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Eintracht Frankfurt

Skibbe droht mit Rücktritt

Von Ingo Durstewitz

Michael Skibbe bestellte sich erst einmal einen Milchkaffee, rührte mit dem Löffel in der Tasse und ließ seinen Blick über die herrliche Golfanlage wandern. Dann richtete sich der Trainer der Frankfurter Eintracht im Sessel auf, holte tief Luft - und setzte an zu einer Generalabrechnung mit seinem Arbeitgeber, die sich gewaschen hatte und die in einer ziemlich offenen Rücktrittsdrohung gipfelte. "Eintracht Frankfurt ist nicht in der Lage, sich weiterzuentwickeln", urteilte Skibbe über den Zustand des hessischen Bundesligisten. "Wir sind an Grenzen gestoßen, die wir mit unserem Verein nicht überspringen können." Mit ruhiger Stimme und kühlem Kopf nagelte der 44-Jährige seinen eigenen Klub an die Wand, seine Manöverkritik wird für ein mittelschweres Erdbeben in Frankfurt sorgen.

Abschied wohl im Sommer


Als den verblüfften Berichterstattern gewahr wurde, welche Brisanz in Skibbes Ausführungen steckte, haben sie den ehrgeizigen Fußballlehrer gefragt, ob er also im Sommer die Brocken hinwerfen werde. Skibbe versuchte nicht mal, die Vermutung zu entkräften. "Grundsätzlich habe ich einen Vertrag", antwortete er. "Aber ich bin bemüht, mich sportlich zu verbessern. Es muss eine Perspektive absehbar sein, auch für mich. Den Status quo zu verwalten, ist nicht mein Ziel. Ich stehe für Veränderung. Aber dazu brauche ich jegliche Unterstützung."

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Unterstützung, die ihm in seinen Augen verwehrt wird. Welche verheerende Wirkung seine Sätze nach außen haben werden, ist dem Coach durchaus bewusst. "Aber ich habe als Trainer ein Fachwissen. Und ich kann ja nicht gegen meine eigene Einschätzung argumentieren. Ich will da schon ehrlich bleiben." Ob Skibbe, desillusioniert, womöglich gar sofort seine Zelte abbrechen wird? "Daran habe ich nicht einmal gedacht. Ich bin sehr gerne Trainer dieser Mannschaft." Skibbes Betonung lag auf "der Mannschaft". Über den Verein würde er das eher nicht sagen.

Skibbe schlägt auch deshalb Alarm, weil er befürchtet, dass die Mannschaft in der Rückrunde einbrechen wird. In Ioannis Amanatidis, Martin Fenin, Zlatan Bajramovic und Aleksandar Vasoski fallen vier Spieler, die Skibbe fest eingeplant hat, langfristig aus. Markus Steinhöfer ist an den 1. FC Kaiserslautern ausgeliehen. "Der Kader ist ausgedünnt. Ich mache mir große Sorgen. Wir gehen gehandicapt in die Rückrunde."

Er glaubt auch nicht, dass die Eintracht in der Lage ist, die Qualität des Kaders perspektivisch so anzuheben, dass eine positive Entwicklung zu erwarten sei. "Der Substanzverlust ist zu groß, um dauerhaft erfolgreich Fußball zu spielen", sagt er. "Perspektivisch wird man nicht vorankommen. Es ist keine Entwicklung mehr möglich. Auch in der kommenden Saison wird es nicht besser." Eher schlechter. Das klingt nach Resignation, es klingt nach Rückzug, es klingt nach Abschied.

Heribert Bruchhagen reagierte überrascht auf das neuerliche Vorpreschen Skibbes. "Mir gegenüber hat sich der Trainer so am Samstag nicht geäußert. Davon war nicht die Rede", erklärte der Vorstandsboss." Mehr werde ich zu diesem Thema nicht sagen."

Der Cheftrainer ist verärgert, dass die Eintracht nicht willens ist, seine Wünsche zu erfüllen. Er bekam weder Lincoln noch Theofanis Gekas. Obwohl sie seiner Meinung nach durchaus finanzierbar gewesen seien. Doch die Führung ist nicht bereit, finanziell ins Risiko zu gehen. Mit ihm als Vorstandsboss, sagt Bruchhagen stets, werde es keine Schulden geben. Erst vor gut einer Woche führte er wortreich aus, weshalb die Eintracht nicht in der Lage sei, in die Phalanx der Topklubs einzubrechen. Allein im November seien neun Millionen Euro an den eingetragenen Verein, Aktionäre und für Altlasten abgeflossen, Geld, das nicht in die Mannschaft gesteckt werden konnte. Skibbe nahm die Ausführungen geschäftsmäßig zur Kenntnis. "Alles, was es dazu zu sagen gibt, haben wir doch alle vor acht Tagen gehört."

Der Frust nagt


Und natürlich nagt an ihm, dass die Eintracht nicht mal in der Lage war Rafik Djebbour von AEK Athen zu verpflichten. "Es ist kein guter Stürmer finanzierbar", schlussfolgerte Skibbe spitz. Bis zum Ende der Transferperiode werde auch kein neuer Angreifer mehr kommen. "Das, was jetzt kommt, kann keine Substanz haben, um uns zu verstärken." Auch nicht Gastspieler Karlo Primorac. "Er hat nicht so überzeugen können, dass er uns dauerhaft helfen kann. Da sollte die Eintracht lieber auf ihre jungen Spieler setzen." Spieler wie Cenk Tosun oder Marcos Alvarez. Die sind beide 18 Jahre alt und haben noch kein einziges Bundesligaspiel bestritten.

Am Mittag informierte Skibbe auch die Mannschaft beim Barbecue von seiner Einschätzung, und er legte dar, dass seine Kritik nicht an das Team gerichtet ist. "Die Jungs sind mit Feuereifer dabei. Sie geben ihr Bestes." Doch das ist eben nicht gut genug. Zumindest nicht für Michael Skibbe.
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Dokument erstellt am 10.01.2010 um 16:07:04 Uhr
Letzte Änderung am 11.01.2010 um 00:35:22 Uhr
Erscheinungsdatum 10.01.2010 | Ausgabe: d
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