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Michael Skibbe

Der Tempomacher

Von Ingo Durstewitz und Frank Hellmann

Der Dienstag ist gewöhnlich der längste Arbeitstag für die Fußballprofis von Eintracht Frankfurt. Nun stand sogar zwischen einer anderthalbstündigen Trainingseinheit mit dem Ball (vormittags) und einem dreiviertelstündigen Waldlauf (nachmittags) noch mehr auf dem Tagesprogramm: Um kurz vor zwölf Uhr fuhren Trainerstab und Spielerkader im Mannschaftsbus zur Trauerfeier der langjährigen Geschäftsstellenmitarbeiterin Ute Hering, die altgediente Eintrachtler als "Seele des Vereins" in Erinnerung behalten. Für Michael Skibbe war es eine Selbstverständlichkeit, dem Wunsch des Präsidiums Folge zu leisten, "auch wenn nicht alle Trainer und Spieler Frau Hering gekannt haben".

Genauso selbstverständlich erschien dem 44-Jährigen rückblickend sein bemerkenswerter Auftritt auf der Jahreshauptversammlung am Montagabend. Dort hatte der Fußballlehrer seine ganze Redekunst genutzt. Sein allerletztes Wort dabei lautete "irgendwie". Der vorhergehende Satz hieß: "Wir wollen alle eine Schippe drauflegen – irgendwie." Es war des Trainers Antwort auf die Frage eines Eintracht-Mitglieds, wie genau denn seine Manöverkritik nach dem Debakel in Leverkusen zu deuten gewesen sei.

Zweimal hastete er aufs Podium. Am Ende sollte Skibbe viel Lob und Applaus dafür erhalten, dass er sich den Mitgliedern stellte und vorstellte – der 44-Jährige war der erste Trainer der Profimannschaft seit einer gefühlten Ewigkeit, der einer Jahreshauptversammlung des Vereins beiwohnte. "Für mich ist das normal, ich kenne das nicht anders", sagte der gebürtige Gelsenkirchener, der schon viele Versammlungen seines Heimatvereins, FC Schalke 04, erlebt hat und deshalb sogleich das "tolle Niveau" des Eintracht-Mitgliedertreffens lobte. Der Mann weiß, was sich gehört.

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Skibbe sprach spontan, auf Wunsch von Vereinspräsident Peter Fischer − "wäre das geplant gewesen, hätte ich mich anders angezogen". Er sprach nach Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Der hatte emotional wie nie zuvor seine Politik der ruhigen Hand vereidigt. Mit ihm werde Eintracht Frankfurt keine Schulden machen und nicht ins Risiko gehen. Auch wenn er spüre, dass er "förmlich erdrückt" werde von Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen.

Bruchhagens kämpferische Ausführung war die verspätete Antwort auf Skibbes Fundamentalkritik. Der Trainer, der mit viel Beifall empfangen und auch entlassen wurde, nahm das zur Kenntnis, er trat eloquent wie eh und je auf, er begrüßte die Anwesenden sogleich mit "liebe Adlerträger", es schien, als wirke er nicht erst fünf, sechs Monate, sondern schon seit fünf, sechs Jahren in Frankfurt.

Berechtigtes Anspruchsdenken


Fenin wieder fit
Martin Fenin hat am Dienstag bereits wieder mit der Mannschaft trainiert. Der 22-jährige Tscheche ist überraschend fit geworden, nachdem ihm die Münchner Spezialistin Ulrike Muschaweck zwei nicht zusammengewachsene Nerven in der Leiste operiert hat. "Das war ein minimaler Eingriff, der Wunder bewirkt hat", so Trainer Michael Skibbe.

Ümit Korkmaz und Maik Franz setzten wegen leichter Blessuren aus. Korkmaz hat in Berlin einen Schlag auf die Wade bekommen, "da hat der Muskel zugemacht", berichtete Skibbe. (hel)
Er hob das "berechtigte Anspruchsdenken der AG" hervor. Im nächsten Atemzug äußerte er Verständnis für die Nöte des Muttervereins, "dem es vielleicht nicht nur darum geht, dass wir das nächste Spiel gewinnen", sondern eben darum, dass "er als Verein noch viele Jahrzehnte gut funktioniert". Skibbe, der Mann fürs große Ganze. Oder: Ein Trainer, der sich wie ein Vorstandsvorsitzender anhört.

Skibbe ist sich dessen bewusst, wie schwer es ist, den Spagat zu schaffen zwischen "dem Tagesgeschäft und dem Weitblick". Und doch bekräftigte er, dass der Klub zwar "sein eigenes Profil" haben müsse, "aber auch die Handschrift des Trainers erkennen lässt". Für ihn sei es "total wichtig, Bewegung in den Verein zu bringen".

