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Eintracht-Kolumne

Ein Coup mit Ausrufezeichen

Mutig, frech, ja spielerisch elegant sichert sich die Eintracht drei unerwartete Punkte in Dortmund und liegt fünf Punkte hinter dem internationalen Geschäft. Benjamin Köhler: "Warum sollen wir defensiv denken?"
Von Ingo Durstewitz und Jörg Hanau

Da war er wieder, dieser Vulkan von einem Mann, dieses Bündel voller Emotionen. Tappte durch die Mixed Zone, bellte vor Lachen, ballte die Faust, immer und immer wieder, sprang fremde Menschen an und herzte sie ungehemmt. "Geil, einfach nur geil", rief er, "überragend, ein geniales Gefühl." Eintracht-Verteidiger Maik Franz, mit Adrenalin vollgepumpt, wusste im Überschwang nicht mehr wohin mit seinen Gefühlen. Es passiert ja auch nicht alle Tage, dass man in Dortmund gewinnt, verdient gewinnt, zumal dann nicht, wenn man das Trikot von Eintracht Frankfurt trägt. Die Hessen siegten nämlich letztmals im Jahre 1991 beim BVB. Und dann wieder am Sonntag, 7. Februar 2010. 19 Jahre später. Mit 3:2. Absolut zurecht.

Natürlich brachen nach dem Abpfiff viele Dämme bei den Frankfurtern, das war die pure Erleichterung, ein Freudentaumel in schwarz und rot. Auch Trainer Michael Skibbe ließ sich an alter Wirkungsstätte hinforttragen, der Stolz blitzte aus seinen Augen. "Tolle Leistung, ich bin unglaublich zufrieden, das war gut, dominant, mutig, das war einfach nur klasse." Der 44-Jährige verstieg sich gar zu der These: "Das war unser bestes Saisonspiel." Das konnte er mit gutem Recht einfach so behaupten. Es stimmte nämlich. Die Frankfurter trumpften groß auf, sie beeindruckten die Borussen mit einer spielerisch und kämpferisch tadellosen Darbietung, es war teilweise eine Augenweide, wie die Eintracht auf diesem "Rübenacker" (Maik Franz) ihr Spiel entwarf und zelebrierte. "Bis zum Dortmunder Tor war das Weltklasse", übertrieb Stürmer Halil Altintop. Der Neuzugang fügte aber gleich selbstkritisch an: "Ich muss dann halt auch mal ein Tor machen." In der ersten Hälfte hatte der sehr agile und bewegliche Unruheherd gleich drei hochkarätige Chancen, doch er ließ alle liegen. Und doch: "Altintop hat uns wirklich große Probleme bereitet", lobte selbst BVB-Trainer Jürgen Klopp. Der türkische Nationalspieler, das war zu erkennen, wird der Eintracht weiterhelfen.

Die Eintracht kombinierte schnell und direkt, gerne auch über die Flügel, über den sehr ballsicheren Benjamin Köhler auf links oder das dynamische Duo auf rechts, Patrick Ochs und Sebastian Jung. Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen glaubte gar, dass es Skibbe geglückt war, sein Dortmunder Pendant zu überlisten: "Der Überraschungseffekt mit Ochs und Jung war groß", urteilte er. Und die beiden hätten das Eintracht-Spiel belebt, wie schon in Hoffenheim.

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Der Trainer machte auch alles richtig, als er in Chris einen robusten und furchtlosen Zweikämpfer an die Seite von Selim Teber ins Mittelfeld beorderte. Dadurch nahm die Eintracht viel Wucht aus dem Dortmunder Spiel. "Der BVB zählt ja auch darauf, dass der Gegner eingeschüchtert ist", analysierte Skibbe. "Aber wir haben uns auch fußballerisch befreit, das hat uns gleich Respekt verschafft." Und natürlich kam es den Gästen entgegen, dass sie nicht das Spiel machen mussten. "Auswärts spielen wir einfach besser Fußball", sagte Köhler. In der Fremde haben die gut organisierten Frankfurter mehr Räume und Platz für ihre Gegenangriffe. Das liegt fast jeder Mannschaft mehr.

Gerade im ersten Abschnitt hätte die Eintracht "viel höher führen müssen", wie selbst BVB-Coach Jürgen Klopp bemerkte, da vergab neben dem dreifachen Altintop (9., 28., 30.) auch noch Köhler (18.) frei stehend vor Borussen-Torwart Marc Ziegler. Köhler aber war auch zur Stelle, als der bärenstarke Ochs eine Flanke maßgeschneidert nach innen zog, der kleine Köhler platzierte den Kopfball genau ins lange Eck (8.). Es war ein hervorragender Kopfball, sein fünfter Treffer in der Bundesliga per Kopf, kurioserweise alle vorbereitet von Patrick Ochs.

