schwegler wollte denn nicht viel Aufhebens machen über den strammen Schuss aus elf Metern. Er habe sich gut gefühlt, sicher, "ein Schuss, ein Tor", kommentiert er knapp. Und beim Strafstoß sei es halt grundsätzlich so, dass "man der Depp ist, wenn man nicht trifft".
Irgendwie war klar, dass Pirmin Schwegler diesen Strafstoß treten würde, auch wenn er erst ein paar Elfer geschossen hatte zuvor, früher in der Schweiz mal, auch wenn er erst 22 Jahre alt ist. Wer sollte ihn auch sonst schießen? Teber, der vorher schon von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde? Caio, der gegen Rostock schon einmal vom Punkt kläglich vergab? Zumal Trainer Michael Skibbe den eidgenössischen Nationalspieler - wie Teber auch - grundsätzlich für einen geeigneten Schützen hält. Das liegt auch daran, dass Schwegler ein verantwortungsbewusster, verlässlicher Mann ist, einem, dem man Vertrauen entgegenbringt.
Schwegler hat sich binnen weniger Monate in der Hierarchie der Frankfurter Mannschaft ganz weit nach oben geboxt, mit guten Leistungen, mit nimmermüdem Einsatz, mit Laufbereitschaft und Können. Er gehört zu den Persönlichkeiten, zu den wenigen Führungskräften. Schwegler ist in einem guten Dutzend Spielen schon zu so etwas wie dem heimlichen Chef auf dem Feld geworden, ein unermüdlicher Antreiber, der kein Alibifußball spielt, sondern sich gegen Unbill stemmt.
Wenn die Kameraden nicht wissen, wohin mit dem Ball, schieben sie ihn oftmals weiter an den jungen Mann, der so viel reifer und älter wirkt. Schwegler weiß nicht immer, aber doch oftmals die richtigen Antworten. Und selbst wenn er, wie am Samstag gegen Gladbach, nicht seinen allerbesten Tag erwischt, so lässt er sich nicht entmutigen und ist immer noch besser und wirkungsvoller als fast alle seiner Mitstreiter. Dies ist gewiss kein Ruhmesblatt für die Mannschaft.
Schwegler hat sich auch dadurch profiliert, dass er in seinen Bewertungen stets recht offen und schonungslos ist, nicht polemisch oder unsachlich, nicht überkritisch, sondern eher analytisch. Nach der neuerlichen Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach referierte der aus Leverkusen für 600000 Euro gekommene Abräumer, der vor zehn Tagen beim 0:1 gegen Norwegen eine gute Leistung in der Nationalmannschaft zeigte und sich berechtigte Hoffnungen machen darf, im Sommer auf dem Schweizer WM-Zug aufzuspringen, mit sorgenvoller Miene. Der Trend zeige in die falsche Richtung, "es ist jetzt viel schlechter als am Anfang der Saison".
Ihm ist es auch zu einfach, alles auf die fehlenden Stürmer zu schieben. "Wir können ja über Nacht keine neuen holen", sagt er und bricht eine Lanze für einen seiner Mitspieler: "Alex Meier ist ohnehin unser bester Torjäger." So spricht einer, der das große Ganze im Blick hat. (dur)



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