Skibbe, ganz der unbequeme Querdenker, will sich mit dem Status quo nicht zufriedengeben. "Es war hier gut so, wie es gemacht wurde. Aber vielleicht geht es noch ein bisschen besser." Er wünscht sich, "näher heranzurücken an die Topvereine", er spüre schließlich: "In Frankfurt ist die Sehnsucht nach gutem Fußball sehr groß."
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Copyright © FR-online.de 2010
Dokument erstellt am 01.12.2009 um 12:48:01 Uhr
Letzte Änderung am 01.12.2009 um 22:15:54 Uhr
Erscheinungsdatum 01.12.2009
Kommentare
1. die Dynamik Bruchhagen-Skibbe
-->"Wir wollen alle eine Schippe drauflegen." – "Irgendwie."
Nach Skibbes öffentlichen Rundumschlag wurde oft der Begriff Fundamentalkritik benutzt.Das "fundamental" bezieht sich - das muss unterstrichen werden - vor allem auf die Bandweite von Skibbes Kritik. Kaum eine Abteilung blieb verschont.Angesichts der zitierten Antwort ist die konstruktive Komponente in der Kritik aber ziemlich dünn. Vielleicht ist die Handlungsempfehlung schmal, weil die strategische Kreativarbeit intern stattfindet.Für seinen Enthusiasmus & Zuversichtlichkeit bei der Eintracht sei guter Fußball möglich, kann man MS jedenfalls dankbar sein.Ob er tatsächlich der eiskalte Populist ist-wie manche Fans in der BuLi annehmen-bleibt offen: MS sollte die SGE aber ebenso als "Entwicklungs"chance begreifen, wie die SGE ihn



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2. Ohne Skibbe - wär hier gar nix los...
Das ewige Mittelmaß in den Köpfen Bruchhagens (und einiger anderer im Vorstand) wirkt sich auf die Eintracht wie ein Kropf aus, der sie in ihrem Erfolg und Ihrer Entwicklung immer stärker behindert. Das Aufbäumen dagegen kommt nicht von irgendwoher und hat mit Funkel erst angefangen. Spätestens 2012 wenn Bruchhagens Vertrag ausläuft und (hoffentlich) nicht mehr verlängert wird, wird man sehen können, wieweit die neu gesteckten Grenzen die SGE bringen werden; aufwärts in der Tabelle oder auch abwärts in die roten Zahlen. Einen Versuch sollte es jedenfalls Wert sein. Das ist eben genau das, was Herr Bruchhagen partout nicht verstehen will. Der Mensch wäre nicht zum Mond gekommen, wenn er bei seiner Angst vor den Kosten und der Ungewissheit des Erfolges hängen geblieben wäre. Bleib stark MS!!



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3. @player69
...der Mensch ist nur deshalb zum Mond gekommen, weil er Kosten und Projekt genau geplant hat, und niemals an dem Erfolg gezweifelt hat.
Wer glaubt, dass man mit hohen Schulden erfolgreich Fussball spielt handelt mit zuviel Risiko und hat den mordernen Fussball nicht verstanden. Nur eigenes Geld schießt nur mittel- und langfristig Tore. Auch wenn das bei vielen in Frankfurt nicht in den Kopf will. Hört auf zu träumen und unterstützt den Verein und die AG bei ihren Vorhaben. Wer hofft, dass HBs Vertrag 2012 nicht verlängert wird, dem ist echt nicht mehr zu helfen.



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4. CAIO
CAIO , CAIO



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5. @Lichtgestalt
Es redet keiner davon hohe Schulden zu machen, im Gegenteil, so hirnrissige Aktionen wie Podolski-Köln sollen in Frankfurt bloß nicht auf die Tagesordnung kommen. Aber ein HB stellt sich hinter sein Scout Team, welches aus 4 Leuten besteht, 2 davon über 50 die seit 30 Jahren keinen aktivenFußball mehr gespielt haben. Andere Vereine setzen 20 Sportstudenten vor die Monitore und lassen sie die Spiele der 2.+3. sowie der Jugend Ligen auswerten, und zwar nicht die deutschen, sondern international überall dort wo wirklich noch Spieler entdeckt werden können. Wo wir mit lahmen Einkäufen wie Caio (3,8) Fenin (3,5) Bellaid (2,5 Mio.), Petkovic (0,5 Mio.), Kweuke (0,25 Mio.) rummachen, da holt z.B. Dortmund 1 Barrios für 4,5 Mio. Das ist der Unterschied: 1 guter für 4,5 oder 5 normale für 10,55 Mio



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