Da war er wieder, dieser Vulkan von einem Mann, dieses Bündel voller Emotionen. Tappte durch die Mixed Zone, bellte vor Lachen, ballte die Faust, immer und immer wieder, sprang fremde Menschen an und herzte sie ungehemmt. "Geil, einfach nur geil", rief er, "überragend, ein geniales Gefühl." Eintracht-Verteidiger Maik Franz, mit Adrenalin vollgepumpt, wusste im Überschwang nicht mehr wohin mit seinen Gefühlen. Es passiert ja auch nicht alle Tage, dass man in Dortmund gewinnt, verdient gewinnt, zumal dann nicht, wenn man das Trikot von Eintracht Frankfurt trägt. Die Hessen siegten nämlich letztmals im Jahre 1991 beim BVB. Und dann wieder am Sonntag, 7. Februar 2010. 19 Jahre später. Mit 3:2. Absolut zurecht.
Natürlich brachen nach dem Abpfiff viele Dämme bei den Frankfurtern, das war die pure Erleichterung, ein Freudentaumel in schwarz und rot. Auch Trainer Michael Skibbe ließ sich an alter Wirkungsstätte hinforttragen, der Stolz blitzte aus seinen Augen. "Tolle Leistung, ich bin unglaublich zufrieden, das war gut, dominant, mutig, das war einfach nur klasse." Der 44-Jährige verstieg sich gar zu der These: "Das war unser bestes Saisonspiel." Das konnte er mit gutem Recht einfach so behaupten. Es stimmte nämlich. Die Frankfurter trumpften groß auf, sie beeindruckten die Borussen mit einer spielerisch und kämpferisch tadellosen Darbietung, es war teilweise eine Augenweide, wie die Eintracht auf diesem "Rübenacker" (Maik Franz) ihr Spiel entwarf und zelebrierte. "Bis zum Dortmunder Tor war das Weltklasse", übertrieb Stürmer Halil Altintop. Der Neuzugang fügte aber gleich selbstkritisch an: "Ich muss dann halt auch mal ein Tor machen." In der ersten Hälfte hatte der sehr agile und bewegliche Unruheherd gleich drei hochkarätige Chancen, doch er ließ alle liegen. Und doch: "Altintop hat uns wirklich große Probleme bereitet", lobte selbst BVB-Trainer Jürgen Klopp. Der türkische Nationalspieler, das war zu erkennen, wird der Eintracht weiterhelfen.
Die Eintracht kombinierte schnell und direkt, gerne auch über die Flügel, über den sehr ballsicheren Benjamin Köhler auf links oder das dynamische Duo auf rechts, Patrick Ochs und Sebastian Jung. Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen glaubte gar, dass es Skibbe geglückt war, sein Dortmunder Pendant zu überlisten: "Der Überraschungseffekt mit Ochs und Jung war groß", urteilte er. Und die beiden hätten das Eintracht-Spiel belebt, wie schon in Hoffenheim.
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Gerade im ersten Abschnitt hätte die Eintracht "viel höher führen müssen", wie selbst BVB-Coach Jürgen Klopp bemerkte, da vergab neben dem dreifachen Altintop (9., 28., 30.) auch noch Köhler (18.) frei stehend vor Borussen-Torwart Marc Ziegler. Köhler aber war auch zur Stelle, als der bärenstarke Ochs eine Flanke maßgeschneidert nach innen zog, der kleine Köhler platzierte den Kopfball genau ins lange Eck (8.). Es war ein hervorragender Kopfball, sein fünfter Treffer in der Bundesliga per Kopf, kurioserweise alle vorbereitet von Patrick Ochs.
Die Eintracht ließ sich auch vom 1:1 durch Mats Hummel (17.) und dem 1:2 durch Lucas Barrios (57.) nicht aus der Bahn werfen, Sebastian Jung erzwang mit einem Vollspannschuss und seinem ersten Bundesligatreffer den Ausgleich (65.) (siehe untenstehenden Bericht), und dann schlug mal wieder das Phantom aus dem Nichts zu. Selim Teber hatte Alexander Meier in den Lauf gepasst, Patrick Owomoyela den Ball falsch berechnet - und dann stand er blank vor Ziegler, der Alex Meier. "Die Ballmitnahme war alles andere als optimal, aber dann wollte ich ihn mit der Seite in die lange Ecke reinschieben, das hat dann ganz gut geklappt", erzählte Meier später von diesen entscheidenden Sekunden in der 74. Spielminute. Für solche Dinger ist er bekannt, quasi unsichtbar und dann erbarmungslos vor dem Tor. "Da war er eiskalt. Wie immer", lachte sein Kumpel und Mitspieler Benjamin Köhler.
Und was geht jetzt noch für die Eintracht? Die Hessen haben nach 21 Spieltagen 31 Punkte beisammen, zum Vergleich: In der vergangenen Saison hatten sie nach 34 Partien nur zwei Zähler mehr. Die Eintracht hat sich auf Platz sieben eingerichtet, punktgleich mit dem Sechsten, Werder Bremen, und fünf Zähler hinter Borussia Dortmund auf Rang fünf. Die Spieler haben ihre jahrelange Zurückhaltung abgelegt. "Warum sollten wir defensiv denken?", fragte Köhler schelmisch. "Wir folgen der Marschroute des Trainers, und der ist extrem ehrgeizig. Er fordert viel und will vorankommen. Das wollen wir auch."
Und auch Neuzugang Altintop hofft, "dass wir vielleicht die Sensation schaffen und einen Uefa-Cup-Platz belegen." Um sich überhaupt noch einmal süßen Träumen hingeben zu können, müsste die Eintracht am Sonntag gegen den SC Freiburg nachlegen. "Dann sind wir ganz oben dabei", sagte Abräumer Chris. Nur Trainer Michael Skibbe, der Daueroptimist, gibt den Bremser. Ob es Ambitionen gebe, die internationalen Plätze zu attackieren? "Nein", antwortete er. Dann schob er nach: "Nein. Und da können Sie gerne noch ein Ausrufezeichen dahintersetzen."



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