Die Eintracht ließ sich auch vom 1:1 durch Mats Hummel (17.) und dem 1:2 durch Lucas Barrios (57.) nicht aus der Bahn werfen, Sebastian Jung erzwang mit einem Vollspannschuss und seinem ersten Bundesligatreffer den Ausgleich (65.) (siehe untenstehenden Bericht), und dann schlug mal wieder das Phantom aus dem Nichts zu. Selim Teber hatte Alexander Meier in den Lauf gepasst, Patrick Owomoyela den Ball falsch berechnet - und dann stand er blank vor Ziegler, der Alex Meier. "Die Ballmitnahme war alles andere als optimal, aber dann wollte ich ihn mit der Seite in die lange Ecke reinschieben, das hat dann ganz gut geklappt", erzählte Meier später von diesen entscheidenden Sekunden in der 74. Spielminute. Für solche Dinger ist er bekannt, quasi unsichtbar und dann erbarmungslos vor dem Tor. "Da war er eiskalt. Wie immer", lachte sein Kumpel und Mitspieler Benjamin Köhler.

Und was geht jetzt noch für die Eintracht? Die Hessen haben nach 21 Spieltagen 31 Punkte beisammen, zum Vergleich: In der vergangenen Saison hatten sie nach 34 Partien nur zwei Zähler mehr. Die Eintracht hat sich auf Platz sieben eingerichtet, punktgleich mit dem Sechsten, Werder Bremen, und fünf Zähler hinter Borussia Dortmund auf Rang fünf. Die Spieler haben ihre jahrelange Zurückhaltung abgelegt. "Warum sollten wir defensiv denken?", fragte Köhler schelmisch. "Wir folgen der Marschroute des Trainers, und der ist extrem ehrgeizig. Er fordert viel und will vorankommen. Das wollen wir auch."

Und auch Neuzugang Altintop hofft, "dass wir vielleicht die Sensation schaffen und einen Uefa-Cup-Platz belegen." Um sich überhaupt noch einmal süßen Träumen hingeben zu können, müsste die Eintracht am Sonntag gegen den SC Freiburg nachlegen. "Dann sind wir ganz oben dabei", sagte Abräumer Chris. Nur Trainer Michael Skibbe, der Daueroptimist, gibt den Bremser. Ob es Ambitionen gebe, die internationalen Plätze zu attackieren? "Nein", antwortete er. Dann schob er nach: "Nein. Und da können Sie gerne noch ein Ausrufezeichen dahintersetzen."
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Dokument erstellt am 07.02.2010 um 21:57:34 Uhr
Letzte Änderung am 08.02.2010 um 13:43:19 Uhr
Erscheinungsdatum 07.02.2010 | Ausgabe: d
Kommentare
1. Mut haben
Was für eine Freude... die Eintracht siegt und das verdient und mit wirklich guten spielerischen Mitteln. Das war richtig schöner Fußball. Noch schöner wäre es, wenn die Eintracht diesen Tatendrang nächsten Sonntag gegen Freiburg auch mal zu Hause an den Tag legen würde. Keine Schieberei bis zum Gegentor oder zumindest bis zur Pause, sondern mit Vollgas ab dem Anpfiff... ich kann heute gut träumen. Danke!



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2. Geil, gegen Freiburg wird es aber schwer
Toller Sieg, aber gegen den Freiburg wird es schwer. Bitte nicht unterschätzen, aber ein UEFA CUP Platz sehe ich nicht als realistisch an. Mit Platz 7 bin ich sehr zufrieden.



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3. Sieg bestätigen
Es ist unglaublich wichtig, dass die Eintracht diesen unglaublichen Sieg gegen Freiburg bestätigt. Denn mit Mainz, Hoffenheim, Stuttgart, Wolfsburg und natürlich Bremen, ist die Konkurrenz nicht gerade zu verachten. Nur Konstanz fehlt um oben mit zu mischen. Spielerisch muss sich die Eintracht nicht mehr vor der Konkurrenz verstecken. Wohlgemerkt ohne Fenin, Amanatdisi und Schwegler! Hut ab! Und weiterkämpfen!



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4. Techniker
Wie schön ist das denn heute? Freu mich jetzt schon auf Sonntag. Welche Klasse Altintop hat, haben wohl alle vor dem 3. Tor gesehen, dann noch der Sahnepass vom Teber und was der Meier da macht, klasse. Kann mich noch gut an die ganze Aufregung erinnern, als hier viele Fans in der FR das technische Vermögen von Meier bezweifelt haben. Einfach noch mal ansehen, das war richtig stark!



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5. Was doch so möglich ist..
Skibbes Arbeit trägt Früchte. Unübersehbar. Vorbei scheinen die Zeiten der Selbsterniedrigung, die Zeiten als offiziell verlautbart wurde: Mehr als Platz 10 geht nicht. Und das Dauerhaft. Kann Motivation und die Stärkung des Selbstbewusstseins wirklich soviel bewirken? Muss wohl so sein, denn die Mannschaft hat sich personell nicht wesendlich verändert und die Verletzungsmisere dauert weiterhin an. Wie vor einem Jahr. Die Funkel- Rufer sind inzwischen verstummt. Fürchte aber, sie werden sich wieder lautstark zurückmelden wenn das eine oder andere Match verloren geht. Was ist da noch möglich. Vor allem in der nächsten Saison.



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